8. Bamberger Open
Bello come Venezia
Mit dem fränkischen Venedig ist in der Regel Bamberg gemeint. Die Inselstadt um die Regnitz - früheres Refugium der Fischer - bietet mit ihren malerischen Winkeln und Fachwerkhäusern reichlich Anlass dafür. Die pittoreske Altstadt ist aber nur ein Grund zum Kommen. Eingebettet ist Bamberg in eine Hügellandschaft, über der die Altenburg thront und mit hervorragender Fernsicht lockt. Selbst der hiesige Skatverein SC Altenburg Bamberg ist nach ihr benannt. Vielleicht etwas verwirrend, aber womöglich genauso beabsichtigt.
Auf eine reiche Historie blickt auch der Bamberger Schachclub 1868 zurück. Drei Jahre älter als unsere ehrwürdige SG! So durften wir uns denn auch als Mannschaft SG 1871 2018 Inspirationen für unsere 150-Jahrfeier holen. Das Blitzturnier war eine rundum gelungene Sache. Die Bamberger haben mit Karl-May-Verleger, WM-Schiedsrichter und Sammler Lothar Schmid sowie Fernsehkommentator und Autor Helmut Pfleger zwei sehr bekannte deutsche Großmeister hervorgebracht. 1966 errangen sie ihre erste Deutsche Mannschaftsmeisterschaft - weitere sollten folgen. Ja, auch Artur Hennings spielte hier (neben u. a. Anton Csulits, Manfred Schöneberg, Matthias Womacka) 1. Bundesliga. Worüber ich natürlich mit den rührigen Organisatoren Prof. Dr. Peter Krauseneck und Michael Kolb ins Gespräch kam (beide nebst Team hatten das Turnier bestens im Griff).
Ansonsten weilte fast jeder, der Rang und Namen hat in der Schachwelt, bereits in Bamberg: Mikhail Botvinnik, Paul Keres, Mikhail Tal, Tigran Petrosian, Boris Spassky, Bobby Fischer, Anatoly Karpov, Viktor Korchnoi, die Polgars und viele weitere.
Das alles kann man nachlesen in der von Bernhard Schmid und Günter Lossa liebevoll zusammengestellten Bamberger Schachchronik "Das Haar muss ziehen!".
Ein bis zwei Nummern kleiner geht es bei einer Tradition der Neuzeit zu: dem Bamberger Open. Es erlebte allerdings auch schon seine 8. Auflage. Unser guter Freund Paul Zwahr aus Dresden war heuer immerhin das vierte Mal dabei. Er spielt seit geraumer Zeit genau zwei Turniere im Jahr: das Menorca-Open als Start in den Sommer (wo man schonmal den Weltmeister trifft) und als Kontrastprogramm das gemütliche Bamberg-Open. Das lässt sich - mit den Punktspielen noch oben drauf - gerade so gut mit der Familie vereinbaren.
Zum nebenstehenden Foto muss ich noch anmerken, dass hier leider Pauls Jacke ein wahrlich Aronianeskes Hemd verbirgt. Dieses offenbarte sich leider erst in einem Talk zwischen den Zügen … Paul startete sehr gut mit 4,5/5 ins Turnier, verlor dann gegen Co-Sieger IM Jonas Hacker und ließ mit einem Remis austrudeln.
Am Start waren auch die jungen Wilden von AEM: Arne Herter und Jakob Nönnig. Arne startete mit 4/4, bevor er gegen den Turniersieger Jan Helmer verlor. Zwei Remisen zum Abschluss - solides Plus.
Jakob mit einer Auftakt-Null gegen Toni Lutz aus dem schönen Markneukirchen. Nach zwischenzeitlich 4,5/5 war er wieder auf Kurs, verlor dann aber zum Abschluss gegen Yaroslav Demchenko vom Gastgeber.
Schließlich war noch Hou Yifan da, aber die "falsche".
Ich hatte mir das Turnier ausgesucht, weil man sich für die 7 Runden noch 5 statt 4 Tage Zeit nimmt, was soo viel ausmacht. Ganz wie zu den Friedrichrodaer Turnieren oder in grauer, grauer Vorzeit auch beim Magdeburger Open. Zusätzlich gab es das Angebot laut Ausschreibung, in Runde 2 ein Remis-Bye zu nehmen. Noch eine ungeliebte Morgen- und Doppelrunde weniger! 6 Partien in 5 Tagen erschien machbar. Dennoch war das Turnier hauptsächlich ein Konditionstest und ging diesbezüglich auf. Darüber hinaus gibt es schachlich wenig Berichtenswertes über mein Agieren. Aber abgesehen von den 64 Feldern: Bamberg ist sowieso immer eine Reise wert!
Reyk





