Landesliga 2001/02, Runde 2: Naumburg - Merseburg II
Was bereits im Landesliga-Bericht anklang, wurde durch die Partien bestätigt: Merseburgs Nachwuchsspieler müssen sich nicht verstecken! Bisher kenne ich die Partien aus Klostermansfeld noch nicht, aber in Merseburg gab es m. E. das interessanteste Material. Trotz der klaren Siege von H. Packroff, J. Härtig und F. Dietze auf Naumburger Seite kann man anhand der folgenden Fragmente wohl zumindest feststellen: Der Naumburger Sieg ist zu hoch ausgefallen ...
Lehmann, K. - Richter, T.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001
Hartung, T. - Fritsch, A.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001
Die folgenden Varianten sind bitte mit besonderer Vorsicht zu genießen. Pawel-Partien sind traditionell auch (oder gerade) mit Computerhilfe nur schwer zu durchschauen ...
16...Sxa2! kam
Schwarz zunächst in Vorteil. 17.Sd5! Sicher
die beste praktische Chance. Weiß hält sich Möglichkeiten offen, gegen den Sa2 zu spielen.
[17.Sxa2 Sxe4
18.Df3 Bei anderen Zügen kann Schwarz
gefahrlos auf d2 und c2 nehmen. Sxd2 19.Sxd2
Lc6 nebst ...20...d5 ist sicher gut für
Schwarz.]
17...Sxd5 Vielleicht schon der kritische
Punkt. Ich traue mir nicht zu zu sagen, ob 17... S:e4 objektiv besser ist, aber vielleicht ist es einfacher
zu spielen.
[17...Sxe4 18.Dg4
Sxd2 19.Sxd2
Dd8 20.Ta1
Txc2 21.Txa2 mit
schwarzem Vorteil.]
18.exd5 Sb4
[18...La4!? kann das Hauptmotiv c3 wohl
nur kurzzeitig aus der Stellung nehmen. 19.Sa1!
Lf6 20.c3 und
der Sa2 ist ein Sorgenkind, auch wenn ihn Weiß nicht fangen kann. Ld7
21.Sc2 nötigt Schwarz zu Lb5
22.Lxb5 axb5
]
19.c3 La4?
[19...Sa2! mit der Idee, den a-Bauern
loszuschicken. Weiße wie schwarze Springer machen in dieser Partie einen skurrilen Eindruck. 20.Ta1
Sxc3 21.bxc3
Dxc3 22.Td3
Dc2 und Schwarz bekommt vier Bauern für
die Figur. Diese Variante sieht brauchbar aus, während der Textzug Weiß taktische Möglichkeiten an
die Hand gibt ...]
20.Sa1?! ... die dieser einmal nicht
wahrnimmt...
[20.f6!! ist allerdings schwer zu finden.
Die weiße Idee besteht in Dg4, was kurioserweise, nach ...L:b3 D:b4 den schwarzen Läufer anstelle des
Springers einkreisen würde. Sofort 20.Dg4 scheitert allerdings an 20...S:d5! gxf6
(20...Lxf6 21.Sa1
Sa2 22.Txf6
Sxc3 (22...gxf6
23.Dh4 Dd8
24.Dxa4
) 23.bxc3
gxf6 24.Dh4
Tg8 (24...Dxc3
25.Dxf6+ Kg8
26.Lh6 e4
27.Td4 Dxa1+
28.Ld1
) 25.Dxf6+
Tg7 26.Lh6
Tcg8 27.Td3
Dc8 28.Tg3
Df8 29.Ld3
Ld7 30.Tg5 mit
der entscheidenden Drohung 31.L:h7.)
21.Dg4 Lxb3
(21...Sxd5 scheitert nun am Wegzug des
Le3 a Tempo 22.Lh6! dafür also
20.f6!)
22.Dxb4 Lc4
23.Lb6 sieht am Ende Weiß vorn.]
20...Sa2 21.b3? ...
und auch nicht beim zweiten Mal.
[21.f6! war immer noch gut für gefährlichen
Angriff. gxf6
(21...Lxf6? verliert wie einen Zug vorher
gezeigt.)
22.Ld3 f5
(22...Lb5? 23.Lxh7!
Kxh7 24.Tf5 nebst
Matt.)
23.Txf5 Lb5
(23...Ld7 24.Th5
)
(23...Sc1 24.Th5
Sxd3 25.Dh3
)
24.Lc2 mit der Idee 25.Dh3/26.T:e5.
Die schwarze Stellung sieht sehr anrüchig aus.]
21...Sxc3 22.bxa4
Sxe2!? Auch hier war die Variante m.
E. eine sehr ernstzunehmende Alternative. Allerdings bietet wohl auch das Figurenopfer recht gute Chancen.
[22...Se4 23.Dg4
Sxd2 24.Lxd2
Lf6]
23.Txe2 Dc4
24.Tef2?
[24.Df3 Dxa4 war
in jedem Fall vorzuziehen. In der Folge lässt Schwarz viele gute Möglichkeiten aus und den Sieg langsam
entgleiten.]
24...Lh4 25.Df3
Lxf2 26.Txf2
Dxa4 27.f6
g6?!
[27...Dxa1+ 28.Tf1
e4! hat Schwarz wohl übersehen?!]
28.Lh6 e4
29.Df4 e3
[29...g5! 30.Lxg5
Dxa1+ 31.Tf1
De5
]
30.Tf1 Dxf4 oder
[30...e2 31.Te1
Dd1 32.Dd2
Dxd2 33.Lxd2
Tfe8
]
31.Lxf4 Tfe8
32.Te1 e2
33.Sb3 b5
34.Lxd6 Tcd8
[34...Tc3! 35.Sa5
Tc1 36.Lb4
Td1 37.g3
Te4
]
35.Le7 Txd5
36.Kg1 Te5
37.Sc1 T8xe7
[37...a5]
38.fxe7 Txe7
39.Txe2 Td7
[39...Txe2 40.Sxe2
b4 mag ich nicht ausrechnen. Könnte
wohl zu langsam sein?]
40.Kf2 a5
41.Te8+ Kg7
42.Ta8 a4
43.Ta5 Td2+
44.Kf3 Tb2
45.Se2 Tb3+
46.Kf2 a3
47.Sd4 Tb2+
48.Kf3 b4
49.Sc6 h5
50.Sxb4 Tb3+
51.Kf2 Txb4
52.Txa3 Tf4+
53.Kg3 g5
54.h3 h4+
55.Kh2 Kg6
56.Ta6+ f6
57.Ta5 Kf7
58.Ta6 Ke7
59.Tb6 Td4
60.Ta6 Td6
61.Ta2 Ke6
62.g3 hxg3+
63.Kxg3 Td3+
64.Kg2 Kf5
65.Ta4 Te3
66.h4 g4 67.Ta5+
Kg6 68.h5+
Kh6 69.Tf5
Te5 70.Txf6+
Kxh5
1/2-1/2
Will, Ma - Mädel, K.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001
Katja brachte hier zunächst mit äußerster Geradlinigkeit ihren c-Bauern zur Geltung.
39...c3
40.Tb7 Dxd4! Hindernisse auf dem Weg nach vorn werden radikal beseitigt. Schwarz sollte danach eigentlich gewinnen, aber ... 41.exd4
c2 42.Dxc2
Txc2
43.a5 Ta8
44.T7b6 Ta2
45.Txe6 T2xa5
46.Tb7 T5a7
47.Tb3 Sc1 direkter
ist
[47...Ta1+ 48.Kg2
T8a2+ 49.Kf3
Tf1+ 50.Kg4
Kf7 51.Teb6
Txh2! 52.Txd3?
Kg6! 53.Tb5
h5+]
48.Tc3 Ta1
49.Kg2 T8a2+
50.Kh3 Ta7
[50...Se2]
51.d5 Kf7
52.f5 Sa2
53.Tb3 Tc1
54.d6 Td7? Schwarz
hätte den folgenden Turmschwenk besser mit S oder Tc3 verhindert. So ganz langsam bekommt Weiß nun
etwas Spiel. 55.Tbe3 Td1
56.Te7+ Txe7
57.Txe7+ Kf8
58.Ta7 Schwarz kann sicher noch spielen,
aber nach
[58.Ta7 Sb4
59.Ta8+ Kf7
60.Ta7+ Ke8
61.Txg7 Txd6
62.Txh7 ist die Sache - sagen wir so - nicht mehr ganz klar. Ich möchte diese Stellung nicht abschließend beurteilen.]
1/2-1/2
Biedermann, F. - Rössler, B.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001
Der einzige volle Punkt blieb schließlich Frank Biedermann vorbehalten. Bei den Ländermeisterschaften fiel er mir durch ein eher taktisch orientiertes Eröffnungsrepertoire auf, aber die vorliegende Partie war durch frühen Damentausch und Spiel gegen den schlechten französischen Läufer von Schwarz geprägt. Nun soll der a-Bauer den Tag entscheiden. Um ihn a Tempo zu schicken, wird die Taktik bemüht:
Uns Wolfenern sollte eigentlich spätestens jetzt klar sein, dass es am Sonntag kein leichtes Match geben wird. Das Beste hoffend
41.Lb5+!
Sxb5 42.Txf4
Sxc3 43.a6! im
Zusammenhang mit den folgenden Varianten die Pointe von 41.Lb5+. Se4+
[43...Sb5 44.Tb4
Sc7 45.a7
Kc6 46.Tb8
]
44.Ke1 gxf4 in
der Erkenntnis, dass der wB nach wie vor nicht ohne Materialverlust zu stoppen ist. Vermutlich erhoffte sich Schwarz so die besten Schwindelchancen.
[44...Kc6 45.Tf8!
Kb6 46.Tg8
Lf7 47.a7
Kxa7 48.Tg7 ist
trist für Schwarz.]
45.a7 f3
46.a8=D f2+
47.Kf1 Le8 Aus
eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, dass diese Materialverteilung durchaus ihre Tücken hat und sich nicht von selbst gewinnt (siehe Diagramm).
Die Stellung stammt aus Schäfer-Kielstein, LEM 1995. Nach über 70 Zügen wurde hier das Remis besiegelt. Im Unterschied zu dieser Stellung (Bb3) beseitigt die Möglichkeit der Freibauernbildung
bald den schwarzen Trumpf auf f2. Außerdem schafft es Schwarz nie diese Idealstellung einzunehmen, in der sich alle Figuren und Bauern gegenseitig decken.
48.h4 Ke7
49.Db7+ Kf8
50.g5 hxg5
51.hxg5 Lf7
52.Dd7 Sxg5
53.Kxf2 Se4+
54.Ke3 Kg8
55.Kf4 Kg7
56.De7 Kg8
57.Dh4 Kg7
58.Ke3 Lg6
59.De7+ verhindert, dass sich mit ...Lf5
alle schwarzen Figuren gegenseitig decken. Lf7 60.Kd3
Kg6 61.Df8
Sg5 62.Ke3
Sh7 63.Dh8
Kh6 64.Dc8
Sg5 65.Kf4
Se4 66.Df8+
Kg6 Nach 67.Dh8 ist Schwarz im Zugzwang!
1-0
Reyk