Landesliga 2001/02, Runde 2: Naumburg - Merseburg II

Was bereits im Landesliga-Bericht anklang, wurde durch die Partien bestätigt: Merseburgs Nachwuchsspieler müssen sich nicht verstecken! Bisher kenne ich die Partien aus Klostermansfeld noch nicht, aber in Merseburg gab es m. E. das interessanteste Material. Trotz der klaren Siege von H. Packroff, J. Härtig und F. Dietze auf Naumburger Seite kann man anhand der folgenden Fragmente wohl zumindest feststellen: Der Naumburger Sieg ist zu hoch ausgefallen ...

Lehmann, K. - Richter, T.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001


Mit seinem folgenden Zug droht Weiß Qualitätsgewinn. Schwarz ignoriert dies und fährt lange Zeit gut damit ...

29.f5 gxf5 30.Lg5 Dh3
[30...Sd4 sieht verlockend aus, ist aber wohl schlecht. 31.Tc3 Dh3 32.Tf1 fxg4
(32...f6 33.Ld1 Dieser Damenfang ist die weiße Hauptidee.)
33.Ld1 Dh5 34.Tg3!]
31.Lg2 Dxg4 32.Lxd8 Txd8 33.Te1 f4 34.Dd1 Dg6 35.Kh1 Sd4 36.Lf3 Kf8 37.Tg1 Dh6 38.Tc3 Lf6 39.Lg4 Ke7 40.Th3 Lh4 41.Lf5?!
[41.De1! Lxe1 42.Txh6 Lf2
(42...Ld2 43.Txh7 Sxb3 44.Lh5 Tf8 45.Tgg7 ist analog.)
43.Tg2 Le3 44.Txh7 Sxb3
(44...f3 45.Lxf3)
45.Lh5 Tf8 46.Tgg7]
41...Df6 42.Dg4 Lf2 43.Tf1 Le3 44.Lxh7 Th8 45.b4 Ld2 46.Tb1 f3 47.Lf5 Txh3 48.Dxh3 Sxf5 49.exf5 e4 50.Dg4 De5 sieht logisch aus. Nur ein Computer kann wohl den Unterschied zu ...Dd4 herausstellen.
[50...Dd4! wenn die folgende Variante korrekt ist, gestattet sie Schwarz mit einer erfolgreichen Königswanderung auf Gewinn zu spielen. Am Brett kaum zu finden. 51.c5
(51.Tg1 Dxc4 52.Dh4+ Kd7 53.Tg8 Dxb4 54.Dd8+ Kc6 55.De8+ Kc5 56.Dxf7 Le3 57.Tc8+ Kd4 58.Df6+ Kd3)
51...dxc5 52.bxc5 bxc5 53.Tb7+ Kf6 54.Dh4+ Lg5 55.Dh8+ Kxf5 56.Txf7+ Lf6 57.Dh3+ Ke5 58.Dg3+ Ke6 59.Txa7 Da1+ 60.Dg1 Dxg1+ 61.Kxg1 Ld4+ 62.Kf1 e3]
51.Dh4+ Ke8 52.Tg1 De7?? wohl der entscheidende Fehler. Nach dem korrekten
[52...Kd7! sollten die starken Freibauern immer noch das Remis garantieren. 53.Tg8 Da1+ 54.Tg1 Dd4 55.Tg8 Da1+ 56.Tg1]
53.f6
[53.Dh8+ Kd7 54.Da8 Dd8 55.Dxe4]
53...De6 54.Tg4
[54.Tg8+ Kd7 55.Ta8 Lxb4 56.Txa7+ Kc6 57.Te7 Dxc4 58.Dxe4+ d5]
54...Df5
[54...f2 ist zäher.]
55.Txe4+ Kd7 56.Te7+ Kc6 57.b5+ Kc5 58.Df2+ Kxc4 59.Dxd2 f2 60.Tc7+ Kb3 61.Dd1+ Kb4 62.Dd2+ Kb3 63.Dc3+ Kxa4 64.Dc4+ Ka3 65.Txa7+ Kb2 66.Ta2+ Kb1 67.Db3+

1-0

Hartung, T. - Fritsch, A.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001


Die folgenden Varianten sind bitte mit besonderer Vorsicht zu genießen. Pawel-Partien sind traditionell auch (oder gerade) mit Computerhilfe nur schwer zu durchschauen ...

16...Sxa2! kam Schwarz zunächst in Vorteil. 17.Sd5! Sicher die beste praktische Chance. Weiß hält sich Möglichkeiten offen, gegen den Sa2 zu spielen.
[17.Sxa2 Sxe4 18.Df3 Bei anderen Zügen kann Schwarz gefahrlos auf d2 und c2 nehmen. Sxd2 19.Sxd2 Lc6 nebst ...20...d5 ist sicher gut für Schwarz.]
17...Sxd5 Vielleicht schon der kritische Punkt. Ich traue mir nicht zu zu sagen, ob 17... S:e4 objektiv besser ist, aber vielleicht ist es einfacher zu spielen.
[17...Sxe4 18.Dg4 Sxd2 19.Sxd2 Dd8 20.Ta1 Txc2 21.Txa2 mit schwarzem Vorteil.]
18.exd5 Sb4
[18...La4!? kann das Hauptmotiv c3 wohl nur kurzzeitig aus der Stellung nehmen. 19.Sa1! Lf6 20.c3 und der Sa2 ist ein Sorgenkind, auch wenn ihn Weiß nicht fangen kann. Ld7 21.Sc2 nötigt Schwarz zu Lb5 22.Lxb5 axb5]
19.c3 La4?
[19...Sa2! mit der Idee, den a-Bauern loszuschicken. Weiße wie schwarze Springer machen in dieser Partie einen skurrilen Eindruck. 20.Ta1 Sxc3 21.bxc3 Dxc3 22.Td3 Dc2 und Schwarz bekommt vier Bauern für die Figur. Diese Variante sieht brauchbar aus, während der Textzug Weiß taktische Möglichkeiten an die Hand gibt ...]
20.Sa1?! ... die dieser einmal nicht wahrnimmt...
[20.f6!! ist allerdings schwer zu finden. Die weiße Idee besteht in Dg4, was kurioserweise, nach ...L:b3 D:b4 den schwarzen Läufer anstelle des Springers einkreisen würde. Sofort 20.Dg4 scheitert allerdings an 20...S:d5! gxf6
(20...Lxf6 21.Sa1 Sa2 22.Txf6 Sxc3 (22...gxf6 23.Dh4 Dd8 24.Dxa4) 23.bxc3 gxf6 24.Dh4 Tg8 (24...Dxc3 25.Dxf6+ Kg8 26.Lh6 e4 27.Td4 Dxa1+ 28.Ld1) 25.Dxf6+ Tg7 26.Lh6 Tcg8 27.Td3 Dc8 28.Tg3 Df8 29.Ld3 Ld7 30.Tg5 mit der entscheidenden Drohung 31.L:h7.)
21.Dg4 Lxb3
(21...Sxd5 scheitert nun am Wegzug des Le3 a Tempo 22.Lh6! dafür also 20.f6!)
22.Dxb4 Lc4 23.Lb6 sieht am Ende Weiß vorn.]
20...Sa2 21.b3? ... und auch nicht beim zweiten Mal.
[21.f6! war immer noch gut für gefährlichen Angriff. gxf6
(21...Lxf6? verliert wie einen Zug vorher gezeigt.)
22.Ld3 f5
(22...Lb5? 23.Lxh7! Kxh7 24.Tf5 nebst Matt.)
23.Txf5 Lb5
(23...Ld7 24.Th5)
(23...Sc1 24.Th5 Sxd3 25.Dh3)
24.Lc2 mit der Idee 25.Dh3/26.T:e5. Die schwarze Stellung sieht sehr anrüchig aus.]
21...Sxc3 22.bxa4 Sxe2!? Auch hier war die Variante m. E. eine sehr ernstzunehmende Alternative. Allerdings bietet wohl auch das Figurenopfer recht gute Chancen.
[22...Se4 23.Dg4 Sxd2 24.Lxd2 Lf6]
23.Txe2 Dc4 24.Tef2?
[24.Df3 Dxa4 war in jedem Fall vorzuziehen. In der Folge lässt Schwarz viele gute Möglichkeiten aus und den Sieg langsam entgleiten.]
24...Lh4 25.Df3 Lxf2 26.Txf2 Dxa4 27.f6 g6?!
[27...Dxa1+ 28.Tf1 e4! hat Schwarz wohl übersehen?!]
28.Lh6 e4 29.Df4 e3
[29...g5! 30.Lxg5 Dxa1+ 31.Tf1 De5]
30.Tf1 Dxf4 oder
[30...e2 31.Te1 Dd1 32.Dd2 Dxd2 33.Lxd2 Tfe8]
31.Lxf4 Tfe8 32.Te1 e2 33.Sb3 b5 34.Lxd6 Tcd8
[34...Tc3! 35.Sa5 Tc1 36.Lb4 Td1 37.g3 Te4]
35.Le7 Txd5 36.Kg1 Te5 37.Sc1 T8xe7
[37...a5]
38.fxe7 Txe7 39.Txe2 Td7
[39...Txe2 40.Sxe2 b4 mag ich nicht ausrechnen. Könnte wohl zu langsam sein?]
40.Kf2 a5 41.Te8+ Kg7 42.Ta8 a4 43.Ta5 Td2+ 44.Kf3 Tb2 45.Se2 Tb3+ 46.Kf2 a3 47.Sd4 Tb2+ 48.Kf3 b4 49.Sc6 h5 50.Sxb4 Tb3+ 51.Kf2 Txb4 52.Txa3 Tf4+ 53.Kg3 g5 54.h3 h4+ 55.Kh2 Kg6 56.Ta6+ f6 57.Ta5 Kf7 58.Ta6 Ke7 59.Tb6 Td4 60.Ta6 Td6 61.Ta2 Ke6 62.g3 hxg3+ 63.Kxg3 Td3+ 64.Kg2 Kf5 65.Ta4 Te3 66.h4 g4 67.Ta5+ Kg6 68.h5+ Kh6 69.Tf5 Te5 70.Txf6+ Kxh5

1/2-1/2

Will, Ma - Mädel, K.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001


Katja brachte hier zunächst mit äußerster Geradlinigkeit ihren c-Bauern zur Geltung.

39...c3 40.Tb7 Dxd4! Hindernisse auf dem Weg nach vorn werden radikal beseitigt. Schwarz sollte danach eigentlich gewinnen, aber ... 41.exd4 c2 42.Dxc2 Txc2 43.a5 Ta8 44.T7b6 Ta2 45.Txe6 T2xa5 46.Tb7 T5a7 47.Tb3 Sc1 direkter ist
[47...Ta1+ 48.Kg2 T8a2+ 49.Kf3 Tf1+ 50.Kg4 Kf7 51.Teb6 Txh2! 52.Txd3? Kg6! 53.Tb5 h5+]
48.Tc3 Ta1 49.Kg2 T8a2+ 50.Kh3 Ta7
[50...Se2]
51.d5 Kf7 52.f5 Sa2 53.Tb3 Tc1 54.d6 Td7? Schwarz hätte den folgenden Turmschwenk besser mit S oder Tc3 verhindert. So ganz langsam bekommt Weiß nun etwas Spiel. 55.Tbe3 Td1 56.Te7+ Txe7 57.Txe7+ Kf8 58.Ta7 Schwarz kann sicher noch spielen, aber nach
[58.Ta7 Sb4 59.Ta8+ Kf7 60.Ta7+ Ke8 61.Txg7 Txd6 62.Txh7 ist die Sache - sagen wir so - nicht mehr ganz klar. Ich möchte diese Stellung nicht abschließend beurteilen.]

1/2-1/2

Biedermann, F. - Rössler, B.
LL0102 Merseburg II-Naumburg, 2001


Der einzige volle Punkt blieb schließlich Frank Biedermann vorbehalten. Bei den Ländermeisterschaften fiel er mir durch ein eher taktisch orientiertes Eröffnungsrepertoire auf, aber die vorliegende Partie war durch frühen Damentausch und Spiel gegen den schlechten französischen Läufer von Schwarz geprägt. Nun soll der a-Bauer den Tag entscheiden. Um ihn a Tempo zu schicken, wird die Taktik bemüht:

41.Lb5+! Sxb5 42.Txf4 Sxc3 43.a6! im Zusammenhang mit den folgenden Varianten die Pointe von 41.Lb5+. Se4+
[43...Sb5 44.Tb4 Sc7 45.a7 Kc6 46.Tb8]
44.Ke1 gxf4 in der Erkenntnis, dass der wB nach wie vor nicht ohne Materialverlust zu stoppen ist. Vermutlich erhoffte sich Schwarz so die besten Schwindelchancen.
[44...Kc6 45.Tf8! Kb6 46.Tg8 Lf7 47.a7 Kxa7 48.Tg7 ist trist für Schwarz.]
45.a7 f3 46.a8=D f2+ 47.Kf1 Le8 Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, dass diese Materialverteilung durchaus ihre Tücken hat und sich nicht von selbst gewinnt (siehe Diagramm).

Schäfer-Kielstein Die Stellung stammt aus Schäfer-Kielstein, LEM 1995. Nach über 70 Zügen wurde hier das Remis besiegelt. Im Unterschied zu dieser Stellung (Bb3) beseitigt die Möglichkeit der Freibauernbildung bald den schwarzen Trumpf auf f2. Außerdem schafft es Schwarz nie diese Idealstellung einzunehmen, in der sich alle Figuren und Bauern gegenseitig decken.

48.h4 Ke7 49.Db7+ Kf8 50.g5 hxg5 51.hxg5 Lf7 52.Dd7 Sxg5 53.Kxf2 Se4+ 54.Ke3 Kg8 55.Kf4 Kg7 56.De7 Kg8 57.Dh4 Kg7 58.Ke3 Lg6 59.De7+ verhindert, dass sich mit ...Lf5 alle schwarzen Figuren gegenseitig decken. Lf7 60.Kd3 Kg6 61.Df8 Sg5 62.Ke3 Sh7 63.Dh8 Kh6 64.Dc8 Sg5 65.Kf4 Se4 66.Df8+ Kg6 Nach 67.Dh8 ist Schwarz im Zugzwang!

1-0
Uns Wolfenern sollte eigentlich spätestens jetzt klar sein, dass es am Sonntag kein leichtes Match geben wird. Das Beste hoffend
Reyk