Partienauswahl Oberliga Ost A 2025/26 (6/8)

Hinweis: Klicken auf das Dreieck rechts unterm Brett schaltet die Varianten für das Nachspielen mit der Tastatur ein/aus.

Wir starten mitten in den Abstiegskampf, wo zunächst eine sehr schöne Kombi verpasst und dann der Kampfverlauf noch auf den Kopf gestellt wurde.

Martin Niering (2133) - Michael Philipp (2141) [C02]

OLOB 2526 SV Rochade Magdeburg 96 - SV V (5.2) 2026


1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 c5 4. c3 Nc6 5. Nf3 Qb6 6. a3 c4 7. Be2 f6 8. O-O fxe5 9. Nxe5 Nxe5 10. dxe5 Bc5 11. Nd2 Qc7 12. b3 cxb3 13. Nxb3 Bb6 14. Nd4 Bd7?

14... Ne7

15. Bh5+ g6 16. Bg4 Qxc3










17. Be3?!

Martin konnte forciert gewinnen. Der zweitbeste Zug behält lange Zeit nur Vorteil, ehe ihm die Partie sogar noch ganz entgleitet.

17. Nxe6! ist sehr schwer zu sehen, aber im Verlauf reicht es ja schon, dass der sK auf ein schwarzes Feld getrieben wird. 17... Qxa1 18. Qxd5 Rd8 19. Qf3! Bxe6 20. Bxe6 Rd7 21. Bxd7+ Kxd7 22. Qxb7+ Ke8 23. Qc6+ Kf8 24. Qa8+ Kg7 25. Qb7+ Kf8 26. Bh6+ Nxh6 27. Rxa1

17... Bxd4 18. Bxd4 Qa5 19. Qc1 Qa4 20. Qe3 Ne7 21. Bd1 Qc4 22. Bxa7 Nf5 23. Qc5 Qe4 24. Qc7 Rc8 25. Qxb7 Qxe5 26. Ba4 Rc7 27. Bxd7+ Rxd7 28. Qc8+ Rd8 29. Qc6+ Kf7 30. Rab1 Rhe8 31. Rfe1 Qd6 32. Qc3 Rd7 33. Bc5 Rc8 34. Rbc1 Rdc7










35. Qh3??

Der Verlustzug in bereits nur ausgeglichener Stellung. Schwer zu sagen, was Martin übersehen hat. Oder wollte er immer noch gewinnen?

35. Bxd6 Rxc3 36. Bf4=

35... Rxc5 36. Qxh7+ Kf6 37. Rxc5 Qxc5 38. g4 Qe7 39. Qh3 Nd4 40. f4 Kg7 41. Qe3 Nc2 42. Qxe6 Qc5+ 43. Kf1 Nxe1 44. Qd7+ Kf8 45. f5 Qc4+ 46. Kxe1 Re8+ 47. Kf2 Qf4+ 0-1 [Reyk Schäfer]

Nun schon mit der vorausschauenden Gewissheit eine Partie des Überraschungs-Aufsteigers. Vermutlich werden in der finalen Partienauswahl weitere folgen.


Lucas Schroeter (2018) - Karl-Simon Altstadt (1998) [A58]

OLOB 2526 SV Saalespringer Halle - USC M (5.5) 2026


1. d4 Nf6 2. c4 c5 3. d5 b5 4. cxb5 a6 5. bxa6 g6 6. Nc3 Bg7 7. e4 O-O 8. Be2 Qa5 9. Bd2 d6 10. a7 Qxa7 11. Nf3 Ba6 12. O-O Bxe2 13. Qxe2 Nbd7 14. a4 Ng4 15. h3 Nge5 16. Nb5 Nxf3+ 17. Qxf3 Qb6 18. Bc3 Ne5 19. Qe3 Nc4 20. Qe2 Bxc3 21. bxc3 Ne5 22. c4 Nd7 23. f4 Ra5 24. e5 dxe5 25. fxe5 Qb8 26. e6 Nf6 27. Rxf6 exf6 28. e7 Re8 29. d6

Mit diesen Freibauern steht Weiß natürlich auf Gewinn, aber in der Folge geht es noch hin und her.

29... Rxb5










30. Rd1

Macht sich das Leben unnötig schwer. Auch wenn der Zug vmtl. entscheidenden Vorteil behält, wird es anspruchsvoll.

30. d7 Rb7 31. dxe8=Q+ Qxe8 32. Re1 sieht einfacher aus.

30. cxb5 auch dagegen sprach nichts.

30... Rb1?!










30... Rb7!? 31. d7 Rxd7 32. Rxd7 Kg7 33. Qe4

31. Qd2?

31. Qd3

31... Qb3!=

Schon hat Schwarz ausreichend Gegenspiel!

32. Rxb1 Qxb1+ 33. Kh2 Qe4 34. Qd5 Qf4+ 35. Kg1??

Das verliert sogar objektiv, gewinnt aber letztlich doch noch die Partie.

35. g3 Qe3 36. d7 Qxe7 37. dxe8=Q+ Qxe8 38. Qxc5 Qxa4=

35... Rb8 36. Qd3










Die Stellung ist wirklich extrem komplex. Es gibt genau einen Zug, der gewinnt und einen, der remisiert. Alles andere verliert für Schwarz.

36... Qc1+??

36... Qe5! Das ist das Idealfeld, das die schwarze Dame einnehmen muss, um d7 wirksam zu verhindern. Jetzt geht es nicht sofort zu Ende, aber langsam und sicher gehen Weiß die Züge aus. Typische Computer-Variante. 37. a5 Kg7 38. a6 h5 39. Kf1 Rb2 40. e8=Q Qxe8 41. d7 Qa8 42. Qf3 Qd8 43. Qd5 Ra2

36... Kg7 ist tricky für beide Seiten und noch für Remis gut. 37. d7 Rb2 38. Kh1! (38. d8=Q?? Qf2+ 39. Kh2 Qxg2#) (38. e8=N+? Kf8 39. Kh1 Qd2) 38... Qf2 39. Qe4 Re2 40. Qf3 Re1+ 41. Kh2 Qg1+ 42. Kg3 Re3 43. d8=Q Rxf3+ 44. Kxf3 Qf1+ 45. Ke3 Qe1+ 46. Kf3=

37. Kh2

Plötzlich gibt es kein gutes Mittel gegen d7.

37... Kg7 38. d7 Rb1 39. Qxb1 Qf4+ 40. Kh1 1-0 [Reyk Schäfer]

Zwei Streiflichter aus dem Derby Empor vs. Stadtilm, das vor allem für erstere schon ein Endspiel war. Inzwischen wissen wir, dass beide Teams die Klasse gehalten haben.


Jasper Heinke (2060) - Christian Schneider (2194) [B12]

OLOB 2526 SG BW Stadtilm - SV Empor Erfurt (6.3) 2026


43... Bxd4+

Verzweiflung, aber Schwarz wird sich am Ende tatsächlich retten.

44. Kxd4 Rxb4+ 45. Kc3 Rc4+ 46. Kd3 Rb4 47. Rfd7+ Ke5 48. Ra1 Rd4+ 49. Ke3 c5 50. Ra6 Re4+ 51. Kd2 Rf4 52. Re7 Rf6 53. Rb7 c4 54. Rbb6 d4 55. Rc6 Kd5 56. Rd6+ Ke5 57. Rdc6 Kd5 58. Rd6+










Jasper traut dem Braten nicht und stimmt dem Remis zu. Die schwarzen Freibauern mögen unangenehm erscheinen, aber wenn man näher hinschaut, ist der Nachziehende im Zugzwang.

58... Ke5

58... Ke5 59. Ke2 c3 60. Rdc6 Kd5 61. Rd6+ Ke5 62. Rac6 c2 63. Rd8 Ke4 64. Rxc2

1/2-1/2 [Reyk Schäfer]


Tim Nicolai (2052) - Paul Georg Langer (1995) [B23]

OLOB 2526 SG BW Stadtilm - SV Empor Erfurt (6.5) 2026


23. Bd3

Das gewinnt auch ohne Frage. Eine sehr kräftige forcierte Variante war möglich, die aufgrund iher Länger aber wohl nur zu erahnen ist. Dennoch ist sie nett anzuschauen und enthält einige Opfer, so dass ich sie trotz geringer praktischer Relevanz nicht vorenthalten möchte.

23. Ne5! Qc7










24. Nxg6+! Nxg6 25. Ba6 Nf8 26. Bxb7 Nxb7 27. Rd3 Nc5 28. Rh3 Rd7 29. g6! Bb7 30. Qg1 Bxe4 31. Nxd7 Ncxd7 32. Rxh7+ Kg8 33. Rh8+ Kg7










34. R1h7+! Nxh7 35. Rxh7+ Kg8










36. Rh8+! Kg7 37. Qd4+ Nf6 38. Rh7+

23... Rg7 24. e5 Qc7 25. exd6 Rxd6 26. Ne8 Qc3+ 27. Kb1 Rdd7 28. Nxg7 Qxg7 29. Ne5 Rc7 30. Bxg6 Nxg6 31. Rd8+ 1-0 [Reyk Schäfer]

Einen hübschen Überfall zeigt die folgende Partie.


Marco Koenig (2068) - Finn Riedel (2110) [C45]

OLOB 2526 SV Vimaria Weimar - SG AE Magdeburg (6.7) 2026


1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. d4 exd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nxc6 bxc6 6. Bd3 Bc5 7. O-O d6 8. c4 Ng4 9. Bf4 Qf6 10. Qd2 Rb8 11. Nc3 Bd4










12. Rac1??

nach 12. Rab1 ist nicht viel los

12... Rxb2! 13. Qxb2 Qxf4 14. g3










14... Nxf2!

das ist noch einmal eine hübsche Pointe oben drauf.

15. Rxf2

15. gxf4 Nxd3+ 16. Kg2 Nxb2 ist natürlich ebenso hoffnungslos.

15... Bxf2+ 16. Kg2 Qh6 17. Ne2 Be3

und Schwarz verwertete sicher.

0-1 [Reyk Schäfer]

Und schließlich die Partie, die über 100 Züge währte und Anlass für einige endspieltheoretische Betrachtungen im Anschluss gab. Um es vorwegzunehmen: Allzu viele Orientierungspunkte am Ende einer langen Partie bietet die Theorie in der konkreten Situation nicht.


Toralf Rensch (2055) - Elina Heutling (2010) [B25]

OLOB 2526 SV Vimaria Weimar - SG AE Magdeburg (6.6) 2026


81. Kg3

Die weißen Bauern sind zu weit zurück und der schwarze König kann flexibel reagieren. Schwarz steht auf Gewinn.

81... Rg7+ 82. Kf3 Kd4 83. h5 Kd5 84. a4 Rg1

gewinnt, aber evtl. ist

84... Rh7 85. Kg4 Ke6 86. a5 Rg7+ 87. Kh4 Kf5 88. h6 Rg1 89. h7 Rh1+ 90. Kg3 Rxh7 einfacher

85. a5 Ke6 86. h6 Rh1 87. Ke4










87... Re1+?

erscheint unlogisch. Nach langer Partie sind beide natürlich auch etwas müde, vermutet man. Außerdem ist es auch nicht trivial.

87... Rxh6 ist jedoch einfach und gut. Für einen Moment mögen die verbundenen Bauern Sorge bereiten, aber sie werden zuverlässig blockiert und der a-Bauer kann in der Zwischenzeit auch nichts bewegen. 88. f5+ Kd7 89. e6+ Kd6 90. a6 Rh4+ 91. Kd3 Rf4

88. Kf3?

88. Kd4! 88.Kd3 ist auch möglich, aber unnötig kompliziert und führt wahrscheinlich zur Partie. Mit 88.Kd4 macht sich der König auf, dem a-Bauern zu helfen. 88... Rh1 89. a6 Rxh6 90. a7 Rh8 91. Kc5 Kf5 92. Kb6=

88... Ra1?

88... Rh1

89. h7 Rh1 90. Ke4 Rxh7 91. f5+ Kd7 92. Kd5 Rh1 93. e6+ Ke7 94. Kc6 Rc1+ 95. Kb7 Rb1+ 96. Kc6 Ra1










97. f6+?

Schwer verständlich, warum Weiß hier Panik bekommt.

97. Kb6= ist eigentlich naheliegend.

97... Kxf6 98. Kb6 Ke7 99. a6 Kd6 100. a7 Rb1+ 101. Ka6 Kc7 102. a8=N+ 0-1 [Reyk Schäfer]

Martina Beltz 2012
Martina Beltz
Bukhuti Gurgenidze 1995
Bukhuti Gurgenidze

Theoretische Betrachtungen zum Thema Turm vs. mehrere Bauern enden verständlicherweise an irgendeinem Punkt. Zumeist bei "Turm vs. drei Bauern". Sind es drei verbundene, gibt es oft noch recht detailreiche Untersuchungen und Merksätze. Hier einige Auszüge aus John Nunns hervorragendem Buch "Nunn's Chess Endings, Vol. 2" (S. 14/17/22)

There are a surprising number of subtleties in endings in which a lone rook faces enemy pawns, and here we shall focus on those which are of greatest importance for over-the-board play.

By hesitation check I mean that a piece travelling from square A to square B gives an intermediary check on square C before moving to B. The point is that if the enemy king is already on its best square, the hesitation check forces the king to an inferior square. It might seem unnecessary to give a special name to such an elementary concept, but it often helps to have a label to refer to a particular theme. Hesitation checks play an important role in rook endings and are often overlooked in practice.
...
When a rook faces three pawns, both sides can have winning chances.
Summary: If the defender has more than one pawn, it's important to choose the correct one to advance. A key factor is whether the enemy king can easily approach the pawn. The side with the rook must focus on improving the position of his pieces, and not be deflected by capturing irrelevant pawns.

Im Weiteren konnte ich einige Partien finden, die exakt unsere Bauernstruktur aufweisen.
Die erste stammt von Franzis Mutti, wenn auch leider auf der falschen Seite des Bretts. Martina war DDR-Meisterin im Blitzschach 1978 und 1989. Sie ist Deutsche Vizemeisterin (2012 Gladenbach) und Deutsche Schnellschach-Meisterin (1994). Sie war in der 1. und 2. Frauen-Bundesliga aktiv. 1991 gewann sie mit dem sächsischen Team die Meisterschaft der Landesverbände der Frauen.

Weiter unten wird uns dann der Georgier Buchiti Gurgenidze begegnen, der ein sehr origineller Spieler war. Er erfand das nach ihm benannte System in der Caro-Kann-Verteidigung (1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 g6). Auch das verrückte 3...b5 wendete er in einer Partie gegen Tal an.
Gurgenidze bestritt acht UdSSR-Meisterschaften und teilte mit Tal in Tbilisi 1969-70 den Turniersieg.


Margarita Zaitseva - Martina Beltz [B92]

Halle (Women) 15th/Halle/Saale (4) 1981


49... Kxf5 50. Rxg7 Kf4 51. c7 Bxc7 52. Rxc7

Dieses Endspiel ist für Weiß gewonnen. Der König steht gut und der Turm ist aktiv.

52... e4 53. Kg2 f5










54. Kf2?

Verdirbt zum Remis. Es gab mehrere Gewinnwege.

54. Rh7 sieht am natürlichsten aus. 54... Kg4 55. Kf2 a5 56. Ke3 h3 57. Rg7+ Kh5 58. Kf4 Kh6 59. Rg3 h2 60. Rh3+

54... a5?

Martina geht an ihrer Chance vorbei.

54... e3+ 55. Kg2 (55. Ke2 h3 56. Rh7 Kg3) 55... h3+! 56. Kf1! alles andere verliert sogar!(56. Kxh3 e2 57. Re7 Kf3) 56... Kg3 57. Rg7+ Kf3 58. Rh7 e2+ 59. Ke1 Kg3 60. Kxe2 h2=

55. Rh7

Jetzt ist Weiß wieder in der Spur und lässt keine Luft mehr ran.

55... Kg4 56. Ke3 a4 57. Rg7+ Kh3 58. Kf4 a3 59. Ra7 Kg2 60. Rxa3 h3 61. Ra2+ Kg1 62. Kg3 f4+ 63. Kxh3 Kf1 64. Kg4 f3 65. Kf4 Kg1 66. Ke3 1-0 [Reyk Schäfer]

Im nächsten Beispiel erreicht Schwarz aufgrund des aktiven Königs und der bereits vorgerückten Bauern problemlos Remis.


Miso Cebalo (2570) - Peter Schmidt (2385) [D17]

Bled op 16th/Bled (7) 1995


40. Kxc5 e5 41. g3+ Kxg3 42. Kd6 Rxc6+ 43. Rxc6










43... e4

Eine der möglichen Remisvarianten. Der schwarze König steht zu gut.

44. Ke5 e3 45. Rc3 Kf2 46. Kf4 e2 47. Rf3+ Kg2 48. Re3 Kf2 1/2-1/2 [Reyk Schäfer]

Es folgt ein von John Nunn ausführlich kommentiertes Beispiel aus "Nunn's Chess Endings" (S. 20). Die Partie hat nicht die exakte Bauernformation wie im Oberliga-Fragment, aber viele Manöver und Schlussfolgerungen lassen sich übertragen. Zudem sei angemerkt, dass Nunns Kommentare auch heutigen Engines absolut standhalten.


Lars Karlsson (2479) - Johan Furhoff (2370) [A12]

Rilton Cup 36th/Stockholm (7) 2007


Black is two pawns up, but White has some counterplay thanks to his far-advanced d-pawn. The game ended in a draw but, according to the notes by Perun in Informator 99, Black overlooked a win. However, deeper analysis shows that White could have drawn in any case, although it would have required extremely precise play to hold the game.

45... Rc1 46. Kd5 Rd1+ 47. Kc6 g5 48. d7 a5 49. Rh8 a4 50. d8=Q+ Rxd8 51. Rxd8










51... h3

Now we have an ending of vs 3 pawns which requires some care by White in order to draw.

52. Rh8?!

With this move White makes life more difficult for himself. There was a simpler draw by

52. Kd5! Kf5! every other move loses for Black 53. Ra8 a3 (53... g4? even loses after 54. Rf8+ Kg5 55. Ke4 a3 56. Rg8+ Kf6 57. Rc8! h2 58. Rc1 Kg5 59. Rh1) 54. Rf8+ Kg4 55. Rf2! holding up the pawns along the second rank 55... Kg3 56. Ra2 g4 57. Ke4 h2 58. Rxa3+ Kg2 59. Ra2+ Kh3 60. Ra1 g3 61. Kf3 g2 62. Ra8 g1=N+ 63. Kf2 with a draw

52... g4 53. Kd5! a3 54. Ke4!

54. Rf8+? Kg5 55. Ke5 h2 56. Rg8+ Kh4 57. Ra8 g3 58. Kf4 Kh3 wins for Black

54... a2 55. Rf8+!

White must transfer his rook to the first rank to stop the pawns.

55... Kg5 56. Rf1

In this line White can only blockade the pawns along the first rank, but he still draws by careful play.

56... Kh4

56... h2 57. Rh1 is also drawn

57. Rh1!

The only drawing move since White must prevent ...h2.

57... Kg3

57... g3? even loses after 58. Kf3

58. Rg1+ Kh2

After 58... Kf2 59. Ra1 h2 60. Rxa2+ Kg3 61. Ra3+ White also draws.

59. Ra1 g3 60. Kf3

60. Rxa2+? g2 61. Kf3 Kh1 wins for Black.

60... g2 61. Kf2 g1=Q+ 62. Rxg1










62... a1=Q 63. Rxa1 1/2-1/2 [John Nunn]

Josef Kling
Josef Kling
Bernhard Horwitz um 1860
Bernhard Horwitz

Nachfolgend eine Studie von Josef Kling und Bernhard Horwitz. Sie kommt unserem Oberliga-Beispiel von der Bauernstruktur sehr nahe und zeigt den Kampf der Turmpartei gegen vorgerückte Freibauern. Dass das praxisrelevant ist, sehen wir dann in der nächsten Partie.

Über Kling und Horwitz lohnt es sich, ein paar Worte zu verlieren. Schließlich gelten sie als Pioniere der Endspielstudie und verfassten das bahnbrechende Werk "Chess Studies" (1851). Viele ihrer Studien legten den Grundstein für moderne Endspieltheorie.

Josef Kling trat weniger als Spieler in Erscheinung. Neben seiner Endspielforschung machte er sich um die Herausgabe von "The Chess Player" und später "The Chess Player's Chronicle" verdient. Er veröffentlichte als einer der ersten Analysen zum Endspiel Turm+Läufer gegen Turm in der Zeitschrift Le Palamède.

Bernhard Horwitz stammt aus Neustrelitz und war einige Jahre Teil der Berliner Plejaden, die von so bekannten Köpfen wie Ludwig Bledow, Tassilo von Heydebrand und der Lasa sowie Rudolph von Bilguer angeführt wurden. Er nahm am ersten Internationalen Schachturnier 1851 teil, wo er Bird bezwang und dann Staunton und Szen unterlag (doppeltes K.o.-System). Eine aggressive Aufstellung der Läufer trägt den Namen "Horwitz-Läufer".


Kling/Horwitz

Chess Studies (Kling & Horwitz 1851)-83 1851


1. Kc5 Ka4 2. Kc4 Ka3 3. Kc3

Ein typisches Verfahren: Der schwarze König wird nach a2 getrieben, so dass später ein Bauer mit Schach geschlagen werden kann.

3... Ka2










4. Re1 a5

4... h3 5. Kd3 h2 6. Ke3 (6. Rh1! ist leider auch möglich.) 6... a5 7. Kxf3=

5. Kd3

Es sind hier leider auch andere Königszüge möglich, was die Studie entwertet.

5... Kb2 6. Ke3 a4 7. Kxf3 a3 8. Rxe2+ 1/2-1/2 [Reyk Schäfer]

Abschließend zum Thema eine Partie, die mal wieder in Remisstellung aufgegeben wurde. Dies wäre wohl nicht passiert, wenn Arulaid die Studie von Kling/Horwitz gekannt hätte.
Quelle ist eines der legendären Endspiel-Werke aus dem Sportverlag, aus dem wir Yuri Averbakh zitieren.


Aleksander Arulaid - Buchiti Gurgenidze

Lugansk 1955


"Da er die Partie für verloren hielt, gab Weiß in dieser Stellung auf. Wie Gurgenidze nachwies, konnte er jedoch remis halten, indem er den gegnerischen König angriff und dadurch Zeit gewann, den eigenen König den Bauern anzunähern." (Averbakh, S. 39)

1. Kd6! Kc8 2. Rc1+ Kb7 3. Rb1+ Ka6 4. Kc6 Ka5 5. Kc5 Ka4 6. Kc4 Ka3 7. Kc3 Ka2










8. Rf1! h5 9. Kd3 h4 10. Ke3 h3 11. Kf3 g2 12. Rxf2+= , aber 0-1 [Yuri Averbakh]

Zurück zur Oberliga Ost A. Die beiden Mannschafts-Unentschieden des Erfurter SK gegen Sangerhausen und die Saalespringer, die das Endspiel gegen den USC überhaupt erst nötig machten, kamen höchst unglücklich zu Stande. Wenn beim Stand von 4:3 nur noch eine Partie läuft und etwas unübersichtlicher wird, kann alles passieren ...
Für Georg wiederum war es mit 6/9 eine hervorragende Saison!


Stefan Duzy (1998) - Georg Buerckner (2003) [C28]

OLOB 2526 Erfurter SK - SV Sangerhausen (7.8) 2026


1. e4 e5 2. Nc3 Nc6 3. Bc4 Nf6 4. d3 Na5 5. Qf3 Nxc4 6. dxc4 d6 7. Nge2 Be6 8. b3 Qd7 9. Nd5 Nxd5 10. cxd5 Bg4 11. Qe3 Bxe2 12. Qxe2 Be7 13. Be3 O-O 14. O-O f5 15. f3 Rf7 16. c4 a6 17. Rfd1 fxe4 18. fxe4 Raf8 19. Rf1 Rxf1+ 20. Rxf1 Rxf1+ 21. Kxf1 Bf6 22. Qf3 h6?










Ein glatter Einsteller, der letztlich die Partie gewinnt.

23. Bxh6 b5 24. Bd2 bxc4 25. bxc4 c6 26. Qf5 Qc7 27. g4 cxd5 28. Qe6+ Kh7 29. Qxd5 Qb6 30. g5 Bd8 31. Kg2 Qb1










32. Qxd6?

Danach ist es nur noch remis und wie so oft, ist es ganz schwer, den Schalter umzulegen.

32. c5! Qd1 33. Kf2! (33. cxd6? Qe2+) 33... Qg4 34. h3 Qh4+ 35. Ke2 Qh5+ 36. Ke1 Qxh3 37. cxd6

32... Qxe4+ 33. Kf2 Qf5+ 34. Ke2 Bxg5 35. Bxg5 Qxg5 36. c5 Qg4+ 37. Kd2 Qb4+ 38. Kd3 Qb1+ 39. Ke3 Qe1+ 40. Kd3 e4+ 41. Kd4 e3










42. Qf8??

Ganz bitter für Stefan.

42. Qxa6 Danach kann Weiß keinesfalls verlieren. 42... e2 (42... Qf2 43. Qd3+) 43. Qd3+ Kh8 44. Ke3 Qc1+ 45. Kxe2 Qxc5

42. Qf4 ist der andere Remiszug.

42... Qf2

Plötzlich ist es aus! Weiß hat kein Schach und des droht e2 mit Schach.

42... Qf2 43. Qe8 e2+

0-1 [Reyk Schäfer]

Abschließend ein weiteres Beispiel, in dem der Stadtilmer Aufstellungsjoker, Uwe Mehlhorn, gestochen hat. Mit seinem unternehmungslustige Stil kann er auch mal aus klar verlorenen Stellungen einen taktischen Konter setzen. JP hielt sich später durch einen sauberen Sieg gegen GM Teske schadlos.


Johannes Paul (2340) - Uwe Mehlhorn (1993) [A41]

OLOB 2526 SG BW Stadtilm - SG AE Magdeburg (7.1) 2026


26. d6

Weiß steht klar auf Gewinn. Wie er den Sack im Folgenden zumacht (oder doch nicht?), ist allemal sehenswert.

26... Rgf8 27. Kg2 Rf7 28. Rh4 Qg5










29. Ne4!

und die schwarze Dame hat keine Felder! Das sollte das Ende der Partie bedeuten, tut es aber nicht ...

29... Qxh4 30. gxh4 fxe4 31. Re7 Rg8










32. Kh3??

In akuter Zeitnot strauchelt JP noch und läuft direkt ins Matt.

32. Rxf7! Bd4+ 33. Qg5 war völlig ausreichend, nebenbei aber auch der einzige Weg zum Sieg.

32... Rf3+ 0-1 [Reyk Schäfer]

Quellen

Online-Texte per 2026-04-30

Chess Skills: Rook vs. Three Connected Passed Pawns

Bücher/Zeitschriften

Awerbach, Juri: "Lehrbuch der Schachendspiele, Band 2" Sportverlag Berlin 1972

Nunn, John: "Nunn's Chess Endings, Vol. 1" Gambit, 2010

Datenbanken/Engines

Harold van der Heijden: Endgame study database HHdbVI

Chessbase: Megabase

Stockfish

Bilder (in der Reihenfolge der Verwendung)

Deutscher Schachbund: Beltz, Martina; Deutsche Meisterschaft Gladenbach 2012

Wikipedia: Gurgenidze, Buchiti; Senior Chess World Championship 1995 at Bad Liebenzell
Photographer Gerhard Hund

Wikipedia: Horwitz, Bernhard; um 1860, Reproduction of a reproduction in a book
Author: unknown

Wikipedia: Kling, Josef
Author: unknown

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