Partienauswahl Oberliga Ost 2025/26 (6/8)

Hinweis: Klicken auf das Dreieck rechts unterm Brett schaltet die Varianten für das Nachspielen mit der Tastatur ein/aus.

Wir steigen ein mit drei erfolgreichen Episoden aus AEMs Zweitliga-Saison. Zunächst mit einer Angriffspartie aus einem Guss von Bennet. Sein Gegner Nico Zwirs ist kein Unbekannter: Er gewann völlig überraschend die Dortmunder Schachtage 2024 vor Anton Korobov und Frederik Svane.
Wie mir Bennet zwischenzeitlich schrieb, basierte seine erfolgreiche Vorbereitung auf der Partie Karthikeyan - Raja.

Nachgereicht haben wir mittlerweile auch eine Auswahl aus Staffel A.

Nico Zwirs (2433) - Bennet Biastoch (2322) [A20]

2BLN 2526 SG AE Magdeburg - Hamburger SK (7.3) 2026


1. c4 e5 2. d3 Nf6 3. Nf3 Nc6 4. a3 d5 5. cxd5 Nxd5 6. e3 Bd6 7. b4 O-O 8. Bb2 Re8 9. Be2 a5 10. b5 Na7 11. O-O Nxb5 12. d4 e4 13. Bxb5 Bg4

Bei den folgenden Verwicklungen hält sich eine Maschine vielleicht auf dem Zahnfleisch, aber ein Mensch gegen Bennet, der die besten Züge findet? Äußerst schwierig.

14. Be2 exf3 15. Bxf3










15... Nxe3! 16. fxe3 Qh4 17. Bxg4?

17. g3 Bxg3 18. Qc2 Rxe3 19. hxg3 Qxg3+ 20. Qg2 Rxf3 21. Rxf3 Qxf3 22. Qxf3 Bxf3 23. Nd2 Bd5

17... Bxh2+ 18. Kh1 Bd6+ 19. Kg1 Rxe3 20. Bc1 Bh2+ 21. Kh1 Bf4+ 22. Kg1 Rae8 23. Rxf4 Re1+ 24. Rf1 Rxd1 25. Rxd1










25... Re1+

Hat einen gewissen Freestyle-Look.

26. Rxe1 Qxe1+

Und da Weiß völlig unkoordiniert ist und noch zwei Figuren verlieren wird:

0-1 [Reyk Schäfer]

Es führt kein Weg daran vorbei, Sebastian Haubold noch einmal mit einer Partie hervorzuheben. Anscheinend völlig unbekümmert stieg der Youngster in die Zweitliga-Saison ein, gewann die ersten drei Partien und erzielte nach drei weiteren Remisen 4,5 aus 6 bei einer Performance von 2453!


Sebastian Haubold (2187) - Henning Holinka (2340) [B94]

2BLN 2526 SG AE Magdeburg - Hamburger SK (7.8) 2026


1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. Bg5 Nbd7 7. Bc4 Qc7 8. Bb3 h6 9. Bxf6 Nxf6 10. Qe2 g6 11. O-O-O Bg7 12. f4 e5 13. Nf3 h5










14. Rxd6!?

Nicht das Beste, aber sehr kreativ.

14. Ng5! Bg4 15. Qd2! Bxd1 (15... Rf8 16. fxe5) 16. Bxf7+ Ke7 17. Rxd1

14... Qxd6 15. fxe5 Qb6 16. exf6 Qxf6 17. e5 Qf4+ 18. Kb1

Hier hat Weiß objektiv vielleicht nicht soo viel, aber die schwarze Stellung ist immer noch schwierig zu spielen.

18... O-O?

natürlich, aber wohl falsch.

18... Be6!=

19. Nd5 Qg4 20. Rd1 Re8 21. h3 Qg3 22. Nc7 Bf5 23. Nxa8 Rxa8 24. e6 Bxe6 25. Bxe6 Re8 26. Bxf7+ Kxf7 27. Qc4+ Kf8 28. a4 Qxg2 29. Rg1 Qxh3 30. Ng5 Qf5 31. Rf1 Re1+ 32. Rxe1 Qxg5 33. Qc8+ Kf7 34. Qe6+

Sehr sauber vorgetragen von Sebastian.

1-0 [Reyk Schäfer]

Schließlich noch ein Ausflug zu einer guten alten Bekannten: der Bähr’schen Regel. Warum man im folgenden Beispiel auf den richtigen Zug kommen kann, auch wenn die praktische Relevanz der Regel einige Züge später vorerst nur zu erahnen ist, macht hoffentlich unser alter Themenbeitrag deutlich.


Vinzent Spitzl (2356) - Ivan Ivanisevic (2564) [B47]

2BLN 2526 SG AE Magdeburg - SV 1920 Hofh (11.2) 2026


48. Kg2

Jeder hat noch drei Bauern, aber dennoch sind die Konturen der Bähr'schen Regel bereits zu erahnen.

48... Ke5 49. Kf2 d5 50. Ke3 Kf5 51. h3 Ke5 52. a4










52... Kd6??

Hier ging es ans Eingemachte - tatsächlich scheitert der GM an der mangelnden Theoriekenntnis (wie ich einst in Lito).

52... h5! Die Kenntnis der Bähr'schen Regel (Schnittpunkte verschieben!) legt diesen Zug nahe. 53. a5 Kd6 54. Kd4 Kc6 55. a6 Kb6 56. c4 dxc4 57. Kxc4 Kxa6 58. Kd4 Kb6 59. Kxe4 Kc5 und Schwarz kommt rechtzeitig.

53. Kd4 Kc7 54. c4 e3 55. Kxe3 dxc4 56. Kd4 Kb6 57. Kxc4 Ka5 58. Kd5 Kxa4 59. Ke5 Kb5 60. Kf5 Kc5 61. Kg6 Kd6 62. Kxh6 Ke6 63. Kg6 Ke7 64. Kg7 Ke6 65. h4

Es ist überliefert, dass Vincent hier seinen GM-Gegner unmittelbar auf den Fauxpas aufmerksam machte. Inwieweit dieser dafür aufnahmebereit war, ist nicht überliefert.

1-0 [Reyk Schäfer]

In der Oberliga starten wir mit einem komplexen Turmendspiel, in dem selbst ein guter Großmeister wie Mastrovasilis nicht immer die Orientierung hatte. Zwei einleitende Beispiele sollen zum Thema führen.
Zunächst eine Ausgangslage, die remis ist.


John Raymond Markus (2156) - Aleksei Holmsten (2380) [D90]

Groningen op/Groningen (8) 1999


65. Rxh4

Hier hat Weiß eine Remisstellung. Der Plan ist im Prinzip, den schwarzen König, der irgendwann auf f1 oder f2 stehen wird mit Te8 von der e-Linie auszusperren. Wenn Schwarz sich dem mit seinem Turm entgegen stellt, zieht der weiße Turm auf die f-Linie und greift schnellstmöglich in Verbindung mit dem König den Bauern an. Sofern der weiße Bauer bereits auf h4 steht, kann der Turm auf f1 geopfert werden. Es kommt auf kleinste Nuancen und jedes Tempo an.

65... f4 66. Rh8 Rd2+ 67. Kg1 Rd1+ 68. Kh2 Rd2+ 69. Kg1 Rd1+ 70. Kh2 f3 71. Re8+ Kf4 72. Rf8+ Ke3 73. Re8+ Kf2 74. Rf8 Ke2 75. Re8+ Kf1










76. Re7??

76. Kg3 auch 76.h4 oder 76.Tf8 sind möglich. 76... f2 77. Rf8 Rd2 78. h4 Re2 79. h5 Ke1 80. Kg4=

76... f2

Jetzt haben wir eine Stellung ähnlich dem folgenden Beispiel erreicht.

77. h4 Re1 78. Rf7 Ke2 79. Re7+ Kd3 80. Rf7 f1=Q 81. Rxf1 Rxf1 82. Kg3 Ke4 83. Kg4 Rg1+ 84. Kh5 Kf5 85. Kh6 Kf6 86. h5 Rg5 0-1 [Reyk Schäfer]

Und diese ist zum Vergleich gewonnen. Motive aus beiden Beispielen werden in der Oberliga-Partie eine Rolle spielen.


Mark A Berkovich (2355) - Alexey Vyzmanavin (2470) [A14]

Moscow-ch 64th/Moscow 1986


69. Rxg5










Diese Stellung ist bereits verloren für Weiß - die schwarzen Figuren sind zu aktiv.

69... Re1+ 70. Kh2 f3 71. Re5+ Kd2 72. Rf5 Ke2 73. Re5+ Kf1 74. Rf5 f2 75. h4

75. Kg3 Dafür fehlt Weiß jetzt ein Tempo. 75... Re3+ 76. Kh2 Ke1 77. Kg2 Re2 78. Kg3 f1=Q 79. Rxf1+ Kxf1 80. h4










(80. Kg4 Kg2 81. h4 Re4+! 82. Kg5 Kh3 83. h5 Re5+ 84. Kg6 Kg4 85. h6 Re6+ 86. Kg7 Kg5 87. h7 Re7+ 88. Kg8 Kg6 89. h8=N+ Kf6 90. Kf8 Ra7 91. Kg8 Rd7) 80... Re4!

75... Ke2 76. Re5+ Kd3 0-1 [Reyk Schäfer]

Nun also endlich die Überleitung zur Oberliga Ost, wo Clemens Rietze das Endspiel lange verteidigte (bei beiderseits ausgelassenen Möglichkeiten), kurz vor dem Ziel aber doch noch strauchelte.


Clemens Rietze (2276) - Dimitrios Mastrovasilis (2520) [D38]

OLOA 2526 SK König Plauen - SK König T (6.1) 2026


55... Rxb7

Dieser Endspieltyp ist erstaunlich komplex - am Ende wird es sehr schwer, am Brett die richtigen Züge zu finden. Es ist wohl auch schon zuviel Material auf dem Brett, um das Endspiel in Büchern systematisch analysiert zu finden, aber allgemeine Hinweise wird man sicher auftun.

56. Ra8 Rb3+ 57. Kg2 Kg6 58. Ra6 Re3 59. Rb6 Kf5 60. Ra6 Ke5 61. Ra8 Kf4 62. Ra4+ Re4 63. Ra2 f5 64. Rb2 Rd4 65. Rf2+ Ke4 66. Re2+ Kf4 67. Rf2+ Ke5 68. Re2+ Re4 69. Rd2 Re3 70. Ra2 Rd3 71. Re2+ Kf4 72. Rf2+ Ke4 73. Re2+ Re3 74. Ra2 Rc3 75. Re2+ Kd4 76. Ra2 Ke3 77. Kg3 Rd3 78. Rb2 Rd2 79. Rb3+ Rd3 80. Rb2 Rd1 81. Rb3+ Ke2 82. Rb2+ Rd2










83. Rb5?

83. Rb8! Auch andere Züge entlang der b-Linie sind möglich - nur eben nicht nach b5. Da der wK später den Bg5 schlagen muss, ergibt sich daraus das für Weiß bekannte Fesselungsmotiv in der Variante nach 83...f4+ 83... f4+ 84. Kg4 f3 85. Kxg5 Rd3 86. Rb2+ Rd2 87. Rb8 f2 88. Re8+ Kd1 89. Rf8 Ke1 90. h4=

83... Rd3+?

83... f4+ 84. Kg4 f3 85. Kxg5 f2 86. Re5+ Kf3 87. Rf5+ Kg3 88. h4










88... Rd5! auch ein wichtiges Motiv in diesem Endspieltyp - auf der 5. Reihe steht der weiße Turm maximal schlecht.

84. Kh2 f4 85. Rxg5 f3 86. Rf5 Rd8 87. Re5+ Kf1 88. Rf5 f2










89. Re5?

89. h4 ist nicht der einzige, aber wie wir inzwischen wissen, einfachste Weg. 89... Re8 90. h5 Ke1 91. Kg3 f1=Q 92. Rxf1+ Kxf1 93. Kf4=

89... Rd2?

Der Turm muss das Umwandlungsfeld decken, damit der König ggf. über e2 weglaufen kann.

89... Rd1 90. h4 Re1 91. Rf5 Ke2 92. Kg3 f1=Q

90. h4 Re2 91. Ra5 Re4










92. Ra1+?

Das ist der letzte Fehler erlaubt den Übergang ins vorhergehende Beispiel.

92. Rf5 Ke1 93. Kg2 Re2 94. Kg3 f1=Q 95. Rxf1+ Kxf1 96. Kg4=

92... Ke2 93. Ra2+ Kf3 0-1 [Reyk Schäfer]

Abschließend zu diesem Thema eine Studie, die noch einmal einige Motive Revue passieren lässt.


B. Djurasevic

Chess Star 2019


1. f5 Kg5 2. Kf7 Rb4

2... Kh6 3. Rb5

3. f6+ Kh6 4. Re6!

4. Kf8? Kg6! 5. f7 Kf6! 6. Kg8 (6. Re3 Rb8+!) 6... Rg4+!

4. Re3? Rb7+ 5. Kf8 Kg6!

4. Re8? Rb7+ 5. Kg8 Kg6!

4... Rxb3










5. Kf8 Kg5! 6. Kg7!

6. f7? h5! 7. Kg8 (7. Kg7 Rb7! 8. Rg6+ Kf4) 7... Rf3! 8. Re5+ Kg4 9. Re4+ Kg5!=

6... h5 7. Re5+! Kg4 8. Kg6! h4

8... Rb6 9. Rg5+!

9. Re4+!

9. f7? Rb6+

9... Kg3 10. f7! Rf3










10... Rb8 11. Re8 Rb6+ 12. Kf5! Rb5+ 13. Re5! Rb8 14. Re3+! Kg2 15. Re8!

11. Re3! 1-0

Der Autor musste/durfte gegen Ligaprimus Görlitz auch mal wieder in der Oberliga ran. Dabei ging es munter hin und her.


Reyk Schaefer (2071) - Jan Lajbl (2301) [E04]

OLO Löberitz - Görlitz (6) 2026


21. e4?

Die Eröffnung war schief gegangen und ich suchte verzweifelt nach Gegenspiel - dabei macht es der Textzug eigentlich nicht besser. Objektiv steht Schwarz auf Gewinn.

21. Ra4 b3 22. Rxc4 dxc4 23. Rxd7 Rfd8 will man natürlich nicht so gern aufgrund der furchteinflößenden schwarzen Freibauern, war aber wohl objektiv nötig. Ich bezweifle allerdings, dass ich diese Stellung gehalten hätte.

21... Qc5?

21... Nc5! hatte ich erwartet

21... Qb5 sein Vorschlag aus der Analyse ist auch gut

22. exd5 exd5 23. Ra4 b3 24. Bc3










24... Ra8??

Ein erstaunlicher Fehler, zumal allenfalls Weiß in milder Zeitnot war.

25. Rxc4 Qxc4 26. Bxd5 Qb5










27. e6!

27. Bxa8 Rxa8= kann nicht richtig sein

27... Ra2 28. exf7+??

Verpasst den Gewinn. Es schien mir natürlich, auf f7 zu nehmen, solange die Dame noch nach g7 guckt und Kh8 keine Option ist. Aber alles Material einsammeln ist besser.

28. Qxb3! Im Nachhinein betrachtet sieht es auch viel logischer aus, den Springer weiter anzugreifen und andere Figuren dazu, aber dieser einfache Zug kam mir gar nicht in den Sinn. 28... Qe2 (28... Qxb3 29. Bxb3 Ra3 30. exd7 Rxb3) 29. Rf1 fxe6 30. Bxe6+ Kh8 31. Qxa2 Qxa2 32. Bxa2

28... Rxf7 29. Qxb3 Qxb3 30. Bxb3 Ra7

Entgegen meiner ersten Annahme holt man aus der Fesselung wohl nichts weiter raus. Man kann natürlich noch spielen, aber Schwarz hält sich jetzt.

31. Kg2 1/2-1/2 [Reyk Schäfer]

Ein weiteres Beispiel zum Thema "Wie man beim Schach bescheißt" (legal natürlich) lieferte Jolanta Zawadzka im Kampf Plauen vs. Weiße Dame.


Josef Gelman (2066) - Jolanta Zawadzka (2319) [A07]

OLOA 2526 SC Weisse Dame - SK König Pla (7.2) 2026


1. Nf3 d5 2. g3 b6 3. Bg2 Bb7 4. O-O e6 5. d4 Nf6 6. c4 Be7 7. Ne5 O-O 8. Nc3 Ne4 9. Qc2 f6 10. Nd3 f5 11. Nf4 Qd7 12. Nxe4 dxe4 13. d5 exd5 14. Nxd5 Bxd5 15. cxd5










15... Na6??

stellt eine glatte Figur ein!

16. d6 cxd6 17. Qc4+ d5 18. Qxa6 Rfc8

aber sie tut einfach so, als sei nichts passiert!

19. Be3 Rc2 20. b3 Rac8 21. Rac1 d4 22. Rxc2 Rxc2 23. Rd1 Bc5










24. b4??

schon ist es passiert!

24. Bxd4 Bxd4 25. e3

24... dxe3! 25. Rf1

25. Rxd7 exf2+ 26. Kh1 Rc1+ 27. Bf1 Rxf1+ 28. Kg2 Rg1+ 29. Kh3 f1=Q+

25... exf2+ 26. Kh1 Bxb4 27. g4 Bc5 28. gxf5 Qxf5 29. Qxa7 Rxe2 30. Qa8+ Bf8 31. Qc6 Re1 32. Qc3 Rxf1+ 33. Bxf1 Qf3+ 34. Qxf3 exf3 35. Bc4+ Kh8 36. h3 g5 37. Bf1 Kg7 38. a4 Kg6 39. h4 g4 0-1 [Reyk Schäfer]

Der Kampfverlauf in Kreuzberg - Aue II wurde durch ein abruptes Königsmanöver auf den Kopf gestellt und führte zur vielleicht größten Saisonüberraschung in der Oberliga Ost. Beim Finale der folgenden Partie werden viele an einen Klassiker denken. Wir greifen das fesselnde Thema "Königsmarsch im Mittelspiel" anschließend ausführlicher auf.


Ralf Schnabel (2183) - Aron Moritz (2297) [C41]

OLOA 2526 SC Kreuzberg - Nickelhütte Au (7.3) 2026


71. Kh2 Rd1

Damit leitet Schwarz den weißen Königsmarsch ein, der also eher unfreiwillig startet. Das unterscheidet unsere Partie von den bekannten Vorbildern. Schwarz, der zuvor schon einige noch klarere Wege verpasst hatte, steht glatt auf Gewinn.

72. Rf3 Rh1+ 73. Kg3 Qe1+

Man kann diese Stellung mit Schwarz nicht verlieren? Man kann!

74. Kf4










74... Rh4+??

74... Rh2! 75. Kg5 Qh4+ 76. Kh6 Qxf6 77. Rxf6 Rxg2

75. Kg5

Plötzlich macht Ralf den Nigel!

75... Qa5+ 76. Kh6 1-0 [Reyk Schäfer]

Königsmarsch im Mittelspiel

Absichtliche Königsmärsche im Mittelspiel sind ein faszinierendes Thema. Z. B. wenn sie dem König auf der anderen Seite des Brettes Unterschlupf gewähren, die Koordination verbessern und erst recht, wenn der König bei vollem Brett als Angriffsfigur genutzt wird.

"Chessplayers are fascinated by kingwalks, perhaps because of their inherent contradiction and even implausibility. The most important – and vulnerable – chess piece does something other than trying to remain safe."

Dies stammt aus der Einleitung des 2021 erschienenen Buches "Kingwalks: Paths of Glory", in dem die Autoren Bruce Harper und Yasser Seirawan eine rechte feine Untergliederung der Motive für den Königsmarsch im Mittelspiel vorlegen und mit zahlreichen Beispielen unterfüttern. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Unsere Protagonisten im Folgenden sind Short, Larsen, Geller, Navara, Murzin und Studienkomponist Chekhover.

Nigel Short Bent Larsen Efim Geller
David Navara Volodar Murzin Vitaly Chekhover

Ich denke, jeder (fast) Schachspieler hat in diesem Zusammenhang den Klassiker Short - Timman, Tilburg 1991 schon einmal gesehen, der das Thema in Reinform darstellt. Das ist jedenfalls auch die Partie, die mir bei Schnabel - Moritz wegen der identischen Mattkonstruktion dank des Wanderkönigs sofort einfiel.
Zitiert sind im Folgenden Kommentare von Nigel Short und Daniel Naroditsky - Einzelheiten im Quellennachweis ganz unten.


Nigel D Short (2660) - Jan H Timman (2630) [B04]

Tilburg (4) 1991


30. h4

"In fact I could win very simply here with the following move 30. Nh4 that looks a bit odd at first. Let's say, he makes a waiting move like 30... Ba8 now I can play 31. f3 and than it doesn't matter what he does because my next move after let's say some random move 31... Bb7 I will take on g6 32. Nxg6 hxg6 and will play 33. Rh4 and this is checkmate. I didn't see this idea at all. That would have been a nice way to finish the game. I played in a different way and perhaps it was just as well because I found an even nicer way of finishing." (Short)

30... h5










"Before you read further, please set this position up on a real board. Set your computer (or phone) aside for a while, and simply ponder the situation. At first sight, it appears that Black is in control. His impressive long-diagonal battery immobilizes White's knight, and his queen is well-suited to exploit White's crippled pawn structure. Furthermore, with 31.Ng5 and 31.g4 impossible, the threat of 31...Bc8 is quite difficult to combat, much less parry. Upon closer inspection, however, it becomes clear that Black is the one in mortal danger. To be sure, White's knight must remain on f3, but he is one step away from crashing through on the kingside. If Black removes his queen from c6, or his bishop from b7, g2-g4 (or Ng5) will come with devastating effect (hence, ...Bc8 is not even a threat). More importantly, Black is completely, utterly, totally paralyzed: he is reduced to shifting his rook between e8 and c8. White has all the time in the world to break through, but no clear way to do so. The queen, the knight, and both rooks are performing to the very best of their abilities. But there is one piece on the board that is most definitely NOT performing to the best of its ability." (Naroditsky)

31. Kh2!!

"And that piece is called the king! With this move, Nigel Short initiates a king maneuver that has attained widespread recognition across the chess world. Short makes absolutely no effort to mask his intentions, yet Timman is utterly powerless to stop his king from reaching h6, and his queen from delivering mate on g7. In other words, the game is over." (Naroditsky)

31... Rc8

As we have already established,

31... Bc8 "liberates the knight, and the vengeful cavalier leaps into the attack with decisive effect: 32. Ng5! (32. g4? "! with a winning attack. But I was a bit short of time and this might have given me more problems." (Short) Das ? von Naroditsky ist objektiv nicht gerechtfertigt, da beide Züge klar gewinnen. ", as I gave in Mastering Positional Chess and as GM Ian Rogers indicated in his Chessbase annotations, is far less convincing on account of 32... hxg4 33. Ng5 g3+!










34. fxg3 (das thematische 34. Kxg3! wird von Naroditsky nicht untersucht. Es behält den Zug f3 als Verteidigung gegen die Batterie auf der langen Diagonale und gewinnt aufgrund der Drohung h5 auch mehr oder weniger direkt. 34... Bxd7 (34... Bb7 35. f3) 35. Kh2 Bc8 36. h5) 34... Bb7 35. Qf1 f5 and although White retains a decisive advantage, there is a long battle ahead." (Naroditsky)) 32... Bxd7 33. g4 hxg4 (33... Qc5 34. Rxd7) 34. h5! gxh5 35. Qh6 and Black can only postpone mate through a series of meaningless checks." (Naroditsky)

32. Kg3

"There is absolutely nothing he can do about my advance into his position. He is so tied up - there is nothing to be done." (Short)

32... Rce8 33. Kf4 Bc8 34. Kg5!

34. Kg5 Bxd7 35. Kh6










"is mate on the next move. This is the kind of position that epitomizes why chess is as much of an art as it is a science or sport." (Naroditsky) "This finish was not very difficult for me - in fact I found it immediately. But it's highly unusual in a middlegame just to be able to bring up your king so effectively." (Short)

1-0 [Daniel Naroditsky, Reyk Schäfer, Nigel Short]

Als Schlusssatz zu dieser bemerkenswerten Partie noch einmal Naroditsky:

"Short's famous king march is equally dazzling in its beauty and simplicity. Indeed, the monarch's outwardly audacious journey to h6 was actually quite uneventful, since all of Black's pieces were literally pinned to their spots."

Königsmarsch im Mittelspiel

Auch wenn Short vermutlich viele nach ihm zu Königsmärschen inspiriert hat (Felix Blohberger erwähnt das z. B. ausdrücklich in seinem Video und den Kommentaren dazu), der erste mit einer solchen Idee war er sicher nicht. In diesem Kontext werden auch immer mal die Partien Tarrasch - Reti, Wien 1922 und Alekhine - Yates, London 1922 genannt. Ebenfalls beeindruckende Leistungen mit einem markanten Königsmarsch. Dieser erfolgte jedoch weit später in der Partie bei reduziertem Material.
Nicht so bei Bent Larsen, dem man originelle Pläne wie diese sofort zutraut. Vermutlich ist das nachfolgende Beispiel nicht so bekannt, weil es gravierende Fehler beinhaltet (und hat es deshalb wohl leider auch nicht in Larsens Partiensammlung geschafft). Aber es gibt sehr originelle Stellungsbilder. Und anders als bei Short begibt sich der Wanderkönig in hochgradige Gefahr, was den zusätzlichen Reiz ausmacht.


Iztok Jelen - Bent Larsen [A04]

Vidmar Memorial 4th/Ljubljana/Portoroz YUG (11) 1977


31. Ng8










31... h5??

Der schwarze König war bereits auf dem Weg und hätte diesen beibehalten sollen.

31... Kg4! 32. Qd8 Kh3 Mit der Drohung 33...De4. Hier hilft natürlich, dass Endspiele für Schwarz gewonnen sind, aber die Stellung hält noch genügend Fallstricke bereit. 33. Rd3! (33. Nh6 Qe4) 33... Rce5 (33... Qe4?? scheitert jetzt an 34. g4+ Kxg4 35. f3+) 34. Nh6 Be1 35. Rf3 Bxf2+! 36. R3xf2 Rxf2 37. Rxf2 Re1+ 38. Rf1 Qxf1#

32. Nh6! Bd2 33. Nxf7+

33. Qg7! macht am einfachsten deutlich, in welch prekärer Lage der schwarze König ist. 33... h4 34. f4+

33... Kg4 34. Rxd2?

34. Qd8! Kh3 35. Rxd2 Rxd2 36. Qxd2

34... Rxd2 35. f3+ Kh3 36. Qc8+










36... Qg4 37. Ng5+ Rxg5 38. fxg4 Rg2+ 39. Kh1 Rc5 40. Qd8??

Es war entscheidend (und auch viel logischer), die Drohung g,h+ aufrecht zu erhalten. Nach z. B. 40. Qd7 muss Schwarz Dauerschach geben.

40... Rxh2+ 41. Kg1










41... g5!

Schwarz nutzt das Tempo, um den König vor effektiv vor Nachstellungen zu schützen.

42. Rb1

42. Qa8 Rcc2 43. gxh5 b3

42. Qd7 hilft mit dem schwarzen Bauern auf g5 auch nicht mehr. 42... Rcc2 43. gxh5+ g4

0-1 [Reyk Schäfer]

Sehr wohl Bestandteil einer "Beste-Partiensammlung" ist die folgende Begegnung. Quality Chess hatte sich entschlossen, aus mehreren russischen Quellen Gellers Kommentare zu seinen besten Partien zusammen zu tragen und zu übersetzen. Heraus kam das Buch "The Nemesis - Geller’s Greatest Games"
Der Titel "The Nemesis" kam zustande, weil Geller gegen die Weltmeister insgesamt eine positiven Score aufweist - individuelle Plus-Scores gegen Botvinnik und Fischer inklusive!
Die folgende Partie trug zum Gesamt-Plusscore bei und Geller überschrieb sie mit "March of the white king" Dem sind im Folgenden Kommentare entlehnt. Seine Einleitung zur Partie (S. 360):

"Strategic struggle, tactics, attack - in this game there is everything. And it finishes in original style. Under fire from a sharp middlegame counterattack, White’s monarch literally forces his way through the ranks of his own and his opponent’s pieces, penetrating deep into the enemy rear and coming within arm’s length of his black colleague.
I have no recollection of another such king march in all my abundant tournament practice ..."

Auch Garry Kasparov, der in der Vorgängerserie nicht nur die Weltmeister behandelt, geht auf die Partie ein (auch hier einige Zitate in den Kommentaren aus Band II, S. 321). In der Einleitung beschreibt er zudem, wie erfolgreich Geller in diesem Zeitraum agierte (ebenfalls S. 321):

"The autumn of 1975 was very successful for Efim Petrovich, when he won two major tournaments in succession, in both of which he was undefeated: in Teesside: (1. Geller 9,5/14; 2. Smyslov 8,5; 3.-5. Bronstein, Hort and Hübner - 8) and the Alekhine Memorial Tournament in Moscow (1. Geller - 10,5/15; 2. Spassky - 10; 3.-5. Kholmov, Korchnoi and Vaganian - 9,5; 6.-7. Hort and Petrosian 9; 8.-9. Beliavsky and Tal - 8,5).
You can only imagine the class of a player who, within the space one and a half months, was capable of finishing ahead of all the active ex- and vice-world champions, and also of defeating Spassky, Korchnoi and Tal in individual games!"


Efim P Geller - Mihail Tal [B08]

Moscow 1975


30. Qe2

"An inaccuracy that makes victory more difficult. White could win at once with

30. Qc1! Qxa2 31. Qe1 as Black's king would have no shelter against the mating attack. But "every cloud has a silver lining": without this inaccuracy, the white king's marathon run from h2 to f8 (!) could not have taken place." (Geller)

30... Ne7!

"A brilliant, purely Tal-like reply. The picture changes abruptly: the black knight, which for a long time has been dozing, suddenly joins the counterattack." (Kasparov)
"An excellent practical chance and an exceptionally sly trap!" (Geller)

31. Nb5 Bg1+ 32. Kg3 Nf5+ 33. Kf3










33... Nh4+

"In the time scramble Tal was relying on counterplay with checks, but Geller instantly saw that the white king could boldly advance, since it can hide from the checks deep in the opponent's rear." (Kasparov)

"A rather better move was 33... a6 which White would have answered with 34.g4!" (Geller)

"After 33... Bb6! White would have to force a draw by perpetual check:" (Kasparov) 34. Qe8+ Kg7 35. Qd7+ Kf6 36. Qe6+ Kg7

34. Kg4 Nf5 35. Qe8+ Kg7 36. Qd7+ Kh8 37. Nxd6!

"Precise calculation leads to a win by force, though White had only seconds left for it." (Geller)

37... Qd1+ 38. Kg5 Qh5+ 39. Kf6










39... Bd4+ 40. Ke6 Ng7+ 41. Kf7 g5+

41... g5+ "Time trouble is over and Black resigns, after 42. Kf8 his checks run out." (Geller)

1-0 [Efim Geller, Garry Kasparov]

Schließlich zu einem modernen Klassiker des Themas, wenn man so will. David Navara behandelt diese Partie mit unbedingtem Siegeswillen. Auch wenn keine Damen mehr auf dem Brett sind, als der Tanz beginnt, setzt sich der Wanderkönig (wie bei Larsen) großer Gefahr aus.
Aus der KARL-Rezension von Seirawans Buch stammt das folgende Zitat. Rezensent ist Chefredakteur Harry Schaack (Ausgabe 4/22)

"Als Radoslaw Wojtaszek einmal nach seiner besten Partie gefragt wurde, nannte er eine Niederlage gegen Navara. Der Tscheche war mit seinem König bei vollem Brett auf die gegnerische Grundreihe gestürmt, was einen so großen ästhetischen Reiz entfaltete, dass sich sogar ein Weltklassespieler wie Wojtaszek dem nicht entziehen konnte, obwohl er auf der falschen Seite des Brettes saß."

Mauricio Flores (bekannt durch die Bücher "Chess Structures" und " Chess Imbalances") hat in seinem Blog-Beitrag gemeinsam mit Paul McGann nachgewiesen, dass der Königsmarsch nicht vollständig korrekt ist. (Navara geht darauf in seinem Buch auch ein), denkt aber dennoch, dass der in die Schachgeschichte eingehen wird:

"This topic was brought to me by Paul McGann, a chess player and physician from Baltimore. He was fascinated with Navara’s King March, and Kavalek’s analysis of the game, but was able to find some defficiencies in this analysis too. Over the course of a few weeks, we discussed some lines over email, until he decided to let his computer run for four days straight. A clear conclusion emerged: the King March has a refutation! In this blog I will show you the refutation found by him.

While I do think Navara’s King March will go down in history as a notable example of courage and determination to play for a win, this finding is very interesting. It reminds us of how powerful computers are, and how amazing possibilities can be uncovered by today’s machines."

In den folgenden Kommentaren zitiere ich Navara aus seinem Buch "My Chess World" (ab S. 514) sowie aus den Online-Texten von Flores und Naroditsky (siehe Quellennachweis ganz unten). Besonders die verbalen Kommentare von Naroditsky sind sehr aufschlussreich.


David Navara (2724) - Radoslaw Wojtaszek (2733) [B90]

Biel Chess Festival/Biel (SUI) (4) 2015


17... Bg5!

"Radek had probably seen this idea sometime before. The position is just drawn according to the computer. It is indeed so, but a thorough analysis revealed that it was far more interesting than just '0.00'!" (Navara)

"Black's light-squared bishop is in trouble. It has only one feasible retreat square, but after 17... Be6 18. Nxe6 fxe6 19. Bxc6 his pawn structure will be permanently crippled. Wojtaszek refuses to bite the bullet and uncorks a sequence:" (Naroditsky)

18. Re1 Bh4 19. Rb1!? Bg5










"Most of us would have undoubtedly repeated moves here, either with 20.Re1 or with the somewhat more creative 20.Nxb7 (see below). But those of you who follow high-level chess are surely acquainted with Navara's penchant for risk-taking, and his dislike of premature draws. If not, then this game - especially the following two moves - will serve as a suitable introduction." (Naroditsky)

20. Kf2!?

"This move is easy to reject on account of 20...Rd2+, but after 21.Kg3 Black suddenly ends up in a great deal of trouble, since White has the possibility of jumping to e4 with tempo. But Wojtaszek does not fall for temptation. an interesting approach, White could have probably just signed a draw with Re1, but instead decided to go for a complex variation involving a King march." (Naroditsky)

20. Nxb7 Bxe3+ 21. Kh2 Bf4+ 22. Kg1 Be3+ "would have been a particularly flashy way to repeat moves." (Naroditsky)

20... Bh4+ 21. Kf3!? e4+!










"This is precisely the reason why most spectators did not expect Navara to venture further than f2. Black sacrifices a pawn to vacate the e5 square for his knight, when the king suddenly ends up in a rather uncomfortable situation. Even so, after 22.N5xe4 Ne5+ 23.Kf4, Black has nothing better than to repeat moves with 23...Ng6+. Navara has tempted fate twice, but the time is ripe to accept the course of events and call it a day. accepting the challenge." (Naroditsky)

22. Kf4?!

"With this brazen advance, Navara initiates a display of bravery, grit, and tactical precision that is rarely seen even at the elite level. The king, as if utterly ignorant of its importance, ventures straight into enemy territory, with not so much as a single pawn to shield it from the impending onslaught. However, White's control over the e6 (and e4) square, coupled with Black's uncoordinated pieces, renders this brazen sally objectively sound. Black has several ways to force a draw, but to do so he will have to demonstrate quite a bit of precision. Wojtaszek must have been so shocked at Navara's audacity, and so determined to punish him, that he immediately loses the thread." (Naroditsky) Navara war hier noch in seiner Vorbereitung: "I came up with this idea in the evening before the game. When chatting with Igor Stohl, I joked that I would be disqualified either for making an allegedly prearranged draw, or for playing like a computer.The whole way of playing is excessively risky. I probably would not have played like this in a team competition." (Navara) ?! von Navara

22... g5+!

"Drawing the king even deeper into Black's camp, but severely weakening the f6 square and rendering the dark-squared bishop useless. after this moment there is no turning back. The bishop on h4 is cutoff the game and Black's kingside pawns are disconnected from each other. So either Black will find a way to checkmate, or he will lose due to his miscalculation." (Flores)

23. Kf5

23. Kxe4?? "would be tantamount to hara-kiri; White cannot afford to remove his king from the f-file. After 23... Rd6! 24. bxc4 Re8+ 25. Kf3 The cute 25... Nd4+! 26. exd4 Rf6# finishes the job." (Naroditsky)

23... Rhe8!

"For the moment, Wojtaszek keeps his cool. Of course, the avaricious 24.bxc4 $4 meets with 24...Rd6, when the king is indeed stuck in a mating net. But White is just in time to rescue the monarch." (Naroditsky)

24. Rhd1










"An important move, establishing control over the d6 square and renewing the threat of bxc4." (Naroditsky) "and I think all of us know the rest of the story. Here Wojtaszek chose to play 24...Re5 and was unable to find anything concrete. The resulting ending was rather uncomfortable for him to White's super king, and he ended up losing a game that will become legendary. Now the question is, does Black have a better move? The answer is yes! The move here is:" (Flores)

24... Re5+

24... Bd3!! "blocking the action of the rook on d1, and taking up some key squares in White's scape route" (Flores) Navara erwähnt den Zug ebenfalls in seinen Kommentaren: "GM Knaak from Chessbase informed me that 24...Bd3!! (a move discovered by an engine user called Paul McGann within Chessbase's 'Let's Check') was very strong. Indeed Black seems to be winning." Die Varianten von Flores sind sehr verzweigt. Ich kürze es auf den Beginn seiner Hauptvariante bis zu einer bemerkenswerten Stellung. Für mehr Details verweise ich auf Flores' Blog-Beitrag. 25. cxd3 Ne7+!! 26. Kf6 Ng8+! "this move forces White's king to come even close" (Flores) 27. Kg7 Bg3 "finally a move we can all understand. The bishop must come to e5 to help in the checkmate" (Flores) 28. Kxh7 Ne7!! "will a human ever be able to calculate the sequence of 5 moves we just witnessed? I suppose it will not happen anytime soon. With yet another silent move, Black is now creating multiple deadly threats against the king, and White's position is certainly lost" (Flores) 29. Kg7 Be5+ 30. Kxf7 Nc6 31. Kg6 Rf8 "preventing a escape via f5" (Flores) 32. Nd5! Rxd5 33. Ne6 "and now for the sake of beauty, let's see a relatively forced variation for Black to end this game in style" (Flores) 33... Ne7+!? 34. Kh5 Rh8+ 35. Kxg5 Bc7+ 36. Kf6 Rh6+ 37. Kf7 Rh7+ 38. Ng7 Rd7










"a picturesque position, where Black is winning by force" (Flores)

25. Kf6

"And so the march continues. The king has not strayed from the f-file, and seems to move further and further into enemy territory without a care in the world. In reality, White's pieces - especially the knight on c5, the rook on d1, and the pawn on b3 - are hard at work negotiating a safe passage for His Majesty. Black's dark-squared bishop is hanging, and while he does have (several) ways to force perpetual, there is no mating net to be found. Even to draw, Black must demonstrate the utmost accuracy." (Naroditsky)

25... Rg8! 26. bxc4 Rg6+ 27. Kxf7 Re7+ 28. Kf8

"It is time to catch our breaths, and take stock of this most astonishing development. The intrepid monarch has completed an unfathomable journey from f2 to f8, and has done so while causing tremendous discomfort and tribulation among Black's camp. White is now a piece to the good, but the King is in greater danger than ever. It transpires that Black must tread a very narrow path to avoid exacerbating the delicate situation. After several moves of exemplary defense, Wojtaszek begins to go astray." (Naroditsky)

28... Rf6+?

"Not an enormous transgression per se, but a clear step in the wrong direction that lets the perpetual slip once and for all. The levelheaded

28... Reg7! would have snagged the elusive draw, since there is simply no way to stop ...Rg8+ followed by R8g7+. For instance, 29. Bxe4 Rg8+ 30. Kf7 R8g7+ and it is finally time to sign the scoresheets." (Naroditsky)

29. Kg8 Rg6+ 30. Kh8!










"The king march has officially terminated, but it is only because the boundaries of the chess board do not allow the monarch to travel further. Wojtaszek placed all of his bets on back-rank mating ideas, but failed to anticipate a particularly cunning defense." (Naroditsky)

30... Rf6

"This move appears to force the draw, since the threat of ...Rf8 compels White's king to return to g8. But as Navara demonstrates, this is far from the case!" (Naroditsky)

31. Rf1 Bf2










"This is the fulcrum on which Black's concept stands, but it is the next sequence that Wojtaszek clearly overlooked." (Naroditsky)

32. Rxf2! Rxf2 33. Rf1

"Simple, but very pretty nonetheless. Black is suddenly placed in a tremendously unpleasant situation: trading rooks eliminates Black's attacking chances and leaves White with a decisive material advantage, while 33...Rxg2 allows a devastating check on f8. Black does have a way to retain defensive chances, but Wojtaszek loses the thread. he was unable to checkmate and found himself in a worse position." (Naroditsky)

33... Rxg2?

"The decisive mistake, although Navara uncharacteristically returns the favor. It was necessary to give a preliminary check on e8, and only after

33... Re8+ 34. Kxh7 to play 34... Rxg2 White no longer has a check on f8, and Black's king is therefore safe. Nonetheless, after 35. N3xe4 Re7+ 36. Kg6 b6 37. Nd6+ Kc7 38. Nce4 Black definitely has his back to the wall, and although a computer will probably make a draw, I doubt that a human could survive here." (Naroditsky)

34. Rf8+ Kc7

Und in dieser Stellung steht Weiß nach 35.S5:e4 klar auf Gewinn. Es folgten jedoch noch mehrere Fehler beiderseits (zunächst 35.Sd5+? von Navara), ehe der Tscheche schließlich das Endspiel für sich entschied. Da der weiße König auf h8 schon sein Ziel gefunden hat und die Kommentare schon recht ausführlich waren, lasse ich die restlichen Züge aus.

1-0 [Mauricio Flores Rios, Daniel Naroditsky, David Navara, Reyk Schäfer]

Navaras Schlusswort zu dieser Partie in seinem Buch (S. 523):

"I would like to comment Radek’s sportsmanship. After the game he joyned the live analysis in the commentary room and praised my play."

Navara weist in seinem Buch ferner darauf hin, dass dies nicht sein einziger Königsmarsch dieser Art war:

"The Greek philosopher Heraclitus said: ‘No man ever steps into the same river twice.’ The Navara - Wojtaszek game is indeed unique, but later I succeeded in something at least partially similar in my games against Kacper Piorun from the 2016 German Bundesliga and particularly versus Boris Grachev from the 2019 European Club Cup, where I triumphantly marched my king from h2 to h8 with queens and some other pieces still on the board. Even a non-driver can commit autoplagiarism!"

Ich habe mir beide Partien angeschaut. Der Wanderkönig ist hier bei Materialvorteil eher auf der Flucht vor den gegnerischen Nachstellungen und viele Züge sind im Gewinnsinne forciert. Daher lasse ich diese Partien außen vor.
Aber die nachstehende Partie wollte ich gern dabei haben - die Live-Übertragung ist mir noch deutlich in Erinnerung. So funktioniert Schach als Zuschauer-Magnet!


Rameshbabu Praggnanandhaa (2688) - Volodar Murzin (2588) [C54]

Wch Rapid/New York (12) 2024


25. c4










25... Kf5

Schwarz hat ein äußerst undankbares Endspiel zu verwalten. Murzin entscheidet sich für die Flucht nach vorn. Objektiv betrachtet verschlechtert das eher die Lage, aber ganz praktisch wird es ihm später den WM-Titel bringen. Schwarz verfügte hier noch über 50 Sekunden und Pragg über 4.44 min (Inkrement 10 Sekunden). Er wird allerdings schnell aufholen ...

26. c5 Ba5 27. Rb1 Rg2 28. Rb3 Ke4

Weiter auf dem Pfad zum Ruhm (oder Verderben). Die FIDE-Live-Kommentatoren Miro und Maurice Ashley gerieten hier schon etwas in Extase, was sich während der nächsten drei schwarzen Königszüge noch steigerte. Weiß steht weiter klar auf Gewinn, aber wie gesagt: Auf der Uhr holte Pragg mächtig auf.

29. Rfb1 Kf3 30. f5!

vorerst auf dem richtigen Weg.

30... Ke2

Natürlich!

31. f6 R2g6 32. R3b2+ Kf3 33. Rb3 Ke2










Man sah Pragg deutlich an, dass er nicht recht wusste, wie er mit dem frechen Eindringling weiter verfahren soll. Es droht Zugwiederholung und um dem aus dem Weg zu gehen, folgte wohl (mit 2s Restzeit) das fatale

34. R1b2+??

34. f7! war die überzeugendste Lösung. 34... Rf8 35. R1b2+ Kf1 36. f4! Be1 37. Rd3 Rxf7 38. Rd1 Rxf4 39. Rbb1!

34... Kf1

Der schwarze König am Ziel seiner Träume - plötzlich hat sich die Lage komplett gedreht.

35. Rb1+ Be1 36. Rxe1+ Kxe1 37. Rb1+ Ke2 38. Bf4 Rxf6 39. Bg3 Kd3 40. Rb4 Rg4 41. Rb7 Rf7 42. f4 h5 43. Kg2 h4 44. Kf3 hxg3 45. Kxg4 g2 0-1 [Reyk Schäfer]

Studien zu diesem Thema sind nicht leicht zu finden, da es ja eigentlich ein Mittelspielthema ist. Ich erinnerte mich jedoch sofort an eine meiner Lieblingsstudien, die den Beinamen "Das Goldene Feld" trägt. Sie war zwar schon einmal Thema auf unseren Seiten, aber das ist viele Jahre her. Während sich der Wanderkönig hier wiederum keiner ernsten Gefahr aussetzt, ist sein Marsch dennoch bemerkenswert.

Das Goldene Feld


Vitaly Chekhover

Gewinn 1937


1. Kb2

Die weiße Dame muss offenbar g2 und damit indirekt den Läufer und f-Bauern im Auge behalten. Abkömmlich ist einzig ihre Majestät höchstpersönlich.

1... Nf7 2. Kc3 Nh8 3. Kd4 Ng6










4. Kc5

Der weiße König am Scheideweg. Es ist klar, dass er wegen des drohenden Läuferschachs nicht ohne weiteres ein weißes Feld betreten darf. Die folgenden Varianten machen aber deutlich, dass der schwarze Springer auf einer "normalen" Route nicht austempiert werden kann. Der Verlust des nötigen Tempos mutet znächst wie die Quadratur des Kreises an ...

4. Ke3 Nh8 5. Kf4 (5. Qh4 Bd3 6. Rxh1+










6... gxh1=N!=) 5... Nf7 wenn sich der Koenig von dieser Seite naehert, deckt der Springer just in time die Einbruchsfelder e5 und g5. 6. Ke3 Nh8 7. Kd4 Nf7 8. Kc5 Nh8 9. Kd6 Ng6 das gleiche Bild - diesmal von g6 aus. Weiss muss ein Tempo verlieren, um den Gaul in Verlegenheit zu bringen.

4... Nh8 5. Kb6 Nf7 6. Ka7 Nh8










7. Ka8!!

Das ist es - das goldene Feld: ein weißes, aber ohne Läuferschach!

7... Nf7 8. Kb8 Nh8 9. Kc7 Nf7 10. Kb6 Nh8 11. Kc5 Nf7 12. Kd4 Nh8 13. Ke5 Ng6+ 14. Kf6 Nh8 15. Kg7 Nf7 16. h8=Q Nxh8 17. Kxh8 Ng3 18. Qxg3 1-0 [Schachmaty]

Noch einmal zurück zur Oberliga. Kreuzberg zeigte sich vom Schock gegen Aue II gut erholt und bezwang anderntags Plauen. Aus diesem Match unser abschließendes Streiflicht mit beiderseitigen Möglichkeiten und einigen taktischen Motiven hinter den Kulissen.


Mika Hassemeier (2122) - Michael Strache (2283) [E11]

OLOA 2526 SK König Plauen - SC Kreuzber (8.6) 2026


33. Ng6

Weiß ist zunächst am Drücker.

33... h4 34. Nf1?!

Legt unnötig den Rückwärtsgang ein, auch wenn Weiß Vorteil behält. Die weißen Gewinnideen sind wieder typisch Engine.

34. Nh5+ Kg8










35. g3! Mit zwei Hebeln wird der Dame der Weg zum Königsflügel geebnet und dann bleibt noch der h-Bauer für einen weiteren unangenehmen Hebel. Sehr schwer zu sichten. 35... hxg3 36. e4! dxe4 37. Qxg3 e3 38. Re2 Rcc8 (38... Re4 39. Nxf6+) 39. h4 g4 (39... gxh4 40. Nxh4+) 40. Qxg4 Kh7 41. Rg2 Nd7 42. Nhf4 Qg7 43. Nf8+

34... Bd6 35. Nd2?!

Aber jetzt begibt sich der weiße Springer auf eine abseitige Reise zum Randfeld a5 - ironischerweise hätte er auf h5 dem schwarzen König einheizen sollen. Schwarz übernimmt das Ruder.

35... Qd7 36. Nb3 a4 37. Na5? Re4 38. Nxc6? Qxf5?

38... Rxc6 39. Qxb5 Rxc2 40. Qxd7+ Nxd7 41. Rxc2 Rxe3

39. Nxb8?

Revanchiert sich umgehend.

39. Nce7 Rcxe7 40. Nxe7 Bxe7 41. Rc7 Nd7 ist das kleinere Übel. Hier muss Schwarz noch arbeiten.

39... Rxc2 40. Rxc2 Kxg6

40... Bxb8 41. Ne7 Hatte Schwarz das evtl. bei der Vorausplanung übersehen und den Springer gefangen gewähnt?

41. Na6










41... Rxe3?

lässt nach einigen Wirrungen ein Dauerschach zu.

41... Bf4! Mit diesem kleinen taktischen Trick verleibt sich Schwarz den Be3 ein, behält aber alle Vorzüge seiner Stellung und wird über kurz oder lang gewinnen. 42. exf4 Re1+

42. Qxe3 Qxc2 43. Qe8+ Kh6 44. Qh8+ Kg6 45. Qg8+ 1/2-1/2 [Reyk Schäfer]



Quellen

Online-Texte per 2026-04-25

Bericht Kreuzberg

Flores Rios, Mauricio: A refutation of Navara’s king march

Naroditsky, Daniel: The King March

Videos

Blohberger, Felix: The Most Beautiful King Marches in Chess History

Chessbase India: The most heartbreaking game of World Rapid 2024 | Praggnanandhaa vs Murzin

Markos, Jan: Moro’s king march

Short, Nigel: Nigel Short - Greatest Hits (on Short - Timman)

Bücher/Zeitschriften

Meine Bücher zum Thema King walks - Paths of Glory

Geller, Efim: "The Nemesis - Geller’s Greatest Games"; Quality Chess, 2019

Harper, Bruce/Seirawan, Yasser: "Kingwalks: Paths of Glory"; Russell Enterprises, 2021

Kasparov, Garry: "My Great Predecessors, Part II"; Everyman Chess 2003

Navara, David: "My Chess World"; Thinkers Publishing, 2020

Datenbanken/Engines

Harold van der Heijden: Endgame study database HHdbVI

Chessbase: Megabase

Stockfish

Bilder (in der Reihenfolge der Verwendung)

Wikipedia: Short, Nigel; Short at the 2005 Corus chess tournament
Author: GeeJo

Wikipedia: Larsen, Bent
Collectie / Archief : Fotocollectie Anefo Reportage / Serie : Tweekamp Larsen tegen Portisch in De Doelen te Rotterdam Beschrijving : De Deen Larsen Datum : 28 februari 1977 Locatie : Rotterdam, Zuid-Holland Trefwoorden : portretten, schaken, schakers, wedstrijden Persoonsnaam : Larsen, Bent Fotograaf : Peters, Hans / Anefo Auteursrechthebbende

Wikipedia: Geller, Efim; Geller in 1973
Hans Peters for Anefo - Cropped from GaHeNa (Nationaal Archief) Nummer toegang 2.24.01.05

Wikipedia: Navara, David; Czech chess grandmaster
Stefan64 - Own work

Wikipedia: Murzin, Volodar; chess grandmaster from Russia
Stefan64 - Own work

Wikipedia: Chekhover, Vitaly; (1908-1965); sowjetischer Schachspieler und Theoretiker
Autor unbekannt

Cover "Nemesis" etc; Eigener Bestand

Cover "King Walks"; Russell Enterprise

Alle Comics KI-generiert.

Game(s) in PGN