Hinweis: Klicken auf das Dreieck rechts unterm Brett schaltet die Varianten für das Nachspielen mit der Tastatur ein/aus.
Hier nun der dritte und letzte Teil der Partienauswahl Runde 1/2, der sich der 2. Oberliga Ost A widmet. Als Brückenschlag zu Teil 1 gibt es wieder einiges zu Damenendspielen – diesmal ergänzt um die Thematik "Viele Damen auf dem Brett". Aber auch Läuferendspiele spielen eine prominente Rolle. Dank für Kurzkommentare gehen an die Protagonisten.
Der USC und AEM II führen mit 4:0 Punkten die Tabelle an. Wir fangen mit AEM an und hören mit dem USC auf. Jede Menge interessanter Partien zwischen AEM und Sangerhausen. Der Magdeburger Sieg sollte insgesamt in Ordnung gehen.
Florian Heyder (2211) - Johannes Paul (2334) [E70]
OLOA 2526 SG AE Magdeburg II - SV Sangerhausen (1.1) 2025
1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 Bg7 4. e4 d6 5. Nge2 a6 6. Ng3 h5
Da die Variante mit Sg3 nicht sehr häufig gespielt wird, habe ich auch nach regionalen Vorgängern gesucht und diesen hier gefunden:
6... c6 7. a4 a5 8. Be2
Nachfolgend der Vorgänger mit den bekanntesten Protagonisten.
8.
8... a5 9. h4 e5 10. d5 Na6 11.
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Führt in Verbindung mit dem frühen h4 zu Druck gegen diesen Bauern, allerdings eingeleitet durch ein ungewöhnliches Motiv, weshalb es wohl beide nicht auf dem Schirm hatten.
11... Ng4?!
Das absolut natürliche Feld für den Springer, aber:
11... Nh7! nimmt Lg5 aus der Stellung und h4 direkt aufs Korn - einer der invisible moves: unnatürliches Feld, Rückwärtsangriff. Johannes: "Ich habe nicht ernsthaft an Sh7 überlegt, obwohl das eigentlich in einer ähnlichen Benoni-Variante normal ist." 12. Be3 (12. Nh1 
12. Bg5 f6 13. Bc1 f5 14. Bg5 Bf6 15. exf5 gxf5 16. dxc6 bxc6 17. Bxg4 hxg4 18. f4 Bxg5 19. hxg5 Be6
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20. fxe5?
Die Stellung hatte sich längst zu Ausgleich stabilsiert, aber hier greift Flox entscheidend fehl und der f-Turm kann die schwarzen Bauern f/g nicht allein stoppen.
20. Qe2 als Prophylaxe zum Schach auf b6 war notwendig. 20... Qb6+ 21. Qf2 Qxf2+ 22. Rxf2 e4 Die Stellung sieht auch ohne Damen wild und unbalanciert aus, aber für die Maschine ist es ein 'dynamisches Gleichgewicht'.
Es droht entscheidend ...f4/...g3 und guter Rat ist teuer.
22. c5
22... Nxc5 0-1 [Johannes Paul, Reyk Schäfer]
Einer kleinen Achterbahnfahrt gleicht die folgende Partie – es war aber auch hinreichend kompliziert. Zudem wird unser thematischer Schwerpunkt eingeleitet.
Christian Sagafe (2165) - Jakob Noennig (2128) [D55]
OLOA 2526 SG AE Magdeburg II - SV Sangerhausen (1.5) 2025
41... Bd8?
Zu passiv. Schwarz kann den Bb6 taktisch verteidigen, was aber nicht leicht zu sehen ist.
41... Qb7+! 42. d5 (42. e4 Dieses Bauernopfer, das Schwarz vmtl. nicht direkt annehmen sollte, ist sicherer als 42.d5, aber d5 sieht natürlicher aus und ist per se auch noch in Ordnung. Wobei es zwar den Freibauern aktiviert, aber auch dem Lf6 wieder mehr Sicht gewährt. 42... Rb3 43. Rxb3 cxb3 44. Nd5 Bxd4 45. Qxb3=) 42... Ra1 und die folgende Variante zeigt beispielhaft die Gefahren für Weiß 43. Qb4? (43. Qe4!=) 43... c3 44. Rxb6
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44... c2! 45. Rxb7 c1=Q und die neu aufgetankte Dame auf c1 lässt die schwarzen Schwerfiguren zu aktiv werden bzw. führt dem weißen König zuviel Frischluft zu. 46. Kf3 Qh1+ 47. Ng2 Qd1+ 48. Ke4 Ra4
42... Qe8
43. Re5?
43. Qe4! Damit kann Weiß zum ersten Mal entscheidend g6 anvisieren. 43... Bf6 (43... Bc7 44. Qe7
)
44. Rd6 Bg7 45. Qd5
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45. Qb4?
Und hier zum zweiten Mal.
Christian dazu: "Ja, bis hierhin hatte ich die Variante zuvor gerechnet und wollte 99%ig Sxg6 machen, hatte aber Lf6 nicht gesehen. Ist zwar dennoch hinüber für schwarz, aber hab es nicht direkt gesehen. Dann hatte ich plötzlich "Panik" bekommen, wollte "sicher" spielen und habe komplett den Faden verloren." 45. Nxg6! fxg6 (45... Bf6 46. Rxh5 fxg6 47. Qxg6+ Qg7 48. Qe8+ Qf8 49. Qe6+ Qf7 50. Qg4+ Bg7 51. Qc8+ Qf8 52. Qxc4
)
46. Qxg6+ Kf8 47. Rxh5 Qg7 48. Rf5+
47. Re6! Hier und in der Folge ist dieser Zug, der erneut die potentielle Schwäche von g6 betont, die beste Verteidigung.
47... b5 48. Qd1 c3 49. Rxa4 bxa4 50. e4 Qb5 51. d6 Qb3 52. Qa1 a3 53. d7 Qb2 54. Qd1
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54... c2?
54... Qd2
Sammelt d7 ein und behält selbst einen der gefährlichen Freibauern.
55. d8=Q+ Bxd8 56. Qxd8+ Kh7 57. Nd3 c1=Q 58. Nxc1 Qxc1 59. Qe7
Jetzt hat Weiß genügend Gegenspiel. Aber menschlich nachvollziehbar: Schwarz war zuletzt klar am Drücker und möchte nun noch nicht Remis geben. Zumal der Ba3 ja nunmal gefährlich aussieht.
59... Kg8 60. Qd8+ Kh7 61. Qe7 Kg7 62. Qe5+ Kf8 63. Qh8+ Ke7 64. Qe5+ Kd7 65. Qd5+ Kc7?!
langsam beginnt die Partie vollends zu kippen.
65... Ke8 Wenn Schwarz am f7 dran bleibt, wird es wohl im Dauerschach enden.
67... Kc6
68... Kc6
69. Qe3+ Kc4 70. Qe4+ Kb3 71. e6 a2 72. e7 a1=Q 73. e8=Q
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73... Qaa3
Vier Damen und Schwarz zieht zuerst ein. Das kann man in der Vorausberechnung schonmal falsch einschätzen. Hier ist der Unterschied in der Königssicherheit so groß, dass Schwarz der extra Zug nichts nützt.
74. Q8e6+ Kc3 75. Q6c4+ Kd2 76. Qee2# 1-0 [Christan Sagafe, Reyk Schäfer]
Stellungen mit vier oder mehr Damen auf dem Brett lassen sich natürlich schwer in Muster pressen. Zumeist ist schlicht Rechnen gefragt. Dennoch lassen sich über die Beispiele hinweg allgemeine Schlussfolgerungen, z. B. zur Königssicherheit ziehen. Oft ist diese schon entscheidend verbessert, wenn noch Rudimente einer Fianchetto-Bauernstruktur übrig sind und eine Diagonale kontrolliert wird. Wie in unserer Ausgangspartie oben finden sich doch überraschend viele Beispiele, bei denen die Seite, die zuerst einzieht dennoch verliert – sogar bei sechs (!) Damen auf dem Brett.
Nur wenige Tage nach meinem Beitrag ging ein interessanter Post von Jennifer Shahade online: Four Queens: Checkmate or Bust. Dieser enthält noch ein paar allgemeine Hinweise:
"Two patterns crop up again and again in such endings.
- Checkmates in which a queen is pinned by another queen.
- Skewers
...
Four queen positions are reminders that too much of a good thing can be real. When talents overlap, as in two chess queens, it isn't exactly "double the queen power." because the queens often control the same squares. Rather than doubling in power, the second queen reduces the value of the original."
Die letztgenannte Beobachtung erklärt ein wenig, warum die Seite, die zuerst über mehrere Damen verfügt, zwar gewöhnlich im Vorteil ist, aber eben nicht immer.
Unser erster (regionaler) Querverweis führt erneut zu AEM:
Benjamin Wagner (1994) - Tobias Roehr (2211) [B48]
LJEM 2019 AK u16m/Naumburg (1.2) 2019
Die Stellung ist gewonnen für Weiß, aber nicht trivial.
62... f3 63. b7 f2 64. Qf4+ g5 65. Qf8+ Kh5 66. b8=Q Qa6+
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67. Kb4?
67. Kb3! f1=Q 68. Qfe8+ Qg6 (68... Kg4 69. Qd7+ Qf5 70. Qb4+ ist der Grund, warum der König nach b3 muss. Die 4. Reihe wird für ein Damenschach benötigt.)
69. Qh8+ die folgende Sequenz zeigt, wie schwer verdaulich der Stoff sein kann. 69... Kg4 70. Qd4+ Qf4 71. Qd1+ Kg3 72. Qg1+ Kf3 73. Qf1+ Kg4 74. Qc8+ Qgf5 75. Qg2+ Kh5 76. Qh8+ Kg6 77. Qc6+ Qf6 78. Qg8+ Kh6 79. Qb7
68. Qfe8+ Kg4 69. Qd7+ Qf5 ist jetzt kein Problem für Schwarz.
68... Kg4 69. Qe4+ Kg3 70. Qe3+ Kg4 71. Qe4+ Kg3 72. Qc5
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72... Qf4?
Wenn eine der gegnerischen Damen gefesselt ist, kann vermeintlich nicht so viel Schaden entstehen, aber der Schein trügt. Schwarz ist jetzt verloren, weil er es versäumt hat, das Feld f4 (indirekt) unter Kontrolle zu nehmen und so einen Bauern verliert.
72... Qc1!=
72... Qh6!=
73. Qg1+ Kh4 74. Qh2+ Kg4 75. Qhg2+ Kh4 76. Qf2+ Kg4 77. Qff3+ Kh4 78. Qexf4+ gxf4 79. Qxf4+
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Weiß verfügt mit dem c-Bauern über den aussichtsreichsten Freibauern in diesem Endspieltyp und steht auf Gewinn. John Nunn fasst es in "Nunn's Chess Endings, Vol. 1", S. 300 wie folgt zusammen:
"This is the trickiest of all five-man endings, which is unfortunate as it is also one of the most common to arise in practice. Although the database for this ending has been available for many years, progress on actually understanding it has been rather slow, even though many general principles are now clear.
To summarize the main points:
With a centre pawn, the defender has two drawing possibilities: either to get his king in front of the pawn or, if we suppose that White has an e-pawn, to get his king to the h8-corner (the a8-corner is no good). If the defender cannot achieve either of these, then he generally loses.
With a bishop's pawn, the defender's only real chance is to try to get his king in front of the pawn.
With a knight's pawn, the defender must either bring his king in front of the pawn or, if we suppose that White has a b-pawn, get his king to the h1-corner.
Q+a-pawn vs Q is generally drawn. If the defender (let's again suppose this is Black) cannot get his king in front of the pawn, then playing the king to the h1-corner generally results in the simplest draw. In all cases the defender has better chances the further back the pawn is, as he has more time to reach a drawing position.
79... Kh3 80. Qf5+ Kg3 81. Qe5+ Kh3 82. c4 Qb7+ 83. Kc3 Qf3+ 84. Kd4 Qg4+ 85. Kd5 Qd7+ 86. Qd6 Qb7+ 87. Qc6 Qb3 88. Qe6+ Kh2 89. Qe5+ Kh3 90. Qe6+ Kh2 91. Qe2+ Kh3 92. Kd4 Qb6+ 93. c5 Qd8+ 94. Kc4 Qg8+ 95. Kb4 Qb8+ 96. Qb5 Qf4+ 97. Qc4 Qb8+ 98. Kc3 Qe5+ 99. Qd4 Qe1+ 100. Kc4 Qe6+ 101. Kb4 Kh2 102. Qd6+ 1-0 [Reyk Schäfer]
Es gibt jedoch auch zwei berühmte Partien, die maßgeblich für den Ausgang von WM-Matches waren. Zudem zählen diese Matches gemeinhin zu den hochklassigsten und spannendsten unter den WM-Duellen. Auf diese Weise können wir die Thematik mit einem kleinen historischen Exkurs verbinden.
Im WM-Match Capablanca - Alekhine galt der Kubaner als hoher Favorit, da er insgesamt sehr selten verlor und auch gegen Alekhine eine klar positive Bilanz ohne Niederlage aufweisen konnte. Die Intensität der Vorbereitung hätte jedoch bei beiden unterschiedlicher kaum sein können und Alekhine sorgte bereits in der ersten Partie mit einem Schwarzsieg für einen Paukenschlag. Capablanca schlug jedoch zurück und lag nach 10 Partien mit 2:1 in Führung (Weltmeister wird, wer zuerst sechs Partien gewinnt). Alles schien wieder auf Normalkurs zu sein, aber ...
Nachfolgend schauen wir uns die 11. Matchpartie an. Im Buch "José Raoul Capablancas World Championship Matches 1921 and 1927" (Analysen zu 1927: Winter/Yates, Einleitung Irving) wird sie auf Seite xii wie folgt angekündigt:
"Three more drawn games followed, and the eleventh game found Capablanca forcing matters until his 26th move, when he missed the strongest continuation, one which would have compelled Alekhine to sacrifice the exchange and fight for a draw. Alekhine got the upper hand shortly thereafter, and Capablanca found himself fighting hard for a draw. He missed his chance on his 47th move, as Alekhine later pointed out, when the riskylooking 47 R-Q7 instead of 47 Q-Q7 would have done the trick. He fought on bravely in a most difficult position, and finally resigned when there were four Queens on the board! A long, hard game, and in spite of some errors on both sides, a genuine masterpiece of fighting chess."
Generell zum Match, aber basierend auf dieser Partie merkt Kasparov in "My Great Predecessors, Part I", S. 387 an:
"It is significant that Capablanca underestimated the latent dynamics of this position and nevertheless was unable to prevent ... c6-c5. In this match he generally sensed dynamics worse than his opponent and played more static chess, trying to break up large-scale problems into small ones and to solve them easily by parts."
José Raul Capablanca - Alexander Alekhine [D52]
World-ch12 Alekhine-Capablanca +6-3=25/Buenos Aires (11) 1927
60. a5?
"Instead of securing the draw by
60. Rc2 Re8 61. Kg2! threatening either 62. R:c3 or 62. Rf2 Capablanca commits another error and should now lose instantly." (Alekhine)
60... Rd8
60... Qf1! u. a. von Alekhine empfohlen, gewinnt ebenfalls.
61. a6?
"The utterly worn-out Capablanca makes a final mistake. He was clearly not accustomed to such fierce resistance: his opponent was all the time seeking paradoxical ideas! Capa was a champion of classical wrestling, whereas in this match Alekhine employed methods from unarmed self-defence or karate ..."
G. Kasparov; My Great Predecessors, Part I, S. 387
Dies klingt so, als könne sich Weiß noch retten, aber der entscheidende Fehler geschah tatsächlich einen Zug früher.
"After 61. Kg2 Black could only obtain a queen's ending with three pawns against two, which, with the right defence, would normally be drawn. But even so, Black should gradually be able to win." (Alekhine) Gefolgt von einer längeren Variante, die ich hier auslasse.
61... Qf1!
62. Qe4 Rd2 63. Rxd2 cxd2 64. a7 d1=Q 65. a8=Q
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Diesmal ist das Geschehen mit den vier Damen auf dem Brett nicht sonderlich spannend, da Weiß unmittelbar mattgesetzt wird.
Auch wenn das erst die 11. von insgesamt 34 Partien war (6 Siege für den Matchgewinn benötigt), so war es doch eine sehr richtungsweisende, da Alekhine in Verbindung mit dem Doppelschlag in Partie Nr. 12 erneut in Führung gehen konnte. Damit war klar, dass Capablancas Niederlage in der Auftaktpartie kein einmaliger Ausrutscher war. Und dass man Alekhines Ansprüche ernst nehmen muss, die er kurz vor dem Match in einem bekannten Ausspruch wie folgt geltend machte: "Yes it is difficult to picture Capablanca losing six games, but I find it more difficult picturing Capablanca beating me six games."
I. Chernev; José Raoul Capablancas World Championship Matches 1921 and 1927, S. xii
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"A similar mate with two queens could have occurred with me against Karpov in the 22nd game of our return match in 1986, but Karpov did not take things that far, deviated and lost differently."
G. Kasparov; My Great Predecessors, Part I, S. 387
Schauen wir uns unmittelbar die Variante aus dem Kasparov-Karpov-Match an, auf die Kasparov soeben verwies. Es handelt sich um das dritte WM-Match der beiden und das erste, das Kasparov als amtierender Weltmeister – also damals noch mit Draw Odds – bestritt. Das Match fand in London und im damaligen Leningrad statt.
Nach 16 Partien hatte Kasparov drei Punkte Vorsprung und jeder ging davon aus, das Match sei entschieden. Karpov gewann jedoch die Partien 17, 18 und 19 des auf 24 Partien angesetzten Matches. Was zu Anschuldigungen von Kasparov gegenüber seinem Sekundanten Vladimirov führte.
Da es wieder ausgeglichen stand, erwies sich die 22. Partie als vorentscheidend. Douglas Griffin stimmt ein:
"The first half of the match (which was held in the ballroom of the Park Lane hotel in London’s Picadilly) was ‘won’ by Kasparov by the narrowest possible margin (+2, -1, =9). The contest then moved to Leningrad, to the hotel Leningrad (now, like the city itself, renamed the St Petersburg) on the banks of the River Neva. The World Champion won two of the next four games to take a three-point lead with only eight games remaining; seemingly, the contest was over. But remarkably, Karpov won the next three games in a row to level the score. Kasparov steadied the ship with draws in the following two games. The stage was set for the dramatic 22nd game.
This encounter opened with a then-topical variation of the Queen’s Gambit that had occurred in the 23rd game of the previous match between the players. Karpov (Black) failed to equalise, and Kasparov was able to extract a series of small concessions in the middlegame. He won a pawn, but at the adjournment the win still seemed to be in the balance. Indeed, while Kasparov was sealing a move his seconds had been gloomily analysing the most obvious continuation, which led to a rook endgame with fair prospects of a draw for the ex-World Champion."
Kasparov selbst pflegt in "Dva Matcha" (Two Matches) natürlich angenehme Erinnerungen an diese Partie:
"This game, having collossal sporting significance and essentially deciding the fate of the match, simultaneously proved to be the best in it! By the irony of fate many of my successes are associated with the number 13: I was born (and this is a success!) on 13th April, I became the 13th World Champion in the year ‘85 (8+5=13), winning by a score of 13:11, and this game – the 94th between Karpov and I (9+4) – was played on the 3rd October (the 3rd day of the 10th month) and became my 13th win over Karpov! How can I avoid being superstitious?!"
Garry Kasparov (2740) - Anatoly Karpov (2705) [D55]
World-ch32-KK3 Kasparov-Karpov +5-4=15/London/Leningrad (22) 1986
40... Rd2
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41. Nd7!
"Karpov naturally came to the adjournment with a heavy heart. He had naturally found the combination and one can imagine with what feelings he awaited for the secret sealed move to be revealed and with what difficulty he demonstrated his "indifference"!" (Kasparov)
"The time trouble has ended, and in this position the game was adjourned. Externally, Karpov was very happy - indeed, on the face of it he has achieved much. The most natural for White is 41. Rb4? but after 41... f6 42. Nxg6 Qxg6 43. Qxg6+ Kxg6 Black has excellent chances of saving the rook endgame. Precisely such a development of events after the resumption was foretold by all of the commentators! However, I did not consider any move other than 41.Nd7 ... Delving into the position, I rather soon discovered the third move of the combination. Astounded by its beauty, for 17 minutes I tested and re-tested the variations, not believing my eyes! 'Either I have gone mad, or I have a forced and very beautiful win!', I told my trainers, who, incidentally, looked rather glum (they too had analysed only 41.Rb4?). We analysed the position for a long time: this was an incomparable pleasure, and moreover, it was necessary to convince ourselves again and again that our eyes did not deceive us and that these beautiful variations were indeed possible!"
(Kasparov, Dva Matcha)
41... Rxd4
"The point is not in the pawn, but in the exchange of queens, which Black wants to offer (from the square f4)." (Kasparov)
"The point of the combination! White's small and scattered army acts so harmoniously that Black does not manage to break the mating net without major loss." (Kasparov)
43... Rc4
Unser Thema verbirgt sich in der folgenden Variante:
"Especially beautiful is the variation" (Kasparov) 43... Rxb4 44. axb4 d4 45. b5 d3 46. b6 d2 47. b7 d1=Q 48. b8=Q
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"threatening check and mate from the f4-square) Black is curiously helpless; his queen and bishop are just too awkwardly placed." (Griffin) 48... Qc1 49. Nxg6 Qxg6 50. Qh8+ Qh7 51. Qgxg7#
44. Rxc4 dxc4 45. Qd6! c3 46. Qd4 1-0 [Douglas Griffin, Garry Kasparov]
Es gibt noch ein späteres Beispiel mit vier Damen aus dem Schaffen Kasparovs, in dem er einen großen Vorteil nicht verwerten konnte. Auch für ihn ist diese Art Stellung fehleranfällig. Ich zitiere stellenweise Anmerkungen von Lubomir Ftacnik für Chessbase.
Peter Leko (2736) - Garry Kasparov (2847) [B80]
Linares 20th/Linares (3) 2003
56... Qc1+?
"The best prove, that in Linares the participants were human and no computers. Kasparov became nervous in the winning position and instead of the correct advance of the g pawn he began to give checks to the opponent's king." (Ftacnik)
56... g4! 57. a6 g3 58. a7 Qf3+ 59. Kb4 g2 60. Qg5+ Kh7
58. Kc5 Qc3+ 59. Kb5 Qb3+ 60. Kc5 Qc3+ 61. Kb5 Qb3+ 62. Kc5 Qe3+ 63. Kb4 Qe4+ 64. Kc5 Qc2+ 65. Kb5 Qe2+ 66. Kb6 Qe3+ 67. Kc6 g4 68. a6 g3 69. a7 g2
69... Qxa7 70. Qg5+ Kh7 71. Qh5+ Kg7 72. Qg5+ Kh7=
71. Kc7! Qc4+ (71... Qxa8 72. Qg5+ Kf8 73. Qh6+ ist Dauerschach.) 72. Kb7 Qb4+ 73. Kc7=
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und Remis. Wenn Schwarz hier zuviel will, fällt er auf die Nase. 73... g1=Q?? 74. Qh8+ Kg6 75. Qc6+ Kf5 76. Qhf6+ Kg4 77. Qcf3#
71... Qc2+
71... Qxd5+ 72. Kxd5 g1=Q 73. Kxe5 Qg5+
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Diese Variante gewinnt, weil der weiße König nicht vor den Bauern kommt. Siehe Nunn oben.
72. Kd6
"Leko is defending like a lion and his great opponent will be very frustrated by spoiling enormous chances for win." (Ftacnik)
Kasparov revanchiert sich.
74... f6! 75. Qe7+ Kh6 76. Qef8+ Qg7+ 77. Kc6 Qd4
75. Qh8+ Kxh8 76. Qxf6+ Qg7 77. Qh4+ Kg8 78. Kd6
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Hier gewinnt der Läufer-Bauer nicht, weil der weiße König zu gut steht und vor den Bauern kommt (siehe Nunn).
78... Qg6+ 79. Ke5 Kg7 80. Qe7 Qg3+ 81. Kf5 Qg6+ 82. Ke5 Qh6 83. Kf5 Qg6+ 84. Ke5 Kh7 85. Qh4+ Kg8 86. Qd8+ Kg7 87. Qe7 1/2-1/2 [Lubomir Ftacnik, Reyk Schäfer]
Was sagt eigentlich der wohl renommierteste zeitgenössische Studienkomponist Oleg Pervakov zur Thematik?
Generell sind die modernen Studien oft beeindruckende Konstrukte, die dual- und fehlerfrei funktionieren. Aber es mangelt ihne m. E. gelegentlich an einer gewissen 'Leichtigkeit'.
Oleg Pervakov
Lepky-130 MT 2018
2. e8=Q? b1=Q+ 3. Kh5 Qf5+ 4. Kh4 Qff4 5. Qc6+ Kg1! 6. Qd6 f1=Q=
3... b1=Q+ 4. Kh5+ Kf1 5. Nxe3+ Qxe3 6. Qxe3 Qf5+ 7. Qgg5 Qh7+ (7... Qxg5+ 8. Qxg5!)
8. Kg4!
4. Nxe3+
4. Kh7+? Kf2! 5. Qef7+ Ke1! 6. Qg3+ Qf2=
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Vier Damen werden umgehend wiederhergestellt. Erneut haben wir eine Situation, in der eine Seite zuerst oder mit Schach einzieht und verliert. Weiß steht allerdings schon bereit zum Abzugsschach ...
6. Kg5!
... für das es aber noch zu früh wäre! Wenn der König das Schach auf h4 geben kann, ist das bedeutend wirkungsvoller, da er von dort aus unmittelbar beim Mattsetzen hilft.
6. Kh5+? Kh1!= 7. Qgh6 Qbf5+ 8. Kh4
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6... Qff5+
6... Qc2 7. Qb7+ Kh2 8. Qe5+ Kg1 9. Qg3+ Qcg2 10. Qb6+ Kh1 11. Qh6+ Kg1 12. Qhh2#
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8... Qg6 9. Qh3+ Kg1 10. Q6e3#
9. Qc6+ Kh2 10. Qc2+! Qxc2 11. Qh3# 1-0 [nach Angaben in Harold van der Heijdens Studien-Datenbank]
Kann man die vier Damen noch toppen? Selbstverständlich! Schwarz gab in nachstehender Partie rechtzeitig auf, um die insgesamt siebte Dame auf dem Brett zu verhindern. Zeitgleich waren immerhin sechs aktiv.
David Anton Guijarro (2469) - Alejandro Franco Alonso (2454) [A17]
Elgoibar 21st/Elgoibar (6) 2011
58... bxa3 59. h6 a2 60. h7 a1=Q 61. Qf5+ Kd6 62. h8=Q
Auch hier wieder ein Beispiel, wo die Seite, die zuerst einzieht, den deutlich schlechteren König hat und deshalb chancenlos ist.
62... Kc5 63. Qf8+ Kc4 64. Qe6+ Kd3 65. Qfxf6 Qd4 66. Qf3+ Kd2 67. Qh6+ Kc2 68. Qc6+ Kb1 69. g4
das Rennen zur jeweils dritten Dame ist tatsächlich der einzig klare Gewinn.
69... Qab2 70. g5 a3 71. g6 a2 72. g7 a1=Q 73. g8=Q
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malerisch! Selbst mit insgesamt sechs Damen auf dem Brett hat Schwarz als erneut zuerst Einziehender das Nachsehen. Die schwarzen Damen treten sich entlang der Diagonalen a1-e5 in beeindruckener Weise auf die Füße, zusätzlich behindert durch ihren König.
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Dass man hier fehlgreift, ist wirklich kein Wunder ...
74. Qgg4! Qab3 75. Qa6 Qxf3+ 76. Qxf3 Qc2 77. Qb7+ Kc1 78. Qd5 Kb2 79. Kg3 Qxd5 80. exd5
74... Qxf3+?
Mit einem hübschen Patttrick hätte sich Schwarz retten können. 74... Qdxf2+! 75. Qgxf2 Qxf3+ 76. Kxf3
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76... Qc3+!
75. Qxf3 Qc2 76. Qb5+ Qcb2 77. Qfd3+ Qxd3 78. Qxd3+ Kc1 79. Kf3 Qd4 80. Qe2 Qd6 81. Qc4+ Kd2 82. Qd5+ 1-0 [Reyk Schäfer]
Nach dem etwas längeren Ausflug zurück zu AEM.
ML Jens Windelband sah anderntags gegen Ende einen knappen USV-Sieg als möglich an. Ich habe die Knackpunkte aber nicht unmittelbar nachvollziehen können und widme mich stattdessen Jens' Endspiel aus Runde 1.
Jens Windelband (2042) - Stefan Ellemann (1997) [B13]
OLOA 2526 SG AE Magdeburg II - SV Sangerhausen (1.6) 2025
55... Kd4
Jens: "Nach Kd4 war ich überzeugt zu gewinnen, da ich dachte, der sK darf sich nicht vom Ort des Geschehens&xnbsp;wegbewegen." Objektiv ist der Zug noch in Ordnung, aber wie man in der Folge sieht, wohl schon der Beginn eines falschen Plans.
55... Kd6 erscheint jedenfalls konzeptionell einfacher. 56. h4 (56. Kg6 Ke7) 56... Ke7 57. g5 fxg5 58. hxg5 Kf7
|
57... Kb2??
entfernt sich zu weit vom Brennpunkt am Königsflügel.
57... Kb4! 58. a4 Kc5! (58... Kxb3?? 59. g5 b5 (59... fxg5 60. hxg5 Kc4 61. g6 Bd4 62. Bb5+
)
60. Bxb5)
59. g5 fxg5 60. Kxg5 Kd6 61. Bf5 Ke7 62. h5 Be3+ 63. Kg6 Kf8 64. Be6 (64. h6 Kg8)
64... Bc1 65. h6 Ba3 66. h7 Bb2=
58. a4!
gibt den Bauern so, dass gleichzeitig kein schwarzes Gegenspiel bzw. Bauerntauschen am Damenflügel möglich ist. Auf diese Weise bleibt das Gewinnpotential erhalten, nachdem der g-Bauer den schwarzen Läufer kassiert hat.
58... Kxb3 59. g5 fxg5 60. hxg5 Kb4 61. g6 Bd4 62. Kh6 Kc5 63. g7 Bxg7+ 64. Kxg7 Kd6 65. Bb5 Ke7 66. Kg8 Kd8 67. Kf7 Kc7 68. Ke7 Kb8 69. Kd7 Ka7 70. Kd6 1-0 [Jens Windelband, Reyk Schäfer]
Im Match Rochade vs. Saalespringer sahen die Hallenser das Remis vermutlich als verlorenen Punkt an.
An 1 lief zunächst taktisch alles glatt.
Gedeon Hartge (2326) - Dominik Mueller (2226) [D36]
OLOA 2526 SV Rochade Magdeburg 96 - SV Saalespringer (1.1) 2025
1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 d5 4. cxd5 exd5 5. Bg5 Be7 6. e3 c6 7. Bd3
15. a4 Bf5 16. Ne5 Rc8 17. Bxg7 Bxd3 18. Nxd3 Kxg7 19. Rb3 Bd6 20. b5 cxb5 21. axb5 a5 22. Qb2 b6 23. Na4 Rc4 24. Ra1 Ne4 25. f3 Ng3 26. Ne5 Bxe5 27. dxe5 Qc7 28. Kh2 Nf5 29. f4 Rc2 30. Rc3 Qxc3 31. Qxc3 Rxc3 32. Nxc3 Nxe3 33. Na4 d4 34. Ra3 Nc4 35. Rd3 Rd8 36. Kg3 Rd5 37. Kf2 g5 38. g3 Kg6 0-1 Gelfand,B (2690)-Ivanchuk,V (2710) Linares 11th 1993 (7)
15... Nf5
15... Bf5 16. Nc5 Bxd3 17. Qxd3 Qc8 18. Rfc1 Bd6 19. Ne5 Ne6 20. f4 Bc7 21. f5 Nxc5 22. bxc5 Bxe5 23. dxe5 Ne4 24. fxg6 hxg6 25. Bf4 Qd7 26. Rb4 Qe7 27. Qd4 Rad8 28. Rb2 Rd7 29. Rbc2 Qh4 30. Rf1 Qe7 31. Rcc1 Qh4 32. Bh2 Re6 33. Rf4 Qe7 34. Rcf1 Qe8 35. Rg4 Qe7 36. Rc1 Rd8 37. a3 Kg7 38. Rf4 Rh8 39. Rf3 Rf8 40. Qb4 Rd8 41. Rc2 Rd7 42. Qd4 Kg8 43. Rc1 Rd8 44. Rff1 Kg7 45. Rf4 Rh8 46. Qb4 Rd8 47. Rg4 Rc8 48. Qd4 Rh8 49. Bf4 Rh4 50. Bg5 Nxg5 51. Rxh4 Rxe5 52. Rb1 f6 53. Qb4 Nf7 54. Rf4 Rxe3 55. Rff1 Qe5 56. Qf4 Qxf4 57. Rxf4 Rxa3 58. Rxb7 Rc3 59. Ra4 g5 60. Rc7 Rxc5 61. Rxa6 Kg6 62. Rcxc6 Rxc6 63. Rxc6 Kf5 64. Kf2 Ke5 65. g3 Nd6 66. Kf3 Nf5 67. Rc8 Nh6 68. Re8+ Kd6 69. h4 Kd7 70. Re1 Kd6 71. Rh1 gxh4 72. gxh4 Ke5 73. Rg1 d4 74. h5 Kf5 75. Rg7 Ke6 76. Ke4 Nf5 77. Rg1 d3 78. Kxd3 Ke5 79. Rg4 Nh6 80. Rg6 Nf7 81. Kc4 Nd6+ 82. Kb4 Nf7 83. Kc5 Ke6 84. Kd4 Kf5 85. Kd5 Ng5 86. Rg7 1-0 Eljanov,P (2761)-Sertic,R (2422) CRO-chT1A 19th Sibenik 2010 (9)
16. Bf4 Nd6 17. Nc5 Nfe4 18. a4 a5 19. b5 b6?
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Schwarz steht nach einigen Ungenauigkeiten unter Druck, aber 19... cxb5 hielt den Nachteil noch in Grenzen.
20. bxc6!
Gedeon: "Das hatte ich auch erst im Moment nach b6 gesehen."
20... Nxc5
Auch das Schlagen mit dem Bauern hilft nicht.
20... bxc5 21. dxc5 Nf5 22. c7 Qd7 23. Bb5
21. dxc5 bxc5 22. Qxc5 Nc4 23. Qb5 Na3 24. c7! Qd7 25. Qxd7 Bxd7 26. Rb8 Nc4 27. Bxc4 dxc4 28. Rfb1 Bb4 29. Rd1 Be6 30. Rxa8 1-0 [Gedeon Hartge, Reyk Schäfer]
Aber an 2 hatte der USV in Person von Tom Höpfl über weite Strecken eine klare Gewinnstellung.
Das Läuferendspiel ist jedoch selbst mit Engine schwer zu greifen und ich habe das Gefühl, nachfolgend nur an der Oberfläche zu kratzen.
Divine Enekwizu (2072) - Thomas Hoepfl (2193) [D02]
OLOA 2526 SV Rochade Magdeburg 96 - SV Saalespringer (1.2) 2025
Selbstverständlich, möchte man meinen.
15. Bxf6 gxf6 16. Ng4 f5 17. Nf6+ Kg7 18. Nh5+ Kh8 19. Nxb3 cxb3 20. Be2 Qxc3+ 21. Kf2 b2 22. Rab1 Ng6 23. h4 a5 24. Bb5 a4 25. Bxa4 Ba6 26. Nf6 Be7 27. Nd7 Qd2+ 28. Kg1 Rc8 29. Nc5 Bxc5 30. dxc5 Rxc5 31. Kh2 Rc1 32. h5 Rxh1+ 33. Rxh1 Nh4 34. Qg3 Nxg2 35. Qxg2 Qxg2+ 36. Kxg2 Bd3 37. Kg3
|
37... b1=Q?!
Das ? kommt vielleicht etwas überraschend, aber natürlich ist es sinnlos, mit der Engine zu streiten. Da die Umwandlung nicht wegläuft, war es wesentlich einfacher, zunächst ...h6 zu spielen und weißes h6 zu verhindern. Aber einen Menschen kostet das erstmal Nerven.
37... Be4 38. Rg1 h6 39. Re1 b1=Q 40. Rxb1 Bxb1 und mit dem Angriffsziel auf h5 gewinnt Schwarz leicht.
38. Rxb1 Bxb1 39. h6 Kg8 40. Bb5 Kf8 41. Kh4 f6?
es ist zwar verständlich, auch mal einen Bauern auf schwarz stellen zu wollen, aber das ermöglicht grundsätzlich das Motiv Lg6, wenn sich der sK nun zu weit entfernt.
41... Ke7 Schwarz musste langsam den König aktivieren und einen Freibauern bilden. f7 ist dabei wesentlch leichter zu verteidigen als h7. 42. Ba4 Kf6 43. Bd1 e5 44. Be2 exf4 45. exf4 d4
42. Kg3
42. Be2! und der Nachteil des unterlassenen ...h6 von Schwarz wird offenkundig: Man muss sich immer mit dem Motiv Lg6 herumärgern und kommt nur schwer vorwärts. 42... Kf7 43. Bh5+ Ke7 44. Kg3 Bc2 45. Kf2 Bb3 würde zwar Lg6 verhindern wegen(45... e5?
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46. Bg6! wäre dagegen schon =, da f5 auch noch durchhängt.)
46. Bg6 Bd1! 47. Bxh7 Kf7
aber wenn Weiß auf Lg6 verzichtet, kommt man nicht recht weiter.
43... e5 schwer zu fassen, dass das "leichter" gewinnt, als den h-Bauern einzusammeln. 44. Be2 Kg6 45. Kg3 Kxh6
|
45... Be4
45... d4! 46. exd4 Ba2 47. Be8 Kg7 48. Bb5 Bd5 49. Ba4 Bf3 50. Bb3 Kf7 51. Kg3 Bg4 52. d5 (52. Ba2 Ke7 53. Bb3 Kd6 54. Ba2 h5 55. Bb3 e5 56. dxe5+ fxe5 57. fxe5+ (57. Bc2 h4+ 58. Kxh4 exf4)
57... Kxe5)
52... e5 53. d6+ Ke8 54. Be6 e4 55. Kf2 h5
45... e5!
auf den ersten Blick auch wieder alles andere als einfach: Eines der beiden Bauernopfer musste sein. Danach kann der Läufer von f7 aus sowohl den verbleibenden Bauern decken als auch das Eindringen des schwarzen Königs über h6 verhindern, was die Aktivierung des Königs ermöglicht.
46. Bxe6
und tatsächlich ist das jetzt ausgeglichen. Der Läufer klebt an den Mittelbauern und der König am Bh7.
46... Kg7 47. Kh5 Bf3+ 48. Kh4 Kg6 49. Bd7 h6 50. Be8+ Kg7 51. Bd7 Be4 52. Kh5 Bd3 53. Be6 Bc4 54. Bxf5 Bb5 55. Be6 Be8+ 56. Kh4 Bf7 57. Bxf7 Kxf7 58. Kh5 Kg7 59. f5 1/2-1/2 [Reyk Schäfer]
Auf der Homepage des SK Dessau finden wir zum ersten Oberliga-Wochenende folgende Notiz.
"Die erste Mannschaft kommt mit einem Unentschieden und einem Sieg aus der Erfurter Doppelrunde der Oberliga Ost nach Hause. Wie man hört, war wesentlich mehr möglich!"
Das "wesentlich mehr möglich" dürfte sich vor allem auf folgende Partie aus dem 4:4-Kampf gegen Stadtilm herleiten:
Pauline Schmidt (1713) - Iziaslav Leibovitch (2116) [A26]
OLOA 2526 SG BW Stadtilm - SK Dessau 93 (1.8) 2025
1. c4 Nf6 2. Nc3 g6 3. g3 Bg7 4. Bg2
|
19. exd5?!
19. Rxf6! Es mangelt dem Le6 an Feldern. 19... d4 (19... Bxf6 20. exd5
)
20. Nd5 Bxd5 21. Rxa6 Rxa6 22. exd5
19... Nxd5 20. Nxd5 Bxd5 21. Bxa5 Bxg2 22. Qxg2 Qb5 23. Bc3 Rad8 24. Qe4 Rd7 25. Nc1?!
Sieht krumm aus. Schwarz beginnt sich wohlzufühlen.
25... Rfd8 26. Qf3 Nc5 27. Bb4 Ne6 28. Rde1? Nd4?
28... Ng5! und die zweite Reihe ist nicht gut zu verteidigen. 29. Qg3 (29. Qe3 e4! ist offensichtlich schlecht, weil der Bauer hier tabu ist.)
29... e4 30. dxe4 Be5 31. Qh4 Rd2! 32. Bxd2 Rxd2
29. Qf2 Ne6 30. Qf3 Nf4 31. Rd1 Kh7 32. Kh2 f6 33. Rfe1
|
33... Nxd3?!
Das Auflösen der Spannung lässt Weiß billig davon kommen.
33... Bh6! 34. d4! auch wieder unter der Prämisse nicht weiter eingeschnürt zu werden. 34... Rxd4 35. Rxd4 Rxd4 36. Bc3 Rd7 37. Rd1 Rxd1 38. Qxd1 Nd5 39. Ne2 e4
mit der Iee Dd3 und alle schwarzen Figuren stehen deutlich aktiver als die weißen Gegenstücke.
34. Nxd3 Rxd3 35. Rxd3 Rxd3 36. Qe4?
36. Re3
36... Qd7?
36... Bh6! ist erneut die kritische Idee 37. Re2 Bf4+ 38. Kg1 Rg3+ und bei anhaltendem Angriff wird der h3 verhaftet.
37. Rf1 Rd4 38. Qe1 Qc6 39. Bc3 Re4 40. Qh4+ Kg8 41. Qg3 Bh6 42. Qd3 Bf4+
der Läufer ist endlich auf seinem Bestimmungsfeld angekommen. Aber nicht mehr so durchschlagend wie zuvor möglich.
43. Kg1 Kf7 44. Rf3 Rc4 45. Rf1 e4 46. Qd8
|
46... e3??
46... Rxc3 47. bxc3 Qc5+ 48. Rf2 Qxc3= ist eine mögliche Notbremse.
47. Rd1!
Kein Höflichkeitsbesuch kündigt sich an.
47... Re4 48. Rd7+ Qxd7 49. Qxd7+ Re7 50. Qd5+ Kg7 51. Qd4 Bg5 52. Be1 e2 53. Qd3 Re3 54. Qd7+ Kg8 55. Qc8+ Kg7 56. Qxb7+ Kg8 57. Kg2 Re8 58. a4 Rd8 59. a5 Rd1 60. Qb5
Es genügt völlig, den e2 einzusammeln.
60. Qb5 Rxe1 61. Kf2 Bh4+ 62. Kf3
1-0 [Reyk Schäfer]
Aber wie das so ist mit dem, was man so hört: Es kann jederzeit subjektiv gefärbt sein, was ja irgendwie normal und nachvollziehbar ist.
In Runde 2 hätte sich der SK jedenfalls m. E. nicht beschweren können, wenn Empor zu sechst beide Punkte mitnimmt. Dazu nachfolgend zwei Beispiele.
Jasper scheint nahtlos an seine tragische Rolle der Vorsaison anzuknüpfen. Angesichts der Partieverläufe leidet man da oft mit. Gemäß Live-Ergebnisticker war das die letzte beendete Partie.
Jasper Heinke (2051) - Dirk Mirschinka (2126) [B07]
OLOA 2526 SK Dessau 93 - SV Empor Erfurt (2.3) 2025
25. Nd4
Von hier an steht Weiß lange Zeit auf Gewinn.
25... Bxd4 26. Rxd4 Nd5 27. Nxd5 cxd5 28. c3 Qc7 29. Rh4 Qh2 30. Rd4 Qe5 31. Bd3 Rg8 32. Bc2 h4 33. Bb3?
33. Rxh4 den zweiten Bauern einzusammeln ist am einfachsten
33... Qf5+ 34. Ka2 Qxf3 35. gxf3 Rh8 36. Bxd5 Bxh3
Jetzt liegen die Trümpfe eher bei Schwarz und dem h-Bauern.
37... Bf5
38. Bxe6+ fxe6 39. Rd1 h3 40. Kb3 Rh4 41. Rh1 Kd7 42. Kc2 Ke7 43. Kd3 Kf6 44. Ke3 Kf5 45. Kf3 Rxf4+ 46. Kg3 Rg4+ 47. Kxh3
|
Aber Weiß kommt nochmal zurück und sollte auf keinen Fall verlieren. Oder?
47... Rg7 48. Re1 e5 49. Re3 Kf4 50. Kh2 e4 51. c4 Rd7 52. Kg2 Rd1 53. Rc3 Rd2 54. b4 Ke5 55. c5 Kd4 56. Re3 Rd3 57. Kf1 Rxe3 58. fxe3+ Kxe3 59. b5 Kd2 60. c6 bxc6 61. bxc6 e3 62. c7 e2+ 63. Kg2 e1=Q 64. c8=Q Qe4+ 65. Kh2 Qe2+ 66. Kg1 Qe3+ 67. Kh1 Qxa3 68. Qd8+ Ke2
|
69. Qe8+??
Läuft zu allem Überfluss noch in Matt oder Damentausch. Hier war ein stiller Zug gefragt.
Diverse andere Züge - vor allem entlang der 8. Reihe halten zusammen, z. B. 69. Qh8
69... Kf2 0-1 [Reyk Schäfer]
Auch Jürgen musste am am ersten Wochenende für seinen neuen Verein in der Sonntagspartie ganz schön kurbeln, ehe die gewohnten zwei Remisen unter Dach und Fach waren.
Tim Nicolai (2052) - Juergen Luther (2103) [A40]
OLOA 2526 SK Dessau 93 - SV Empor Erfurt (2.5) 2025
1. d4 e6 2. Nc3 d5 3. Bf4 Nf6 4. e3 a6 5. g4 c5 6. g5 Nfd7 7. Qf3 Nc6 8.
Naheliegend und hält auch Vorteil fest, aber man konnte den Bd4 auch opfern.
19. Rhe1! Nxd4 20. Nxd4 Bxc5 21. Nb3 Be7 22. h6 g6 23. Bg2 a5 24. Nd4 und im typischen Alpha-Zero-Stil dominiert Weiß trotz Minusbauer das Brett.
Den Springer sollte man wohl aushalten. Immer noch
20. Rhe1
20... Na3
Wenn es ein Remis-Meme gäbe, müsste es von Jürgen sein. Wie so oft hat er ein gutes Gefühl für den richtigen Moment und Weiß willigt trotz Unterzahl seiner Mannschaft ein.
1/2-1/2 [Reyk Schäfer]Abschließend stellvertretend für Co-Tabellenführer USC eine Kombi vom angestammten Taktiker Jens Tobiska:
Jens Tobiska - Daniel Schmidt (1973) [B90]
OLOA 2526 USC Magdeburg - SG BW Stadtilm (2.4) 2025
19. Rc7+?
19. d6! ist extrem unangenehm für Schwarz, der vom dargebotenen Material nichts nehmen darf und auch sonst keine gute Verteidigung hat. Der Turm steht halt auf c8 aktiv genug. 19... e4 (19... Kxc8 20. Qb7+ Kd8 21. Qc7+ Ke8 22. Qc8#)
20. Rc7+ Kd8 21. Qf4 Nbd7 22. 
19... Kd8?
glaubt ihm!
19... Kxc7 20. d6+ Kd8 21. Qb7! Qb1+ 22. Nc1 Bxd6 23.
20. d6 e4 21. Qf4 Nbd7 22. Nd4 Nd5 23. Qh4+ Ke8 24. Bxe4 Qxd6 25. Rc6 Qe5
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26. Re6+!
Der hübsche Damenfang entscheidet sofort.
26... Be7 27. Rxe5 Nxe5 28. Bg5 Rd8 29. Bxd5 Rxd5 30. Qe4 Rxd4 31. Qxe5 Rd7 32. Qxg7 Rf8 33.
Shahade, Jennifer: Four Queens: Checkmate or Bust
Winter, Edward: Books about Capablanca and Alekhine
Winter, Edward: Kasparov's Child of Change
Fritzi analysiert Henning - Hassemeier
Fritzi analysiert Kunze - Henning
King, Daniel (Power Play Chess): FOUR QUEENS?? | Duda vs Dubov | Opera Euro Rapid 2021
Alekhine, Alexander: "My Best Games of Chess: 1908-1937" Russel Enterprises, 2013 (Nachdruck)
Chernev, Irving: "José Raoul Capablancas World Championship Matches 1921 and 1927" Dover publications 1977
Kasparov, Garry: "Dva Matcha" Fizkultura i Sport, Moscow 1987
Kasparov, Garry: "My Great Predecessors I: Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin" Everyman Chess 2003
Nunn, John: "Nunn's Chess Endings, Vol. 1" Gambit, 2010
Harold van der Heijden: Endgame study database HHdbVI
Alexander Aljechin: Wikipedia; George Grantham Bain Collection (Library of Congress) derivative work
Kasparov vs. Karpov: Wikipedia; Copyright 2007, S.M.S.I., Inc. - Owen Williams, The Kasparov Agency.
Garry Kasparov vs Anatoly Karpov world chess championship 1985.