Studien: Leopold Mitrofanov, Jan Timman

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Ich möchte diesmal ausführlicher darauf eingehen, warum die Originalstudie von 1967 inkorrekt war. Die allgemein anerkannte Korrekturfassung bildet dann den Übergang zur erweiterten Version von Jan Timman.
Zunächst der Link auf unseren Beitrag von 2003. Dieser enthält neben einer alternativen Korrekturfassung zwei weitere sehr schöne Studien Mitrofanovs. Unbedingt verwiesen sei auch noch einmal auf den sehr lesenswerten Artikel von Tim Krabbé A GENIUS' BAD LUCK. Er schildert alles Wissenserte zur "Jahrhundert-Studie" mit dem Kenntnisstand von 1999.

Leopold Mitrofanov

Gewinn 1967 [1. Preis Rustaveli]


1. b6+ Ka8 2. Te1!

Das einleitende Opfer schützt den weißen König später vor Schachs der neuen schwarzen Dame auf der Grundreihe.

2... Sxe1

Leider liegt hier die Crux, wie Krabbé ausführlich darstellt.

2... Sc4+! Die Widerlegung der Originalfassung - vom Russen Kuindzhi 1970 entdeckt. Natürlich ohne Computer ;-) 3. Kb5 Sxb6 4. g7 Ka7 5. Kc6










ein späterer Versuch von Kuijf, das Original zu retten, wie Krabbé ausführt. Jedoch ... 5... Le7!! "It's a move nobody would ever find in a game; worthy of a study in itself. Instead of capturing a Rook, Black puts a Bishop en prise, with check, on an unguarded square. The point is that by capturing it, the Rook would be lured away from where it defends against Black's promotion, and that Black himself now threatens Nd4+ and Nb5+ with a new version of Kuindzhi's perpetual." (Krabbé) 6. Txe7+ Kxa6 7. Te1 Sxe1 8. g8=D h1=D 9. Df7 Dxd5+ 10. Dxd5 Sxd5 11. Kxd5 Sf3 12. h6 Sg5=

3. g7 h1=D 4. g8=D+ Lb8 5. a7 Sc6+! 6. dxc6 Dxh5+










7. Dg5!!

Dieses geometrische Motiv hat Charushin im Mitrofanov-Buch als "Zug vom anderen Stern" bezeichnet. Weiss gibt die Dame auf einem Feld, wo sie mit Schach genommen werden kann, verbleibt mit zwei Bauern gegen Dame, Laeufer und Springer und gewinnt - fantastisch!

7... Dxg5+ 8. Ka6 Lxa7 9. c7 Da5+ 10. Kxa5 Kb7 11. bxa7 1-0


Aus dem Jahr 1971 stammt eine Korrekturfassung, die das Problem elegant löst, indem der schwarze Springer in der Ausgangsstellung von f3 nach g2 verschoben wird (wie in unserem News-Diagramm). Das ist in der Tat so viel besser als die gelegentlich gezeigte kastrierte Fassung beginnend mit 3.g7.
Jan Timman ging nun in NiC 5/2013, S. 50 einen Schritt weiter und bugsiert den Springer über ein zusätzliches Läuferopfer auf das kritische Feld:

Jan Timman (nach Mitrofanov)

Gewinn 2013 [New In Chess]


1. b6+ Ka8 2. Lg2! Sxg2 3. Te1 Sxe1 4. g7

und weiter wie im Original. "A bishop sacrifice, followed by a rook sacrifice with the intention to block the back rank: Mitrofanov would have been thrilled", schreibt Timman nicht ohne Stolz in NiC. Dem kann man nur zustimmen. Ich finde, dass die Studie – im Original und mit Timmans i-Tüpfelchen – uns vieles über die Geometrie des Schachbretts und die Figuren lehrt.

1-0

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