Doppelrunde 2/3 in Halle

Nicht auf Schach und Bericht eingerichtet: Simon Eigentlich hatte ich mich schon auf ein schachfreies Wochenende eingerichtet. Allerdings verstand es Reyk mit zarten Hinweisen dann doch mich zu überzeugen mich im Sinne der zweiten Mannschaft ans Brett zu setzen. Dass ich dann auch noch den Rundenbericht schreiben würde, war da nicht vorauszusehen. Aber sollte Reyk schon wieder gezwungen sein, so früh in der Saison einen weiteren Nichtbericht zu verfassen? Nein, dann doch lieber ein paar Zeilen aus der nicht mehr vorhandenen Erinnerung zusammengekramt.

2. Spieltag: SG GW Dresden - SG 1871 Löberitz

Nach der Samstagsrunde zu spät zum Sonne haschen Das sonnige Spätsommerwetter war denkbar ungeeignet, um sich mit Schach zu beschäftigen. Im Park spazieren gehen, im Biergarten sitzen, Eis essen, was hätte man alles schönes machen könnenů Als ich dann sah, dass wir uns an Plastikbrettern nebst schlichten Holzfiguren niederlassen durften, die wohl auch schon mal bessere Zeiten gesehen hatten, war der Tag dann zumindest für mich so gut wie gelaufen ...

Christian Mein Gegner hatte wohl auch anderes als Schachspielen im Sinn, tauschte er doch frohgemut so viel er konnte und bot im 10. Zug remis. Mein Mannschaftsleiter konnte mich an dieser Stelle gerade noch zurück halten das Remis anzunehmen. Ein paar Züge weiter war es dann aber doch so weit. Meine unflexible Bauernstruktur verleidete mir das Weiterspielen und so schüttelten wir uns beide zufrieden die Hände.

Holly in der Eröffnung überrascht Die anderen waren noch mitten in der Eröffnung. Es war dennoch schon einiges passiert. Holly wurde wohl von der Eröffnungswahl des Gegners überrascht. Auf Da5 im c3-Sizilianer versäumte er mit Sa3-c4 Nutzen aus der extravaganten Damenstellung zu ziehen und verknotete sich stattdessen selbst zusehends. So ging dannzu erst ein Bauer und dann auch noch ein zweiter verloren, ohne dass er im Gegenzug auf eigene Aktivposten verweisen hätte können. Dafür konnten wir an Brett 1 schnell auf einen Sieg hoffen. Danas Gegner zog für meinen Geschmack allzu oft mit seiner Dame, sodass Dana schnell ein Turmopfer auf f7 anbringen konnte. Danach war es nur noch eine Frage des Ruhebewahrens, um den vollen Punkt einzufahren.

Brain mit der Keule a3 gegen Daniel Auch Martin konnte an Brett 2 überzeugen. Im Caro-Kann verstand er es als Schwarzer bei entgegengesetzten Rochaden keine Zeit zu verlieren und griff sofort zielstrebig nach den Sternen, indem er die Keule a3 auspackte. Eine sehr überzeugende Leistung, bravo! Viel schwerer tat sich Christian mit Schwarz im Wolga-Gambit. Zwischenzeitlich wollte mir seine Stellung gar nicht gefallen. Für den system-bedingten Weniger-Bauern habe ich jedenfalls schon mal mehr Gegenspiel gesehen. Allerdings verstand Christian es dann in der Folge gekonnt, genügend Figurenaktivität zu entwickeln und das Remis sicher zu stellen.

Dana vs. Paul mit Turmopfer auf f7 Fridolin wurde wie Holly ebenfalls von einer unorthodoxen Eröffnungsbehandlung (ebenfalls mit Da5) überrascht. Er reagierte zunächst ziemlich passiv und nahm dann leider auch noch die beiden d-Bauern vom Brett. Danach hatte dann Schwarz schon keine Sorgen mehr. Da hätte ich mir etwas mehr Biss gewünscht. Die entstehende Struktur war eher nicht nach Fridolins Geschmack und so schaufelte er sich später in Form einiger selbst beigebrachter Felderschwächen (zunächst auf f4 und dann auf d3) das eigene Grab.

Bergschänke Harald hingegen konnte mit seiner Eröffnung überzeugen. Er verschaffte sich früh einigen Vorteil, eine bessere Bauernstruktur, eine anfällige gegnerische Königsstellung sowie Entwicklungsvorsprung. Der Übergang ins Endspiel war zwar nicht ganz lupenrein, insgesamt aber war es doch ein klarer und deutlicher Sieg. Nachdem etwa drei Stunden vergangen waren, war abzusehen, dass Sebis Partie wohl den Tag entscheiden würde. Die Partie wogte hin und her. Zunächst hatte Sebi mit Schwarz ein paar schöne Felder erkämpft, dann konnte Weiß aber die Stellung öffnen und hatte dank Entwicklungsvorsprungs die besseren Aussichten. Allerdings ließ Weiß die letzte Konsequenz vermissen und so gelang es Sebi schließlich, seine verbliebenen Figuren auf den gegnerischen König zu konzentrieren. Der Mannschaftssieg geht aus meiner Sicht insgesamt in Ordnung.

3. Spieltag: SG 1871 Löberitz - USV TU Dresden II

Harald übernahm die sonntägliche Anfahrt aus Dessau. Wie meist, so gelang es ihm auch dieses Mal, der Anreise durch das eine oder andere unerwartete Abbiegen in eine Nebenstraße die gewünschte Würze zu verleihen. Letztendlich gelang es uns dann trotzdem (wenn auch unter Missachtung einiger weniger Verkehrsregeln, pssst!) rechtzeitig am Spiellokal anzukommen.

Harald bringt Würze in die Anreise Die Spielbedingungen im Vergleich zum Samstag hatten sich zu meinem Leidwesen noch verschlechtert. Der eigentlich großzügig bemessene Spielsaal am Kreuzvorwerk stößt dann doch an seine Grenzen, wenn darin drei Mannschaftskämpfe gleichzeitig ausgetragen werden. So teilte ich mir mit Harald also einen Tisch mit den schon vorigen Tages bewunderten Plastikbrettern.
Meine Eröffnungsvorbereitung beschränkte sich darauf, mit Weiß nach 2 Zügen eine Stellung auf das Brett zu zaubern, die ich vorher noch nie gespielt hatte. 1. d4 Sf6 2. Sc3 werde ich so schnell nicht wieder machen. Die daraus entstehenden Stellungsbilder schauten mich so fremd an, dass ich eine Unmenge an Zeit verbrauchte ohne einen guten Plan zu finden. Meinen Gegner hat es gefreut, er spielte locker nach Gefühl und ließ mich in meinem eigenen Saft schmoren. Logische Konsequenz war eine klare Niederlage ohne dass ich erkennbar große Gegenwehr geleistet hätte. Da mussten es also die anderen richten.

ML Frido Da ich mich selbst mehr als ausreichend mit selbst gemachten Problemen zu beschäftigen hatte, kann ich aus eigenem Erleben leider nur wenig zu den anderen Partien beisteuern. In Erinnerung sind mir nur ein paar Partiefetzen. Fridolin hatte die Eröffnung wohl etwas verschlafen, konnte dann aber den Entwicklungsnachteil aufholen und dann sogar einen Bauern gewinnen. Holly spielte eigentlich gar nicht und wartete einfach auf bessere Zeiten, die dann auch kamen. In dieser Partie schaffte es Weiß, einen Springer nach a1 zu "entwickeln" um einen Bauern auf b3 zu decken; wahrlich ein Ritter von trauriger Gestalt. Martin schaffte es gegen seinen jugendlichen Gegner und hochmögenden, wohl rasant aufsteigenden Stern am Schachhimmel eine hervorragende Stellung aufzubauen. Die schwarze Vertripelung der Schwerfiguren auf der mit einem eigenem Bauern blockierten a-Linie machte jedenfalls einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck. Da war zwischenzeitlich wohl für uns mehr drin als das letztlich erreichte Remis.

Youngster Sebi mit spannenden Partien Sebi holte in der Eröffnung zunächst deutlichen Vorteil heraus. Allerdings verabsäumte er die Figuren vom Damenflügel ins Spiel zu bringen, sodass er alsbald in Nachteil geriet. Ein gegnerisches, wohl nicht wirklich starkes Figurenopfer auf g2 hätte bei korrekter Verteidigung wohl nur zum Remis geführt. Harald spielte eine sehr solide Eröffnung und hätte zwischendurch auf h3 einen Bauern mitnehmen können. Das nachfolgende Leichtfigurenendspiel war zwar spannend, aber letztlich remis.

Reisepartner USV gegen TU Zwischenzeitlich stand es damit 3:3.
Christian und Dana spielten noch lange weiter. Wir machten uns lange Hoffnung auf ein 5:3 oder zumindest auf ein 4½ : 3½.
Der Wegfall der weiteren Zeitzugabe nach dem 60. Zug und die damit "ewige" Zeitnot macht allerdings eine Vorhersage des Ergebnisses praktisch unmöglich. Christian musste furchtbar lang im 30 Sekunden-Modus spielen. Er hatte zwar eine angenehme Stellung, aber beabsichtigte Gewinnversuche rückten auch eine Zeitüberschreitung in den Bereich des Möglichen. Zwischendurch hatte Christian mit Springer und Dame gegen Läufer und Dame eine Gewinnstellung, nachdem der Läufer ins Abseits geraten war und sich die weiße Figuren an den schwarzen König machten. Nachdem Christian allerdings unnötiger Weise Damentausch zuließ, war die Luft im wesentlichen raus.
Frauenduell an 1 geht in die Verlängerung Dana spielte insgesamt eine sehr ansprechende Partie. Es gelang ihr die jugendliche, ebenfalls international aufstrebende Gegnerin zu überspielen. Dana konnte mehrfach glatt gewinnen. Auch in der von Zeitnot geprägten Schlussphase hatte sie dann letztlich eine Figur mehr. Mit dem Zug 58. .. g5 hätte sie sich dann allerdings beinah gänzlich um den eigentlich verdienten Lohn gebracht. Die Gegnerin freute sich bestimmt, dass sie nach diesem Fehlgriff Dauerschach erzwingen konnte. Mit 59. Da6+ hätte sie aber sogar die Partie komplett drehen und gewinnen können ...

Simon

  GW Dresden SG 1871 Löberitz 3:5
1 Zwahr, Paul WGM Reizniece-Ozola, Dana 0-1
2 Siedentopf, Daniel Schuster, Martin 0-1
3 Rudolf, Sebastian Pröhl, Holger 1-0
4 Hutsch, Oliver Schindler, Christian ½
5 Wappler, Markus Mertens, Fridolin 1-0
6 Nake, Matthias Pallas, Sebastian 0-1
7 Kunze, Christopher FM Matthey, Harald 0-1
8 Rudolf, Matthias Spreng, Simon ½
  SG 1871 Löberitz USV TU Dresden II 4:4
1 WGM Reizniece-Ozola, Dana Osmanodja, Filiz ½
2 Schuster, Martin Vogel, Roven ½
3 Pröhl, Holger Möhn, Hans 1-0
4 Schindler, Christian Salzmann, Peter ½
5 Mertens, Fridolin Gungl, Theo 1-0
6 Pallas, Sebastian Glinzer, Christoph 0-1
7 FM Matthey, Harald Oehl, Tim ½
8 Spreng, Simon Schmalhofer, Adam 0-1

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