Oberliga-Doppelrunde auf Gut Mößlitz

Wie man Gastgeberqualitäten beweist

oder

Do you know anybody who wants to be Schiedsrichter in the Overliga this weekend?

Dana und ihr spannender Schmöker, Autor Brain Zum fünften Mal in Folge richtete die SG 1871 die erste Doppelrunde der laufenden Oberligasaison aus. Nur fanden alteingesessene Löberitzer Doppelrundler nicht die Madgeburger Hauptstädtler von Rochade und AEM vor, sondern Aufsteiger USC gab sich die Ehre! Zum bunten Treiben auf den Brettern, die für manche die Welt bedeuten, gesellten sich zudem zwei Jenaer Vertretungen. Neben Sonntagsgegner Jenapharm war der Aufsteiger vom SV Schott Jena mit von der Partie – alte Bekanntschaften wurden gleich zur Begrüßung aufgefrischt – Schach verbindet eben ein Leben lang.
Gut Mößlitz Zum ersten Mal wurden die ausgezeichneten Spielbedingungen auf Gut Mößliz in Anspruch genommen, welches sich in letzter Zeit vor allem mit (Silber)Hochzeitsfeiern einen Namen machte. Während draußen neben dem Kräutergarten das herrliche Novemberwetter zum Spazieren einlud, heizte sich der Spielsaal schnell auf, so dass nach einiger Spielzeit das eine oder andere Grad per Fensteröffnung in die Freiheit gelassen werden musste.
Die E-Mails vom ML hatten darauf hingedeutet, dass wohl eher eine S- statt der oft zitierten K-Frage im Raum stehen würde. Glücklicherweise erbarmte sich der umsichtige und stets korrekte J. Rudolph, so dass der Narrenfreiheit Einhalt geboten werden konnte. Die S-Frage wird sicher noch ausführlich diskutiert, kritisch beäugt und nach sorgfältiger Prüfung von einem vorbehaltlichen Ausschuss fristgemäß mit 1/3-Minderheit zur Abstimmung gebracht werden - vielleicht auch mehrmals - mit voneinander abweichenden Ergebnissen. Aber in jedem Falle diplomatisch und ohne Ansehen der Person ähh ... des Schachbrettes. Aber wie heißt es so schön: Leben und schiedsen lassen.
Neue Dimension: Uhren stellen Als ich mit Dana und Holly im Schlepptau das Spiellokal am Samstag betrat, stellte der ML gewissenhaft die digitalen Uhren ein – ein Hoch auf die Bonussekunden! Ich freue mich schon auf die Saison 2015/16. Im Zuge der Abschaffung von handelsüblichen Batterien muss dann jede Heimmannschaft zusätzlich acht vereidigte Hilfsschiedsrichter mit je zwei Stoppuhren ausstatten, die sekundengenau über den Verbrauch der Bedenk- und Bonuszeit wachen und auf Anfrage des Hauptschiedsrichters durch das Heben des linken oder rechten Armes die Zeitüberschreitung signalisieren. Im Zuge dessen habe ich – hier kann vielleicht Bummi aufklären!? – eine kleine Diskussion über eine Zeitüberschreitung in Bundrock-Babrikowski mitbekommen. Näheres kann ich leider nicht berichten. Wenn es einen Blättchenfall gegeben haben mag, hat es aber definitiv nicht "klick" und nach Lage der Dinge auch nicht "zoom" gemacht.
Jenapharm - USC: Hoffmann, Middelhoff Während Jenapharm gegen den USC die Klingen kreuzte, hatten wir es am Samstag mit den Schachfreunden von Schott Jena zu tun. Im Nachhinein betrachtet ist es mir gleichfalls schleierhaft wie beeindruckend vorgekommen, wie wir die zwei Punkte abgegeben haben. War ich vor dem Kampf doch relativ zuversichtlich, so musste ich danach festhalten, dass die Gäste einfach eine geschlossene Mannschaftsleistung abgeliefert hatten – jenseits von irgendwelchen Wertzahlen. Alles begann mit einem unspektakulären ML-Remis an Brett 8, zu welchem ich keine weiteren Angaben machen kann. Es folgte das freundschaftliche Wiedersehen an Haralds Brett, welches in einem gerechten Dauerschach endete. Harald hatte die passive Aufstellung seines Gegenüber als Einladung zum Angriff verstanden "... der Harald hat gedacht, er kann mich einfach vom Brett fegen". Leider übersah Harald ein Schach gefolgt von der Zentrumsöffnung e6-e5. Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, opferte Schwarz eine Qualität, um ewiges Schach zu geben.
Dana vs. Sir Tobi und den Sd3 Simon hatte sich diverser Remisgebote zu erwehren, zeigte sich aber standhaft (Lob!), ehe seine leichte Initiative versandete, 1,5:1,5. Ich konnte mir in einem D+T+S-Endspiel aufgrund seines deplatzierten Se8 einen minimalen Vorteil erarbeiten. Hätte ich De7 durch Tc4 ersetzt, hätte ich den Druck u. U. noch verstärken können. Drei Züge später war das Dauerschach schon am Ende des Horizonts zu erkennen. Glücklicherweise fuhr Dana in einem Doppelturmendspiel den Sieg nach Hause, nachdem sie mit Tobias die Frage nach der schlechteren Bauernstruktur nicht abschließend klären konnte. Ausgangs der Eröffnung fanden wir in der Analyse das ulkige 0-0-0!, nach welchem der Sd3 für - zumindest eine gefühlte Ewigkeit - auf d3 installiert worden wäre. Weiß gelang es in der Analyse auch nach mehreren Versuchen nicht (überzeugend), sich freizukämpfen. Alle Angaben wie immer ohne die Fritz-Gewähr.
Peter vs. Holly: Die vierte Null Dann musste Holly die Segel streichen. Nachdem er nach dem besten Weg zum Sieg grübelte, verlor er viel Zeit - immer diese Perfektionisten - er ärgerte sich, suchte weiter nach dem Gewinn und verlor noch mehr Zeit. In der abendlichen Analyse entkorkten wir noch das hübsche Td4 (statt Sd4+ glaub ich). Zu diesem Zeitpunkt ist aber schon Weiß am Drücker. Der Rest ist Schweigen. Pauline war vom ML zum Weiterspielen animiert worden, während Christian schon die ganze Partie über einem Wolga-Minusbauern hinterherjagte. Leider ließ die dafür übliche Kompensation etwas zu wünschen übrig, wenig später setzte Werner Albrecht auch noch zum Mattangriff an. Pauline wich - in einer Hier-ist-halt-nicht-mehr-drin-als-Remis-Stellung der Zugwiederholung mannschaftsdienlich aus und opferte sich - ihrem Gegner. Damit waren jegliche 4:4-Spekulationen ad absurdum geführt, weshalb wir - das gab die Stellung einfach nicht her - Christian erlösten und unsere Niederlage quasi selbst besiegelten.
Der Marathon: Sascha vs. Bummi Glückwunsch an Schott, denen ich als nächtliches Glühwürmchen den Weg zum "Schrägen" nach Großzöberitz ebnete. Eine symphatische Mannschaft! Im anderen Duell konnte Starstürmer Michael Gladilow am Spitzenbrett sein Tempo aus der ersten Runde aufnehmen und Stefan Neidig besiegen. Bummi musste beim Stand von 4:3 für Jena auch noch im Turmendspiel auf diverse Gewinnversuche des mit Mehrbauern ausgestatteten Sascha Darr antworten, konnte die knappe Niederlage aber nicht mehr verhindern.

Milder November Jetzt hieß es natürlich, am Sonntag Zählbares holen, um den Pessimisten nicht unnötig Stoff zu liefern. Unseren ML liehen wir an unsere 2. Mannschaft aus, dafür holten wir Yogi ins Boot. Dieser fühlte sich (in seiner Stellung) offenkundig pudelwohl und konnte seit 14 sieglosen Spielen in der Oberliga überzeugend den ersten vollen Punkt auf unser Konto buchen. Schnell tauschte sein Gegner den Fianchettoläufer vom Brett und hinterließ eine schwarzfeldrige Bretterbude. So schnell wie er kam - der Yogi - war er auch schon wieder verschwunden. Er kam, sah, siegte und ging einfach wieder. Sein Punkt brachte uns die nötige Sicherheit.
Pauli, Simon Pauline machte es völlig richtig, als sie sich nach dem Theorieabgleich mit ihrem Gegner für das Dauerschach und gegen sonstige Eventualitäten entschied. Solide! Als sich Simon "weiserweise" zum Erkunden fremder Caro-Kann-Gewässer aufmachte und mit einer interessanten Idee (samt Ausführung) den weißen König in der Brettmitte festnagelte, war der zweite volle Punkt nur noch eine Frage der Zeit. Das Turmendspiel mit zwei verbundenen Freibauern wurde aber noch bis zuletzt ausgespielt. Auch Dana war in Spiellaune, was ich einem abschlägig beschiedenen Remisgebot entnahm. Wenig später sah sie sich einer Dame und diverser Bauern am Königsflügel ausgesetzt. Sie bemühte sich, mittels Läufer und Turm und ihrer Bauern eine Art Festung zu bauen, die auch nach Verlegen des Brettes auf die Schattenseite des Raumes nicht zum Einstürzen gebracht werden konnte.
Christian, Harald Holly triefte wieder geraume Zeit vor sich hin – er kam sowohl Samstag als auch Sonntag in den Genuss der Bonuszeit – diesmal aber von Erfolg gekrönt. Er gewann einen Bauern und hatte die Stellung jederzeit im Griff. Der Einsteller am Schluss zeigt, dass zuviel Schach am Wochenende einfach ungesund ist. Als auch noch Christian sein schlechteres Leichtfigurenendspiel zusammenhalten konnte, hatten wir bereits die nötigen 4,5 Punkte beisammen. Bei Letzterem muss ich unbedingt mal in die Eröffnungsschule gehen - nix für ungut! Der Weißaufschlag, Kinder!? Meine Caro-Kann-Partie entwickelte sich in ruhigen Bahnen. Sein Springer führte 7 der ersten 13 Züge aus, dafür zog ich meine Dame ein paar Mal hin und her, bis sie im Abseits auf weitere Anweisungen wartete. Nach einem Damentausch hätte es mal unangenehm für mich werden können, jedoch zog es Cornelius vor, eine Qualität zu opfern, wonach nicht mehr viel los war. Meine Mehrqualle verhinderte das weitere Vorankommen seines vorgerückten Bauern auf d6. Weil wir bereits im Soll waren, gab ich Remis.
Brain Spannend war die Endspielphase in Haralds Partie, welche nun noch als letzte lief. Nachdem Franz ins Bauernendspiel abgewickelt hatte, sah er wegen zweier möglicher entfernter Freibauern schon wie der sichere Sieger aus. Doch Haralds Streitmacht war auch nicht ohne. Die Aktivierung seines Königs bescherte ihm ebenfalls eine neue Dame. Außerdem hatte er noch einen weit vorgerückten Freibauern "übrig". Sein König konnte sich gut im gegnerischen Lager verstecken und wenig später lief der Bauer zur zweiten Dame - schöne Leistung!
USC-Stürmer M. Gladilow punktet gegen St. Neidig Somit erspielten wir uns durch Zähigkeit einen vielleicht etwas zu hohen 6:2-Sieg und können nun beruhigt(er) nach Halle fahren. Im Parallelmatch setzte der SV Schott Jena noch einen drauf und fuhr den dritten Sieg im dritten Spiel ein, das 6:2 ist trotz allem beachtlich. An Brett 3 mühten sich die Spieler - in einer total ausgeglichenen Stellung - über den 20. Zug hinaus, ehe sie das Remis vereinbarten. Wie mir Finn nach der Partie mitteilte, war er mit Uwe uneins darüber, ob sie im Falle eines Kurzremis der kürzlich eingeführten Bundesligaregelung in Form einer 300-Strafe ausgesetzt sein würden - nicht gerade ein Taschengeld! Diese Strafandrohung dient wohl allein dazu, dem Zuschauer möglichst viel Unterhaltung zu bieten. Außerdem haben sich diese Schachprofis aus der Oberliga gefälligst anzustrengen, Freizeit haben sie schließlich mehr als genug! Bleibt abzuwarten, wie viele Rahmenbedingungen sich noch von der Bundesliga auf die Oberliga vererben. Zu den Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einfach Ihren Arzt oder einen Schiedsrichter Ihres Vertrauens!

Brain

  SV Schott Jena SG 1871 Löberitz 4,5:3,5
1 Hellwig, Tobias WGM Reizniece, Dana 0-1
2 Babrikowski, Peter Pröhl, Holger 1-0
3 Riedel, Finn Schuster, Martin ½
4 Werner, Albrecht Schindler, Christian ½
5 Brömel, Richard FM Matthey, Harald ½
6 Richter, Jan Mertens, Pauline 1-0
7 Viehweg, Dr. Klaus Spreng, Simon ½
8 Schmidt, Lothar Schäfer, Reyk ½
  SG 1871 Löberitz SV Jenapharm Jena 6:2
1 WGM Reizniece, Dana Neidig, Stefan ½
2 Pröhl, Holger Darr, Sascha 1-0
3 Schuster, Martin Middelhoff, Cornelius ½
4 Schindler, Christian Zipfel, Frank ½
5 FM Matthey, Harald Bräuer, Franz 1-0
6 Mertens, Pauline Kloss, Thomas ½
7 Spreng, Simon Mucha, Annegret 1-0
8 Bilawer, Andreas Rauhut, Dr. Frank 1-0

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