8. Oberliga-Spieltag: Merseburger SV - SG 1871 Löberitz

Zu früh Mit der Info, ausnahmsweise nicht die "Mampfe" aufsuchen zu müssen, trudelten wir gegen 9.45 Uhr allesamt vor der Oelgrube - dem anberaumten Spiellokal - ein. Alle? Zumindest wir waren vollständig. Als klar wurde, dass das biblische "Klopfet an, so wird euch aufgetan" in Merseburg nicht gilt, wurde ML Honk alias Tobias Richter in rege Betriebsamkeit versetzt. Zunächst versuchte er, jemanden zu organisieren, der uns öffnen sollte, doch leider ohne Erfolg. Die Uhr schlug 10, Konrad spazierte eifrig durch die Innenstadt, als Schiri Dan-Peter Poetke am vermeintlichen Spiellokal auftauchte. Wir bekamen mit, dass die Option Mampfe nun doch wieder ins Gespräch kam - eigentlich aber doch nicht, schließlich wollten die Betreiber gegen 14.00 Uhr schließen. Das Stichwort "Hängepartien" fiel.
Nach Dürrenberg zu Dirk? Glücklicherweise hatte ich - das war meine Motivation für die Mannschaft - VOR alledem bei der Begrüßung im Falle eines Sieges einen Bericht in Aussicht gestellt. Zum Glück, denn sonst hätte man doch zumindest unterstellt, wenn nicht gar behauptet, ich hätte das Berichtschreiben nur wegen der besonderen Umstände vor Spielbeginn in harscher Reportermanier an mich gerissen. Dem war freilich nicht so! Aber wie gesagt, nur im Falle eines Sieges würde dem Homepagemann die übliche Frage erspart! Kurze Zeit später änderte sich das Spiellokal also doch wieder in Mampfe; es sollte versucht werden, die Betreiber milde zu stimmen, eine außerordentliche Situation erfordert eben außergewöhnlich viel Einsehen. Man kann doch die Klötzchenschieber nicht im Kalten stehen lassen!
Der Schein ... So ging es im Autokorso von der O (siehe o.) zur M, was auch nicht viel weiter war als die zwei Buchstaben, die sie im Alphabet trennt. Wieselflink waren Tische, Bretter, Uhren und der Spielbericht vorbereitet, um gegen 10.20 Uhr mit 20 min Zeitvorteil doch noch in den Sonntag zu starten. Beim Gastgeber fehlten Biedi und Lars-Peter, wir spielten ohne Simon und mit insgesamt nur 8 Damen. Für uns war es an der Zeit, wieder mal zu punkten, um die ohnehin nicht allzu prickelnde Saison nicht anbrennen zu lassen - wer mag schon den Abstiegsstrudel. Die Nervosität schien sich direkt auf die Bretter zu übertragen, Holly meinte, dass an den meisten Brettern die Stellungseinschätzung während der Partie nichts mit dem Partieergebnis gemein hatte. Doch der Reihe nach.
... trügt! Der Kampf begann, wie er enden sollte: mit einem Remisangebot! Man stellte Hollys Gewinnambitionen in Frage - dabei war ein unglaublich scharfer Abtauschfranzose keineswegs die Friedensofferte - Holly war sich seiner Verantwortung in diesem Spiel wohl bewusst, doch dazu später mehr. Yogi und Riker kamen gut aus der Eröffnung, Konrad und FM Harald standen eher schlechter, bei Mikly war noch nichts passiert.
Nachdem Kirk trotz Zeitminus zu überlegen begann, war mir klar, dass nicht 1.e4 kommen würde. Aber keine Angst, ich hatte mir nicht allzu viel angesehen. Nach wenigen Zügen hatte ich m.E. ausgeglichen, ehe er mir - ich hatte 1:40 es geahnt - einen Bauern feilbot, um schnellstmöglich einen Angriff zu initiieren. Wenig später gab er einen zweiten, um die g-Linie gegen meinen König zu öffnen. "Na prima", dachte ich, "jetzt habe ich genau die Stellung, die ich gegen ihn vermeiden wollte". Es folgte ein Remisgebot. Ich war verwirrt. Nach kurzer Absprache mit der Nr.1 entschied ich mich für Weiterspielen, obgleich ich mich nicht wohl in der Stellung fühlte. Ich schaute in die Runde und sah, dass bei Konrad nicht viel passiert war, Riker eines Bauern verlustig ging, es bei Mikly auf f7 einschlug, Yogi immer noch nicht gewonnen hatte;-) und dass bei FM Harald vs. Honk alles passieren konnte.
Die weite Reise aus Burg Links und rechts von mir zwei leicht bessere Stellungen. Nun überschlugen sich die Dinge: Zunächst musste Riker die Waffen strecken, erst war der f2 futsch und als die Dame dann auch noch diagonalisierte, da war es um den weißen Monarchen geschehen 0-1. Ich weiß nicht ganz genau, ob ich es richtig wiedergebe, aber FM Harald hat wohl ein Doppelschach gegeben, woraufhin Honk nur eines abwehrte - jedenfalls wurde mal kurz die Uhr zurückgedrückt, da ja Doppelschach war. Dabei gewann Harald die Dame, die Materialverteilung änderte sich kurze Zeit später aber in Dame vs. Turm+Läufer, also noch keine Entwarnung. Yogi ließ - wie wir in der Analyse feststellten - den Gewinn aus und verlor wenig später, sehr schade! Konrad hatte aber inzwischen gesiegt, Marcus war etwas unachtsam mit seinem Material umgegangen und vergriff sich dann zu allem Übel auch noch.
Grimmiger roter Riese Ich hatte scheinbar alles richtig gemacht, denn von Kirks Angriff war nicht viel zu sehen, obwohl seine Mannen bedrohlich nahe kamen. Im entscheidenden Augenblick sah ich dann aber Gespenster und gab die Figur zurück, da ich seine schlechte Figurenkonstellation ausnutzen wollte. Dummerweise kam mir ein weiterer Zug in den Sinn - dummerweise! Nachdem ich meinen Plan kurz zurückstellte, um mit c5 eine völlige Gurke zu entkorken, sah ich Lxe6, der auch nicht lange auf sich warten ließ - Schluss, Aus, Ende! Ich hatte mich selbst umgebracht und meine Mannschaft brauchte doch jeden halben Punkt! Harald behielt jedoch die Übersicht und markierte den Anschlusstreffer zum 2:3.
Scharfer Abtausch-Franzose: Holly Normi agierte sehr souverän, tauschte hier und da etwas ab, gab ein Tempo, um seine Bauernkette nicht schwächen zu müssen und belagerte Dirks d6, was ihm ein solides Stellungsplus garantierte. Plötzlich fiel dieser Normi in die Hände und nach der Aktivierung der weißen Streitkräfte waren zwei Mehrbauern auf der Habenseite zu verbuchen. Das Turmendspiel wurde noch ein wenig geübt (vielleicht auch wegen des Spielstandes), aber zwei verbundene sind dann doch zuviel - ein schnörkelloser Sieg Normis, der seine gute Form mit einem weiteren vollen Punkt unterstreicht 3-3.
Viel los bei Harald und Yogi Nun lag es an Holly und Mikly. Holly hatte einen Bauern mehr, bei Mikly (ich habe keine Ahnung, wer dort wann besser stand) war die einstige Mehrfigur plötzlich verschwunden und man befand sich in einem Damenendspiel mit je 5 Bauern. Holly hatte eigenen Aussagen zufolge einiges an Manövern aufbringen müssen, um gleiche Stellungen mit wechselndem Zugrecht zu konstruieren. Präsidialer Steinfall Thomas fühlte sich dann verpflichtet "irgendwas" zu machen. Nach und nach verschlechterte er damit seine Stellung und Hollys Vorteil wuchs. Nach schwarzem g5 war der h6 plötzlich undeckbar, im 40.Zug überschritt Thomas Grieger dann die Zeit, die elektronische Uhr war schon auf 1 h umgesprungen. Nun war Thomas Hartung gezwungen, das nahezu totremise Damenendspiel nach Gewinnmöglichkeiten zu durchforsten.
Gespenster gesehen: Brain Dies nahm noch ein gutes Stündchen in Anspruch, ehe Mikly eine Dauerschach-Drohung erspähte, welches Thomas nur mit Damentausch oder weiteren Vereinfachungen verhindern konnte – es war vollbracht, ein hart erkämpfter 4,5-Sieg ließ nicht nur unserem Präsidenten einige Steine vom Herzen fallen. Für Merseburg wird es jetzt freilich ganz schwer – doch wenn sie absteigen sollten, haben sie definitiv mehr Spuren hinterlassen als nur den sprichwörtlich zertrampelten Rasen.

Ciao, Brain

P.S. Ich glaube, Höhne-Blitz ist am 13.9., Spiellokal ist vermutlich die M oder die O.

  SV Merseburg SG 1871 Löberitz 3,5:4,5
1 Grieger, Thomas Pröhl, Holger 0-1
2 Hettstedt, Jörg Schuster, Martin 1-0
3 Wildenrath, Dirk Schütze, Norman 0-1
4 Richter, Tobias FM Matthey, Harald 0-1
5 Weber, Matthias Bilawer, Andreas 1-0
6 Hartung, Thomas Klyszcz, Michael ½
7 Maedel, Katja Schäfer, Reyk 1-0
8 Grieger, Marcus Reiß, Konrad 0-1

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