Oberliga: Löberitz empfängt Dresden

Mit der Schachgemeinschaft 1871 Löberitz und dem Dresdener Schachclub von 1898 trafen zwei Schachvereine aus den Jugendjahren des Deutschen Schachbundes aufeinander

Ein Blick in die Vergangenheit

Ganz so weit bis in die Anfangszeiten des Deutschen Schachbundes soll der Blick nicht schweifen, doch einige Jahrzehnte sollen die Unterschiedlichkeit beider Kontrahenten hervorheben.
In tiefster DDR-Zeit war die Oberliga beim Schach die zweithöchste Spielkasse. Darüber gab es lediglich noch die Sonderliga mit nur vier Mannschaften. Da spielten dann die teilnehmenden Vereine an einem Wochenende gleich vier Spiele im halben Scheveninger System. Absteiger aus diesem exklusiven Club der Leistungsstützpunkte gab es praktisch nicht. Über viele Jahre spielten vor allem die SG Leipzig (zwischendurch BK) mit GM Wolfgang Pietzsch und später dann mit GM Rainer Knaak und GM Lothar Vogt sowie dem damals jungen DDR-Meister Schöneberg und Buna Halle (später Buna Halle-Neustadt) mit GM Dr. Burkhard Malich, sowie dem zu dieser Zeit noch mit jugendlicher Kraft agierenden Löberitzer Ehrenmitglied IM Heinz Liebert und IM Arthur Hennings um den Meistertitel. Eine Besonderheit gab es auch noch. In allen Mannschaften musste wegen der gezielten Nachwuchsförderung ein Jugendlicher mitspielen. In diesem Genuss kamen auf Seite von Halle z. B. der spätere Großmeister und jetzige Bundestrainer Uwe Bönsch, aber auch unser passives Vereinsmitglied Jürgen Luther. Auch an die Frauenförderung wurde gedacht, denn hier bestand eine ähnliche Regelung.
Um Platz 3 stritten sich – mit wenigen Ausnahmen – jedes Jahr AdW Berlin mit IM Reinhard Fuchs, IM Lothar Zinn und die beiden Fernschachkapazitäten Horst Rittner und Fritz Baumbach sowie die Mannschaft Post Dresden mit vielen namenlosen Schachspielern aber auch mit der schillernsten Figur des DDR-Schachs überhaupt: Großmeister Wolfgang Uhlmann!
Später spielte dann die Sonderliga auch mit 8 Mannschaften und auch der Auf- und Abstieg war geregelt. Von da an wurde meist nur noch an den Wochenenden in Doppelrunden gespielt. Irgendwann wurde die Sonderliga dann ganz abgeschafft und da war dann die Oberliga die höchste Spielklasse. Natürlich war damals auch Dresden wieder mit dabei. Unterbau für die damals höchste Spielklasse waren dann die Staffeln der DDR-Ligen, zum Beispiel mit der jetzt nicht mehr existierenden Mannschaft von WBK 67 Halle-Neustadt oder Lok Merseburg und Chemie Lützkendorf. Doch zurück zur Oberliga und zu Dresden.
Heutzutage ist die Oberliga nicht mehr die stärkste Liga, denn mit der 1. und 2. Bundesliga bestimmen zum Teil große Summen und damit verpflichtete Großmeister aus allen Ländern das Geschehen. Diese Ligen machen im Prinzip mit einigen Ausnahmen einen großen Bogen um die fünf neuen Bundesländer. Schon aus diesem Grund hat in unserer Region die Oberliga eine wichtige Bedeutung als stärkste (Amateur-) Liga. Wer da mitspielt, kann mit Fug und Recht stolz sein.
Wir Löberitzer gehören nun seit einigen Monaten dazu und bisher hatten unsere Gegner wie Rochade Magdeburg oder der Naumburger SV die gleiche Kragenweite wie wir. Bei dem USV Halle, einem der damaligen DDR-Leistungszentren und stärksten Verein des Bezirkes Halle, war das schon etwas anders.

Die "Mutter aller Schlachten"

Löberitz vs. Dresden Dem Dresdener Schachclub, der ja in den ersten Jahren nach der politischen Wende auch schon in der 1. Bundesliga antrat, muss noch ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Und da war natürlich auch noch einer, auf den alle warteten: Wolfgang Uhlmann.
Für Löberitz war das Spiel gegen die Dresdener natürlich eine Ehre und der Kampf selbst die "Mutter aller Schlachten".
Obwohl die Elbflorenzer ohne ihr großes Idol, die lebende Schachlegende Wolfgang Uhlmann, nach Löberitz kamen, waren sie doch an fast allen Brettern nominell besser besetzt. Doch auch Löberitz musste auf Großmeisterin Dana Reizniece und Simon Spreng verzichten.
Leider gab es auf der Gastgeberseite gleich zu Beginn einige Schwierigkeiten auf den Brettern 5 und 6, die im Laufe des Wettkampfes nicht mehr behoben werden konnten.
Als klarer Favorit wollte die Gastmannschaft unbedingt gewinnen, wovon das Löberitzer Spitzenbrett Holger Pröhl mit einem vollen Punkt profitierte, nachdem sein Remisangebot abgelehnt wurde. Sehr sicher spielte FIDE-Meister Harald Matthey, der mit seinem Sieg über das Jungtalent Falko Bindrich endlich im Team angekommen zu sein scheint. Martin Schuster am 3. Brett hatte sich eines seiner geliebten Endspiele auserkoren und einen vollen Punkt im sicheren und bekannten Fahrwasser nach Hause gebracht. Unsere Spitzenbretter sind halt wirkliche Spitzenbretter!
Remis an Brett vier. Nach Überlegung und mit einigen Reserven in der Hinterhand, willigte Norman Schütze im Dienst der Mannschaft in das Angebot seines Gegenübers ein. Während Andreas Bilawer in eine Eröffnungsfalle tappte, stellte sich Michael Klyszcz mit einem ungenauen Zug seine Falle selbst. Niederlagen waren bei beiden nicht zu umgehen. Wechselhaft ging es bei beiden Reservisten zu. Reyk Schäfer hatte natürlich seinen Schwarznachteil auszugleichen und stand zwischenzeitlich etwas angespannt, doch der Gegner hatte sich selbst ein Zeitnotproblem beschert, dem er mit seinem Remisangebot entweichen konnte. Anders lief es am Brett 8, denn da stand Konrad Reiß trotz schlechten Läufers etwas besser. Sollte dort gewonnen werden, so hätte allerdings ein hohes Risiko eingegangen werden müssen. Der Spielstand rechtfertigte das nicht und so bot sich eine Schaukel zum friedfertigen Ausklingen der Partie an. Nach Wettkampfschluss konnte man resümieren: Alles richtig gemacht!
Trotz des harten Kampfes verlief der Wettkampf in freundschaftlicher Atmosphäre. Sicherlich auch durch das Zutun unseres Geschäftsführers Uwe Bombien, der sich als umsichtiger Küchenmeister empfahl.
Kleiner Einwurf zum Schluss: Der ruhige Schiedsrichter aus Leipzig kannte Löberitz bisher überhaupt nicht. Vielleicht hat er dazu gelernt. Doch leider werden Löberitz wie auch Liebschwitz in der Oberligatabelle nur lieblos als Ort und nicht mit ihrem richtigen Namen geführt und dabei ist doch unser Name auch gleichzeitig unser Programm. Er verweist auf eine lange Tradition und auf ein gemeinsames Ziel. Für die Mannen der Schachgemeinschaft 1871 Löberitz um ihren Mannschaftsleiter Reyk Schäfer sollten so auch in Zukunft noch einige ähnliche Ergebnisse möglich sein. Wünschen wir ihnen maximale Kampferfolge.

Konrad Reiß

  SG 1871 Löberitz Dresdner SC I 4,5:3,5
1 Pröhl, Holger FM Seifert, Volker 1-0
2 FM Matthey, Harald FM Bindrich, Falko 1-0
3 Schuster, Martin FM Eichner, Sebastian 1-0
4 Schütze, Norman Loxine, Jacob ½
5 Bilawer, Andreas FM Wichmann, Cliff 0-1
6 Klyszcz, Michael Apanaviciute, Kristina 0-1
7 Schäfer, Reyk Jordan, Dr. Dirk ½
8 Reiß, Konrad Salzmann, Peter ½

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