Goemann, J. (2160) - Enders, P. (2495)
Soemmerda, 2001

nach Angaben von Jens Goemann


1.c4 e5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.Sc3 Sc6 5.Sf3 f5 6.O-O Sf6 7.d3 O-O 8.Tb1 h6 9.b4 d6 10.b5 Se7 11.a4 Kh8? verliert wertvolle Zeit - das normale ...Kh7 war jedenfalls vorzuziehen. 12.La3 Le6 13.c5! Kh7 moeglicherweise war urspruenglich
[13...d5 geplant mit der taktischen Idee, mittels ...d4 den Sc3 zu fangen. In vielen Abspielen erweist sich nun allerdings die Koengisstellung auf h8 alsnachteilig. 14.c6!
(14.Sxe5? die Reihenfolge der Motive ist durchaus von Belang. Nach diesem naheliegenden Zug haette Schwarz eine interessante Riposte. Sfg8! und ploetzlich haengen beide weissen Springer! (14...d4? faengt keineswegs den Springer! 15.c6!) 15.d4 Lxe5 16.dxe5 d4 17.Lxb7 Tb8)
14...bxc6
(14...d4 15.cxb7 Tb8 16.Lxe7 Dxe7 17.Sxe5 der Unterschied zu obiger Variante: durch die Turmstellung auf b8 hat Weiss eine zusaetzliche Drohung, die letztendlich das Feld d5 fuer denSc3freikaempft. De8 18.Lc6)
15.Lxe7 Dxe7 16.Sxe5 und wiederum hat Schwarz keine Zeit, den Sc3 zu kassieren.]
14.Dc2 Sed5 15.Sd2 Tf7 16.Sxd5 Sxd5 17.e4 fxe4 18.Sxe4 Lf8 19.Tbc1 b6 20.cxd6 cxd6 21.Dd2 a6 22.Tc6 Td7 23.Dc1 axb5 24.axb5 Tb8 25.Db2 Lf5 26.Db3 Sf6 27.Tfc1 Mit Remisgebot in leicht vorteilhafter Stellung. Die Aussichtslosigkeit des Ansinnens verdeutlichen wohl am besten Joerg Hickls Kommentare zu seiner entscheidenden Letztrundenpartie gegen Peter Enders bei der DEM Bremen 1998, die Enders lange Zeit anfuehrte: "Hier bot ich Peter Remis an, doch ein erhobener Zeigefinger und ein zackiges 'Noe, noe!' brachten mich auf den Boden der Tatsachen zurueck. Ich stand nur leicht besser!" (Schach 12/98) Enders setzte damit einen sicheren Geldpreis auf's Spiel und verlor am Ende, Hickl wurde Deutscher Meister. Se8 28.h3 h5 29.T1c2 Lh6 30.Lc1?! vielleicht der Knackpunkt - der Laeufertausch nimmt einiges vom Druck gegen d6.
[30.Dd5 beraubt Schwarz saemtlicher aktiver Moeglichkeiten. Ziel ist weniger die sofortige Eroberung des Bd6 (von dem man momentan noch die Finger lassen sollte), als vielmehr die Bindung der schwarzen Figuren. Jens nahm wohl wegen Sc7? davon Abstand. Allerdings ist darauf das Qualitaetsopfer 31.Txc7 Txc7 32.Txc7+ Dxc7 33.Lxd6 Dc1+ 34.Kh2 Td8 35.Df7+ Lg7 36.Lxe5 Td7 37.Sf6+ Kh6 38.Dg8 entscheidend]
30...Lxc1 31.Txc1 h4 32.Sd2? fuerchtet zu Unrecht den Tausch auf e4, der strukturell eher Weiss beguenstigt. 32.g4 war strategisch erzwungen und gut. hxg3 33.fxg3 Dg5 34.Sf1 Sg7 35.Kh2 Tbd8 36.Tc8 Se6 37.Txd8 Dxd8 38.Ta1 d5 39.Se3 Sc5 40.Da2 Le6 41.De2 Sb3 42.Tb1 Sd4 43.Dd2 Df8 44.Te1 Lxh3! davon ueberrascht, gab Weiss sofort auf. wohl etwas zu frueh, denn der schwarze Vorteil haelt sich nach 45.Tf1 immer noch in Grenzen.
[44...Lxh3 45.Tf1
(45.Lxd5 Txd5 46.Kxh3 Sf3)
45...Lf5 46.Sxd5]


0-1

Schwenke, V. (1332) - Petersen, W. (2061)
Soemmerda, 2001

Reyk Schaefer


Zum Auftakt gelang Vincent Schwenke die Beinahe-Sensation gegen einen schier uebermaechtigen Gegner. Zwischenzeitlich stand der Kleine glatt auf Gewinn... 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sf3 e6 5.Sc3 Sd7 6.Le2 f6 7.Lf4 Se7 8.O-O Sg6 9.Lg3 fxe5 10.dxe5 Dc7 11.Te1 Lb4 12.a3 von Vincent selbst im Anschluss kritisiert. Lxc3 13.bxc3 O-O 14.h3!? mit der beachtlichen positionellen Idee Ld3, wobei zunaechst ...Lg4 ausgeschlossen werden soll. Ld3 ist auch sofort spielbar, aber die prophylaktische Herangehensweise ist in diesem Alter bemerkenswert. Sgxe5?? Schwer nachvollziehbar, was Schwarz bewogen haben mag, diesen offensichtlich vergifteten Bauern zu nehmen. Oder war es doch Unterschaetzung des Gegners? 15.Sxe5 Sxe5 16.Lh5? richtige Abzugsidee, aber nicht das gluecklichste Feld. Weiss hat drei klare Wege, die Figur abzuholen:
[16.Dd4 ist am einfachsten, weil saemtliche Le4-Ideen aus der Stellung genommen werden. Schwarz kann getrost aufgeben.]
[16.Ld3]
[16.Lg4 wenn der Laeufer abzieht, sollte er dabei das Feld f5 im Auge behalten, um die Ressource ...Tf5 zu vermeiden. Le4 17.Dd4]
16...Le4 17.f3? schade, nun wird der so wichtige Lg3 entwurzelt.
[17.Dd4 Tf5 18.Lg4 und Schwarz hat bereits die Ausrede c5]
17...Sxf3+ 18.Lxf3 Dxg3 19.Lxe4 dxe4 20.Txe4 Tf2 21.Dg4 Txg2+ mit einem blauen Auge davongekommen...

0-1

Khaminik, M. (2224) - Michael, D. (2034)
Soemmerda, 2001

nach Angaben von Dirk Michael


1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 Se4 6.e3 f5 7.Dh5+ g6 8.Dh6 Df6
[8...d6 9.f3 Sf6 10.e4 e5 11.Lg5 De7 12.Ld3 Tf8 13.Se2 Df7 14.Dh4 fxe4 15.fxe4 Sg4 16.h3 Df2+ 17.Kd2 Dxh4 18.Lxh4 Sf2 19.Thf1 Sxd3 20.Txf8+ Kxf8 21.Kxd3 Le6 mit spaeterem Remis in Botwinnik-Tal, WM Moskau 1960]
9.Se2 b6 10.h4 Sc6 11.h5 g5 12.Dxf6 Sxf6 13.e4? zu optimistisch Sxe4 14.f3 Sd6 15.Lxg5 Tg8 16.Lf4 Sxc4 17.Lxc7? Dirks Gegner kommentierte seinen Lapsus anschliessend so: "Zwei Runden an einem Tag sind zuviel fuer mich. Dabei standest du in der Eroeffnung so schlecht." Dirk, der bereits nach seinem Erstrundensieg harsche Kritik seines Gegenueber einstecken musste ("Viel hast du nicht gezeigt!"), hatte deshalb wohl allen Grund, mir sein Leid zu klagen: "Ich habe noch nie durch ueberzeugendes Spiel gewonnen, immer nur durch die Indisponiertheit meiner Gegner." Schade, dass das nicht von ihm ist, sondern vom Englaender James Mason (19. Jh.). Wohl aber duerfte der folgende Spruch original sein, der Khaminiks Eroeffnungseinschaetzung mit leichter Hand widerlegte: "Ich habe mir Fischers Partien angeschaut und dabei festgestellt, dass man nicht schlecht steht, nur weil man o p t i s c h schlecht steht!" d6 18.Sf4 S6a5 19.Ld3 Tg7 20.d5 e5 21.Se6 Lxe6 22.dxe6 f4 23.h6 Txc7 24.Th5 Se3 25.Kf2 Sb3 26.Tah1 Sc5 27.Tg5 Sxd3+ 28.Ke2 Txc3 29.Tg8+ Ke7 30.Txa8 Sc5 31.Txa7+ Kxe6 32.Td1 Sxd1 33.Kxd1 Sd7 34.Kd2 Tc8 35.Kd3 Tg8 36.Kc4 Txg2

0-1

Meinhardt, R. (1816) - Friedrich, K. (1416)
Soemmerda, 2001


Der Hettstedter Nachwuchsspieler hatte seinen nominell staerkeren Gegner klar ueberspielt. Der Versuch, sofort undeckbar Matt zu drohen, endete jedoch... 2...Dd1+ 3.Kh2 Sg3? abgesehen davon, dass die Stellung technisch gewonnen ist, sind die Schachs zuweilen laestig. Eine Idee, die Mattideen mit Damentauschdrohungen zu verbinden, koennte so aussehen:
[3...Dd6+ 4.Kg1 Dd4+ 5.Kh2 De5+ Zentralisierung (das wichtigste Schachfeld h8 wird ueberdeckt) vor dem entscheidenden Springermanoever 6.Kg1 Sg3 jetzt ist auch den Pattmotiven die Spitze genommen. 7.Df8+ Kg5 8.Dd8+ Df6 9.Dd2+ Kh5 10.Dd1+ Kh6 11.Dc1+ g5 12.Db1 Df4 13.Db6+ Kh5 14.Db1 Dc1+]
4.Dh8+ Kg5 5.Dxh4+ ... im Patt!

1/2-1/2