Partien, die ein Matt nicht nur am Horizont, sondern auch auf dem Brett erleben, sind eher selten - meint man. Vielleicht gibt es ja nach Linares eine gegenläufige Entwicklung. Hier zwei aktuelle Beispiele aus Dresden:

Andre, G. - Wichmann, C.
Ramada Cup Dresden, 2002


1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.Lg5!? Typisch Flash: schnell aus der Theorie und einfach spielen. Ich glaube, Fischer-Random wuerde ihm liegen. Hauptzug ist hier 4.e3, daneben existieren 4.Da4+ und 4.Sc3. Ohne die ganz fetten Datenbanken gefragt zu haben, wuerde ich behaupten, dass der Textzug nicht zu viele Vorgaenger hat. Se4 5.Lf4 c6 6.g3 Da5+ 7.Sfd2 c3 8.bxc3 Sxc3 9.Sxc3 Dxc3 10.d5 e5 11.Le3 Da5 12.Lg2 cxd5 13.O-O d4 14.Tc1 Dd8 vielleicht der Beginn der Irrungen. Logischer erscheint es, den Laeufer mit dem Turm zu decken (Sd7), was das spaeter entscheidende Motiv aus der Stellung nimmt und auf schnoede Entwicklung setzt. Vermutlich ist diese Stellung aber nicht die ausschlaggebende. 15.Lg5 f6 16.Db3 fxg5?? So definitiv nicht! Hier versuchten wir anschliessend herauszufinden, wie es nach dem weniger materialistischen
[16...Sc6 weitergeht, und blieben immer mal haengen. Recht interessant ist... 17.Sf3 , weil nach dem wiederum zu gierigen fxg5 Weiss tatsaechlich in Vorteil kommt. 18.Txc6! bxc6 19.Sxe5 Df6 20.Lxc6+ Ke7 21.f4 De6
(21...gxf4 22.Txf4 Dxe5 23.Te4)
22.Ld5 Db6 23.Lxa8 Dxb3 24.axb3 Der Rechner ist allerdings gnadenlos mit solchen Ideen und zieht einfach 17...e4. Das weisse Konzept ist objektiv wohl nicht wasserdicht. Dennoch beeindruckend, wie Flash das mehr oder weniger wissentlich in Kauf genommen und in dieser Partie die deutlich vernehmbaren Remisgebote zwischen 4.Lg5 und hier sofort abgelehnt hat.]
17.Txc8! Von nun an kommt Weiss deutlich an's Ruder und haelt den Druck auch ohne Damen aufrecht. Beim immer noch interessanten Finale wird Schwarz schliesslich Opfer seiner Unterentwicklung. Dxc8 18.Lxb7 Dc7 19.Lxa8 Ld6 20.Se4 Le7 21.Tb1 Sd7 22.Ld5 Sb6 23.a4 g6 24.a5 Sc8 25.Le6 Dc6 26.Db5 Dxb5 27.Txb5 Kd8 28.Tb7 Te8 29.Td7#

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Windelband, J. - Buech, D.
Ramada Cup Dresden, 2002


1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 e6 5.Sc3 Sf6 6.Sf3 Le7 7.Ld3 O-O 8.O-O Ld7?! 9.cxd5 Sxd5 10.Lb1 Sc6 11.Dd3 g6 12.a3 Sa5 13.Lh6 Te8 14.Se5 f5 15.La2 Sxc3 16.Dxc3 Tc8 17.De3 Lf6 18.Tfe1 Lb5 Immer wenn Schwarz seine Figuren am Damenfluegel um das Feld c4 schart, droht seinem Koenig Ungemach. So oder aehnlich koennte man in Analogie zu Andre-Windelband, Strausberg 2001 folgern. 19.Sxg6 Bietet vorzuegliche praktische Chancen und koennte auch einer objektiven Pruefung standhalten. Dafuer bedarf es natuerlich eines kompetenten Pruefers. hxg6 20.Lxe6+ Txe6 Danach sollte Weiss risikolos Vorteil haben: gerupfte schwarze Koenigsstellung, und die schwarzen Figuren stehen nicht zu koordiniert. Einzig kritisch ist ...
[20...Kh8 , wonach 21.Lf4 Kg7 22.Lh6+ eine Schaukel ergibt, aber gefuehlsmaessig mehr drin ist. Ideen?]
21.Dxe6+ Kh7 22.Ld2 Lc4 23.Lxa5 b6 24.d5! das sieht staerker aus als ein Computerzug a la 24.De3. So oder so bereitet die Fesselung in der d-Linie Schwarz Probleme. Lxd5 25.De3 bxa5 26.Tad1 Dg8 27.Dxa7+ Df7 28.Dxa5 Lb3 29.Td3 Lc2 30.Td6 Lxb2 31.Db5 Lg7 32.Td7 Df6 33.Tee7 Da1+ 34.Df1 Dxf1+ 35.Kxf1 Tg8 36.f4 Le4 37.g3 Lc6 38.Tc7 Le4 39.Ke2 Kh6 40.a4 g5 41.fxg5+ Kg6 42.h4 Lh8 43.Ke3 Ld5 44.Kf4 Tb8 45.h5+! denn ohne dem stuende Schwarz nach dem aktiven ...Tb8 und eigener Auffassung wieder gut. Der Textzug klaert die Fronten allerdings auch relativ eindeutig. Kxh5 46.Th7+ Kg6 47.Th6#

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Das als erste Partienauswahl. Da der Modus ja von Anfang an auf entschiedene und spannende Partien zwischen etwa gleichstarken Gegner orientiert hat, gäbe es sicher noch einiges mehr zu zeigen. Einsendungen sind wie immer willkommen. Die Austragungsform in Gruppen in Verbindung mit dem urlaubsfreundlichen 5-Runden-Turnier sowie die seitens des DSB gut unterstützte Organisation und breit angelegte Werbung - das sind m. E. die Hauptfaktoren für den großen Erfolg der Amateurmeisterschaften in erster Auflage.
c. r.