Duchrow, S. - Duchrow, O.
7.Bischofroeder Turnier, 1995

Martin Schuster


An dieser Stelle einen schoenen Dank an den Webmaster fuer die Bereitstellung der vorliegenden Partie aus der Datenbank kult.cbh! (das sollte einem schon zu denken geben) ... Ein bisschen Bruderkampf a la "Fackeln im Sturm" darf auch auf der Wono-Seite nicht fehlen. Deshalb fiel meine Wahl just in diesem Moment auf die Partie Duchrow vs. Duchrow (da sieht man mal, dass es Sinn macht, in Datenbanken den Anfangsbuchstaben des Vornamens anzugeben, ansonsten ... gratuliert man noch dem Verlierer)! Dass Familie Duchrow aus vorliegender Partie anlaesslich des 7.Bischofroeder Turniers anno 1995 einen ganzen Zaehler herausholen wuerde, ist auch jedem Nicht-Mathematiker klar, jedoch die Verteilung ... Im Folgenden liefern sich also Sascha=klBvC => kleiner Bruder vom Coach; (es lebe das AKV) und der Coach selbst (von nun an C genannt) ein heisses, abwechslungsreiches, aber faires Duell um Ruhm und Ehre. Viel Vergnuegen! 1.e4 Ich kann es mir bildhaft vorstellen: Nach einem grinsenden Haendeschuetteln beider Brueder verschwand der Bauer von e2 und liess sich - kampfeslustig, die gegnerische Armee in Sichtweite - auf e4 nieder! d5 Das ist klar! Ein Zug wie 1. ... e5 kommt fuer GENERAL C nicht in Frage! Er sucht das schnelle Gefecht ... 2.exd5! ... und muss deshalb auch gleich den Verlust eines "Soldaten" zu konstatieren! Sf6 Jedoch scheint der "Moerder" selbst dem Tod geweiht! 3.d3 Normal ist hier d2-d4, aber sind wir doch mal ehrlich: Was bitte ist bei einem BRUDERKAMPF schon normal. Zurueckhaltung ist manchmal auch ein Rezept! Sxd5 Und alles ist wieder im Lot! 4.Sf3 Lg4 5.Le2 "Rueckendeckung" e6 6.O-O Sc6 7.Ld2 Lc5 8.Sc3 O-O Eine mathematische Betrachtung beschreibt die Stellung aequivalent: Zaehlt man die zurueckgelegten Felder der Figuren, (Springerzug =2 und 0-0 =2) dann steht es jetzt 12:18 aus der Sicht von Weiss. Das heisst nichts anderes, als dass sich Schwarz sehr aktiv aufgestellt hat, waehrend Weiss eine ruhige Kugel schiebt! Schwarz hat schon ausgeglichen. 9.h3 Lh5 10.Sg5 Jetzt kommt Leben in die Bude! Sxc3 11.bxc3 Lxe2
[11...Lg6 wuerde den "kurzzuegigen" weissfeldrigen Laeufer fuer seine Faulheit mit dem Nichtabtausch bestrafen!]
12.Dxe2 h6 13.Se4 Lb6 14.Le3 f5?! Zuege mit ?! erweisen sich beim C im Nachhinein meistens als ziemlich genial. Ausnahmen bestaetigen die Regel.
[14...Dh4 15.Tfe1 Tfe8 16.Tab1 Se7 17.c4 Lxe3 18.Dxe3 b6]
15.Sd2?! Weiss verhaelt sich weiter zu passiv, Angriff=Spiel nach vorn ist sprichwoertlich die beste Verteidigung!
[15.Sc5 nimmt sowohl den b7 als auch den e6 auf's Korn. Lxc5
(15...Dc8 16.f4 Te8 17.Tae1 La5 18.Dd2)
16.Lxc5 Te8 17.d4]
15...Df6 16.c4 f4 Wie gesagt: der C wusste genau, warum er ... f5 gespielt hat. 17.Se4?? Uebersieht die (vom C postwendend auf einem Silbertablett servierte) taktische Feinheit:
[17.Lxb6 axb6 18.Sf3 Ta3 19.Tfe1]
17...Dg6! Mit Taktik bestraft wird! 18.Dd2
[18.Lxb6 f3]
[18.Lxf4 Txf4 19.c5 La5]
18...Se5! Der C glaenzt mit superfeinem Gespuer fuer die Stellung. Warum nicht noch einen Angreifer heranfuehren? Vom Feinsten! 19.Kh1
[19.Lxb6 Sf3+]
19...fxe3 20.fxe3 Viele werden jetzt sagen: Warum muss man sich das jetzt noch anschauen? Beim ersten Nachspielen dieser Partie habe ich mich auch gefragt, wieso diese Partie noch 20 Zuege dauert. Weiss der klBvC nicht, wann man gegen Mr. C aufzugeben hat, oder was? Wenig spaeter bekam ich dann die Antwort ... Tad8?? Da faengt es schon an. Die taktische Drohung Dxe4 ist ja gut, aber der C hat was uebersehen! 21.c5? Der klBvC hat es auch nicht bemerkt, dass er gerade sein "Anschlusstreffer" verpasst hat.
[21.Txf8+ Kxf8
(21...Txf8 22.c5)
22.Db4+ c5
(22...Kg8 23.c5 Sc6 24.Db2 La5 25.Dxb7 stiftet wenigstens allerlei Verwirrung.)
23.Sxc5 Sc6 24.Db5
(24.Sxe6+? Kg8!)
24...Lxc5 25.Dxc5+ Kg8]
21...Txf1+ 22.Txf1 Dxe4! 23.cxb6 axb6 immer noch -+ 24.Dc3 Ich glaube, dass der klBvC gar nicht gemerkt hat, dass diesmal ER eine taktische Falle aufgestellt hat, in der der C mit ... Dxe3?? ... natuerlich prompt hineintappt. Das ist Bruderliebe! Die Tatsache, dass der C hier dem klBvC noch einmal eine Chance zum Mitspielen bietet, zeugt von grossen GEBER-Qualitaeten.
[24...Dd5]
25.Te1! Ups! Dg3?!
[25...Dd4]
26.Txe5
[26.Dxe5 Dxe5 27.Txe5 Ta8 Bietet vielleicht noch Schwindelchancen.]
26...Tf8 27.Te1 Tf2 28.Tg1 Te2 29.Da3? Weiss ist planlos.
[29.Dc4 c6 30.a4 De3 31.c3]
29...Txc2 30.Da8+ Kh7 31.Da3 Das war aber ein kurzer Ausflug. Der klBvC hat wohl gerade erkannt, das nach 31.Dxb7 Dxd3 das eventuelle Dauerschachfeld e4 gedeckt ist. Df2 32.Db3 De2 33.d4 Txa2 Jetzt hat der C wieder alles im Griff. 34.Db1+ Tc2! Herrlich! Der Versuch, mittels Tc1 einen ganzen Turm zu gewinnen scheitert an ... (na, wer hat's gesehen) ... genau: an Dxg2#. Der C ist eben doch Mr. Taktik. 35.Da1 De4 Und waehrend Schwarz das Mattnetz spannt, schaut Weiss gemuetlich zu! 36.Da4 e5 37.Dd7 exd4 38.Da4 c5 39.Db3? Die Steilvorlage, die es dem C ermoeglicht mit ... Tc3 40.Dxb6 Txh3# ... auch noch auf schoene Art und Weise seinen Bruder in die Schranken zu weisen. Ich kann nur noch eines sagen: Es macht immer wieder Freude, C-Partien anzuschauen!

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