Coach - Volz, H.
Willingen, 1999
Martin Schuster


Ich habe es mir natuerlich nicht nehmen lassen, eine weitere interessante Coachpartie unter die Lupe zu nehmen. Diese Partie stammt aus dem Turnier von Willingen 99, (siehe auch Bericht in "News and Stories") in welchem sich der Coach (unter anderem mit dieser Partie) seine erste ELO-Halbzahl erspielte. 1.e4 c5 2.Sf3 a6 3.c3! Coach hat genau die richtige Antwort parat. Er faellt naemlich nicht auf Variante ...
[3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sb3 Lb4 7.Ld3 d5 ... herein.]
3...d5 4.exd5 Sf6? Meines Erachtens eine Eigenkreation, die mir aus dem Skandinavischen (1.e4 d5 2.ed5: Sf6) bekannt vorkommt, hier aber irgendwie gekuenstelt aussieht.
[4...Dxd5 5.d4 Sf6 oder
(5...e6 6.Ld3 Sf6 7.O-O Le7 8.dxc5 Dxc5 9.De2 Sbd7 10.Sbd2)
6.Le2 e6 7.O-O Sc6 8.Le3 cxd4 9.Sxd4 ist laut Theorie empfehlenswert]
5.c4 Coach, so kenn ich dich ja gar nicht, du bist ja doch Materialist!
[5.Da4+ Ld7 6.Db3]
5...e6 6.dxe6 Lxe6 Wahrscheinlich muss man hier sofort d4 spielen, denn sonst wird sich auf diesem Feld frueher oder spaeter eine schwarze Figur einnisten. 7.Le2
[7.d4 cxd4 8.Sxd4 Lb4+ 9.Sc3]
7...Sc6 8.O-O Dc7 9.d4
[9.Te1 Ld6 10.b3 O-O 11.Lb2]
9...cxd4 10.Sxd4 Sxd4 11.Dxd4 Ld6
[11...Td8 12.Dh4 Ld6 13.Sc3]
12.h3? Eine unnoetige Schwaechung des Koenigsfluegels. Dh4 haette es auch getan. O-O 13.Dh4 Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Interessant, dass der Coach schon einen Zug spaeter selbst einsieht, dass die Dame ohnehin von der d-Linie weg muss. Somit haette er sich h3 sparen koennen, und dieses (in der Eroeffnung sehr wichtige Tempo) fuer einen Entwicklungszug nutzen koennen. Tac8 Ein kurzer Blick auf die Stellung zeigt, dass Weiss zwar einen Mehrbauern hat, Schwarz jedoch dafuer vollkommen entwickelt ist. Also reine Ansichtssache, wie man diese Stellung beurteilt. 14.Le3 Le5
[14...Lxc4? Ist wegen ... 15.Tc1 b5 16.Sd2 ... zu gierig.
(16.b3? Le5!)]
15.Ld4? Wie war das mit dem Zweimalziehen einer Figur in der Eroeffnung ? Coach will eben unbedingt den Bauern behalten.
[15.Sd2 Lxb2 16.Tab1 Le5
(16...Lc3 17.Se4 Sxe4 18.Dxe4)
17.Lf3]
15...Tfd8
[15...Lxd4 16.Dxd4 Tfd8 Und Schwarz steht schon leicht besser, aber auch so bekommt Weiss jetzt Probleme.]
16.Lxe5 Dxe5 17.Sc3 Td2 18.Tfe1 Txb2 19.Tac1 g5?! Nichts sprach gegen Da5, Schwarz schwaecht unnoetigerweise den eigenen Koenig. 20.Dh6 Df4 21.h4?! Jetzt geht es los. Coach verfaehrt anscheinend nach dem Prinzip : Was du kannst (g5), kann ich auch (h4).
[21.Lf3 Txc4 22.Tcd1 Und alles ist wieder O.K. Weiss kommt mit Sc3-e2-d4 zurueck ins Spiel.]
21...Lxc4?
[21...Dxf2+! Ups, hat der Coach das gesehen? 22.Kxf2 Sg4+ 23.Kg1 Sxh6 24.hxg5 Sf5 Und Schwarz steht ausgezeichnet.]
22.Dxg5+ Dxg5 23.hxg5 Lxe2
[23...Sd7 24.Sd1]
24.gxf6 Und schon ist alles wieder in Butter. Der Coach hat sich irgendwie "rausgemogelt". Eine weitere kritische Stellung der Partie ist erreicht. Wenn wir uns in die Lage des Schwarzen hineinversetzen (man suche nach einem vernuenftigen Zug), werden wir schnell merken, dass es da gar nicht viele (genau genommen nur einen) gibt. Man koennte jetzt argumentieren : "Wer Dxf2 nicht sieht, sieht auch diesen Zug nicht ...", ich denke aber, dass sich Schwarz seine schwierigen Lage gar nicht bewusst war, sondern (veraergert darueber, dass das Gegenspiel schlussendlich keinen Vorteil gebracht hat) dem naechsten Zug keine grosse Bedeutung beigemessen hat.(ich werde noch zum Psychological Brain) Lg4?? Schwarz stellt einzuegig die Partie weg.
[24...Ld3 25.Sd1 Tbc2 26.Txc2 Lxc2 27.Se3]
25.Sd1! In Sachen Taktik kann man dem Coach einfach nichts vormachen, aber dies war ja auch nicht so schwer. Td8 26.Sxb2 h5 Man fragt sich vielleicht, warum Schwarz weiterspielt, ist die Stellung nicht aufgabereif ? Natuerlich ! Doch kennen wir das nicht alle ? Wenn man weiss, dass die Partie verloren ist, hadert man der vielen verlorengegangenen Chancen und kann sich nicht so richtig "trennen". Ausserdem, muss eine (was sage ich, JEDE !!) Partie gegen den Coach voll auskosten ! 27.Tc7 b5 28.Tc2? Passivitaet pur, mit Mehrturm !!
[28.Tee7 Le6 29.a4 bxa4
(29...Td2? 30.Te8+ Kh7 31.Txe6)
30.Sxa4]
28...Kh7 29.f3 Le6 30.Sd1 Kg6 31.Sf2 a5 32.Se4 Ein weiteres geniales Manoever !Schon steht der Springer bombig. b4 33.Tc5 a4 34.Ta5 Coach ist brutal. Anstatt mit Tg5+, g4, Kf2 und Th1 ein Mattnetz zu bauen, nimmt er (natuerlich psychologisch viel besser) dem Schwarzen auch noch die letzten Hoffnungen, welche in Form zweier schwarzer Bauern auf der 4.Reihe von einer Umwandlung traeumten. b3 35.axb3 axb3 36.Tb5 Tc8 37.Tb1 Lc4 38.Tg5+ Kh7 Aha, jetzt kommt die Mattidee ... 39.Tc5 ... wie konnte ich das nur vermuten, Coach nimmt natuerlich den sicheren Weg.

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