Das Schachmuseum Löberitz (4)

Museumslogo Besichtigungsmöglichkeiten
Das Museum hat keine festen Öffnungszeiten, ist aber in der Regel jeden Feitag von 17.00 bis 21.00 Uhr zu besichtigen. Weitere Termine können über Konrad Reiß (+49 (0)34956 / 25360 (privat), +49 (0)034956 / 60104 (dienstlich) oder über E-Mail vereinbart werden.

Gebäude (IV)

Als nächste Überschrift, die sich mit Schach und den vorhandenen Gebäuden befasst, müsste nun lauten:

Eröffnung des Schachmuseums im Jahre 2007

Ehrengäste zur Museumseröffnung Doch ein Museum ist mehr als nur ein Gebäude oder ein Zimmer, es ist der Inhalt der einer hoffentlich immer sich für die Vergangenheit interessierenden Nachwelt hinterlassen wird. Deshalb soll an dieser Stelle über einige interessante Exponate berichtet werden.
Anm. der Redaktion: Wir wollen noch kurz bei der Museumseröffnung verweilen, die ja zum Zeitpunkt der Drucklegung für die Broschüre noch in der Zukunft lag. Die Einweihung wurde am 01.06.07 im Rahmen der 800-Jahr-Feier vollzogen. Ehrengäste, Freunde und Mitglieder des Vereins sowie Besucher des Löberitzer Jubiläums waren anwesend. Unter den Worten von Dr. Günter Reinemann (Präsident des LSV Sachsen-Anhalt), Heidemarie Funke (Bürgermeisterin) und Paul-Werner Wagner (Vorsitzender der Lasker-Gesellschaft) sowie den musikalischen Einlagen von Josephine, Rebekka und Konrad Reiß wurde das Löberitzer Schachmuseum offiziell eröffnet.

Exponate und Ausstellungen (I)

Alle historischen Dokumentationen und Belege haben zum großen Teil ihren Ursprung in der Löberitzer Schachgeschichte, die in einer über 10.000 Seiten umfassenden Schachchronik19) dargestellt wird. Die Exponate gliedern sich vorrangig in vier Teile.

Darstellung der Löberitzer Schachgeschichte

Hierbei soll versucht werden, die Löberitzer Schachgeschichte, die natürlich in den vorhandenen Chroniken ausführlicher belegt ist, kurz und übersichtlich darzustellen. Es handelt sich um einen chronologischen Ablauf, der an bestimmten Höhepunkten inten-siviert und mit Zeigzeugnissen ergänzt wird.

Anm. der Redaktion: Die Inhalte der Schautafeln zur Geschichte sind von Anfang an auch auf der Homepage präsent gewesen und wurden hier fortwährend ergänzt. Siehe dazu die Seite zur Löberitzer (Schach-)Geschichte.

Schachbibliothek

Teil der Schachbibliothek Mit fast 1.400 Büchern, Broschüren und Zeitschriften bildet die Sammlung von Konrad Reiß das Grundgerüst für die in unterschiedlichen Genres aufgeteilte Bibliothek. Daran wurde 40 Jahre gesammelt und manch finanzieller Kraftakt an den Tag gelegt.
Die Schachbibliothek steht im Zeichen der Hl. Theresia von Ávila, der Schutzpatronin der Schriftsteller und Schachspieler. Die Figur wurde von Konrad Reiß und Uwe Bombien direkt aus dem mittelspanischem Ávila20) mit nach Löberitz gebracht.
Museumsblick Als Nummer 1 ist im Bestand die "Deutsche Schachzeitung" des Jahres 1878 deklariert. Dieser Jahrgang ist das einzige Buch, welches noch nachweisbar direkt vom Löberitzer Schachclubs überliefert ist. Eine Eintragung auf der Innenseite im vorderen Einbandteil mit der Inschrift "Eigenthum des Löberitzer Schachclubs" kündet davon.
Doch auch äußerst seltene Bücher sind hier zu finden. Zu nennen ist hier "Das Schachspiel in seiner eigenthümlichen und höheren Bedeutung" von einem unbekannten Autor21), gedruckt 1836 von G. R. Renner und Schuster in Nürnberg. Es enthält als erstes Buch überhaupt einen Entwurf zur Gründung eines Schachbundes.

Das Schachspiel ... ... in seiner eigenthümlichen ... ... und höheren Bedeutung

Für die jüngere, vor allem DDR-Geschichte belegen die Jahrgänge der seit 1947 existierende Zeitung "Schach-Express", welche ab 1950 in "Schach" umgetauft wurde und bis zur heutigen Zeit weiter besteht, eine ganze Zeitepoche. Interessant ist hier, dass 1996 die älteste und im 145. Jahrgang stehende "Deutsche Schachzeitung" ihr Erscheinen einstellte und mit ihrem Namen in die ehemalige DDR-Zeitschrift "Schach" aufging. Ein ganz seltener Weg der Deutschen Wiedervereinigung.
Über 120 Zeitungen dokumentieren eine lückenlose Schachgeschichte und können somit als Grundlage späterer historischer Forschungen dienen. Über 60 Kalender und Jahrbücher ergänzen die periodischen Informationen.
Löberitzer Chronik Spielansetzungen und Spielpläne des nicht mehr existierenden Bezirkes Halle und aus den Anfangsjahren des kurz vor der Wiedervereinigung neu gegründeten Landes Sachsen-Anhalt lassen für den Interessierten längst vergangene Zeiten detailliert aufleben.
Viel ist natürlich auch über die Löberitzer Schachgeschichte zu erfahren. Die zwei Löberitzer Schachchroniken 1871 - 1914 und 1914 - 1978, sowie ab 1978 38 Bände mit über 10.000 A4-Seiten, Programm- und Ergebnishefte zu 21 Schachtagen, Festschriften zu den Meisterschaften im Bistum Magdeburg und den Meisterschaften der Kirchenprovinz Sachsen und vieles mehr lassen fast keinen Zeitraum der 136 jährigen Schachtradition unbeachtet.
Wer erkennt jemanden? Insgesamt ist die Bibliothek in folgende Genres aufgeteilt: Belletristik, Biographien, Blitzschach, Chroniken, Computer, DDR-Meisterschaften, Deutsche Meisterschaften, Didaktik, Deutscher Schachbund, Endspiele, Eröffnungen, Europameisterschaften, Fernschach, Festschriften, Geschichte, Jahrbücher, Kataloge, Lexika, Kunst, Lehrbücher, Landeseinzelmeisterschaften, Landkreis Bitterfeld, Löberitz, Mannschaftswettkämpfe, Mittelspiele, Öffentlichkeitsarbeit, Olympiaden, Partiensammlungen, Philatelie, Philosophie, Problemschach, Psychologie, Recht, Regel, Saaleschachbund, Turniere, Übungsbücher, Unterhaltung, Verbände, Variationen, Weltmeisterschaften, Wissenschaft, Zeitschriften und Zörbig.
Dabei kann auf Bücher in folgenden Sprachen zurückgegriffen werden: Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Lettisch, Niederländisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Tschechisch und Ungarisch.

Die heilige Theresia von Ávila Alle Bücher sind digital registriert und können nach bestimmten Suchkriterien wie Titel, Autor, Verlag, Erscheinungsjahr oder den schon erwähnten Genres aufgefunden und verwaltet werden.
Wertvoll sind viele Publikationen auch durch handschriftliche Widmungen der Autoren oder anderer Personen, die sich dort verewigten. Zu nennen sind die ehemaligen Weltmeister Michael Tal, Tigran Petrosian und Wassili Smyslow sowie die Weltklassespieler Bent Larsen, Viktor Kortschnoi, Robert Hübner und Vasimil Hort.
Aber auch bekannte Großmeister wie Dr. Helmut Pfleger, Wolfgang Unzicker, Wolfgang Uhlmann, Matthias Wahls, Uwe Bönsch, Raj Tischbierek oder Andre Lilienthal haben ihr Autogramm hinterlassen.

Verleger und Herausgeber wie Manfred Mädler, Edwin Bhend und Dr. Hans Ellinger sind dort zu finden, die Problemkomponisten Fritz Hoffmann und Werner Speckmann und die Schachhistoriker Prof. Dr. Joachim Petzold, Walter Pieske, Helmut Wieteck und der Tarrasch-Biograf Wolfgang Kamm.
Bekannte Autoren wie Michael Ehn, Rolf Voland, Thorsten Cmil, Georg Grabitz, der Schachpoet Eduard Vollmar und Raymund Stolze müssen unbedingt genannt werden.

Löberitzer Schachschrank Sportfunktionäre und Prominente, u. a. Dr. Mohamed Yousif22), Erwin Kupka23), Gerda Kupka24), Helmut Hartmann25), Georg Becher26), Dr. Günter Reinemann sowie die Trainer Jörg Schulz, Heinz Rätsch, Holger Borchers, Hans Platz. Nicht vergessen möchte ich die beiden Löberitzer Ehrenmitglieder, die Schachmeister Heinz Liebert und Holger Pröhl.
Einige Turnierbücher enthalten eine ganze Reihe von eigenhändigen Unterschriften bekannter Meister und Großmeister. Wenn nicht oben schon genannt, sind es unter anderen Ratmir Cholmow, Dr. Burkhard Malich, Fernschach-Exweltmeister Horst Rittner, Charles Partos, Oskar Panno, Miodrag Vukic, R. Hernandez, Lubomir Kavalek, Janos Flesch, S. Kagan, Werner Hug, Andreas Huss, Heinz Wirthensohn, Eugenio Torre, Anthony J. Miles, Prof. Karl Robatsch, Hans-Günther Kestler, Wladimir Sawon, Ulf Andersson, Robert Byrne, Oskar Humberto, Castro Jojas, Istvan Csom, Joaquin Carlos Diaz, Efim Geller, Boris Gulko, Gennadij Kuzmin, Vladimir Liberzon, Andre Lombard, Lajos Portisch, Kenneth Saul Rogoff, Raul Sanguineti, Jan Smejkal und Genadi Sosonko.

Mehrere dieser freundlichen Widmungen sind in sehr persönlicher Form für Konrad Reiß oder die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz gehalten.
Mehrbändige Schenkungen von Herbert Sauerbrey27), Jens Lütke28), Heinz Liebert29) und Michael Klyszcz30) sowie Einzelexemplare von weiteren Schachfreunden, unter anderen von Rolf Voland und Dr. Reinhardt Liesigk, bereichern inzwischen den Bestand.

Konrad Reiß

19) Löberitzer Schachchronik 1871 - 1914, Löberitzer Schachchronik 1914 - 1978 und 38 Bände der Löberitzer Schachchronik von 1979-2006
20) Löberitzer Schachchronik, 1999, Teil 2, Band 21, S. 57 - 61
21) van der Linde gibt den völlig unbekannten N. Flammhorst als Autor des Buches an (Gesch. II, Berlin 1874, S. 370), andere Quellen benennen sogar Friedrich von Schiller (1759-1805) als Verfasser. Das Werk soll als Fragment aus dem Nachlass des Dichterfürsten stammen.
22) stellv. Vorsitzender der Kommunistischen Partei des Sudan
23) Ex-Vizepräsident des DSB der DDR
24) oftmalige DDR-Mannschaftsmeisterin
25) Oberstudienrat Helmut Hartmann (1925-2005) Ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Schachverbandes der DDR, Wittenberger Kaderschmied im Mädchen- und Frauenschach
26) Vorsitzender des Bezirksfachausschusses Halle
27) Herbert Sauerbrey (21.09.1934 - 21.01.2007), Wolfen, OT Reuden
28) Jens Lütke, FIDE-Meister aus Köln
29) Heinz Liebert (geb. 24. Mai 1936 in Ochla), Internationaler Meister aus Halle-Neustadt
30) Michael Klyszcz (geb. 5.Oktober 1962), Weltenbummler, z. Z. Offenbach

« Museum (3) | » Museum (5) | Zum Seitenanfang