Willinger Schachtage

1. Internationale Offene Hessenmeisterschaft

Vom 06. bis 14.07.1999 fanden im hessischen Willingen (ca. 60 km westlich von Kassel) die ersten internationalen Willinger Schachtage statt. Unter der Leitung der g4 - promotion (Marketingfirma) wurde das Sauerland für eine Woche Anziehungspunkt für viele Schachspieler ganz Europas. Daß die "Jünger Caissas" die herrliche Umgebung, gespickt mit sehr vielen Wanderwegen und Aussichtspunkten, zum "Schachurlaub" auserkoren hatten, scheint keinesfalls verwunderlich. Auch war das Turnier mit nur einer Doppelrunde und täglichem Rundenbeginn von 14 Uhr für solche Ausflüge wie geschaffen.
Den Veranstaltern war es zudem gelungen so klangvolle Namen wie GM Matthias Wahls, der im Rahmen der Schachtage ein Seminar anbot, GM Igor Glek, GM Vladimir Epishin und sogar GM Viktor Kortschnoi nach Willingen zu holen.
Letztgenannter war es denn auch, der während den Runden immer die Vielzahl von schachbegeisterten Fans um sich versammelt sah.
Neben dem Hauptturnier fanden auch ein Schnellschachturnier, was eine sichere Beute von GM Vladimir Epishin wurde, und ein Mitternachtsblitzturnier, das GM Igor Glek im Finale gegen den holländischen IM Manuel Bosboom für sich entscheiden konnte, statt.
Die 1. Offene Hessische Meisterschaft war mit 8 GM(!) und 5 IM sehr gut besetzt, jedoch fehlte bei einer Teilnehmerzahl von 105 SpielerInnen das "Mittelfeld" mit ELO/DWZ von rund 2200 - 2300, was hinter den Titelträgern ein größeres Loch verursachte. Sachsen-Anhalt war mit 4 Spielern vertreten: Dieter Napierala (SV Motor Zeitz), Michael Zeuner (SV Wolfen-Nord), Oliver Duchrow (SV Sangerhausen) und Martin Schuster (SV Wolfen-Nord).
Ich denke, es ist für jeden Schachspieler ein Erlebnis einmal gegen einen Großmeister zu spielen, dessen Namen man sonst nur in der Schachzeitung liest oder den man eventuell einmal bei einer Simultanveranstaltung beobachtet hat. In diesen Genuß kamen auch die 4 Sachsen-Anhaltiner, die allesamt mit einem GM die Klingen kreuzten.
Während Oliver bereits in Runde 1 auf Grund der Auslosung eine "Lehrstunde" bei GM Raj Tischbierek nehmen durfte, schrammten Martin (Runde 2 gg. GM Lau) und Michael (Runde 2 gg. GM Epishin) nur ganz knapp an einer Punkteteilung vorbei. In Runde 3 hielt Dieter in einem Doppelturmendspiel lange Zeit stand, ehe er nach 7 Stunden(!) GM Lau unterlag.
Charakteristisch für ein Open ist, daß die Favoriten bis Mitte des Tunieres einsam ihre Runden ziehen und von Sieg zu Sieg eilen, ehe sie untereinander ums große Geld kämpfen. Nur selten gelingt es einem Nichttitelträger die Phalanx der Meister zu durchbrechen. So auch in diesem Turnier: nach 5 Runden führten GM Epishin und GM Lau mit 4½ Punkten vor 10 Spielern (darunter auch GM Glek und GM Kortschnoi) mit 4 Pkt. das Feld an.
Für Dieter Napierala begann das Turnier mit 2/2 sehr verheißungsvoll, er konnte diesem Tempo in den folgenden Runden aber nicht ganz standhalten. Mit einem Schlußrundensieg kam er mit 4,5/9 auf Platz 45 ein; auf Grund seiner starken Gegnerschaft konnte er mit diesem Ergebnis einen ordentlichen DWZ-Gewinn verbuchen.
Oliver Duchrow hingegen erwischte einen schlechten Start. Bei seinen anfänglichen 1½/5 wollte ihm nichts so richtig gelingen. Doch nach seinem Zwischenspurt von 3/3 in den Runden 6-8 konnte er sich am Ende sogar über eine beachtliche ELO - Halbzahl (2165) freuen, die ohne die Schlußrundenniederlage noch höher hätte ausfallen können.
Michael Zeuner bot eine überzeugende Leistung, leider fehlte ihm bei den Spielen gegen die Titelträger noch das letzte Quentchen, um auch hier zu punkten. Nach gutem Spiel brachte er es mit abschließenden 2½/3 sogar noch auf 6 Punkte, was am Ende Platz 19 und einen Jugendpreis bedeutete.
Martin Schuster konnte nach anfänglichen 2½/5 nicht richtig zufrieden sein, doch mit einem Endspurt von 4 Siegen en suite verbesserte er sich auf 6½ Punkte sowie Platz 10 der Gesamtwertung und konnte sich über den Ratingpreis unter DWZ 2150 freuen. Martin konnte sogar noch 2 GM hinter sich lassen, die ihrerseits ihre Schlußrundenpartien verloren.
Gesamtsieger wurde auf Grund der besseren Wertung GM Ralf Lau (SVG Plettenberg), der nur gegen GM Viktor Kortschnoi (Platz 4, 7 Pkt.) verlor und gegen den Co-Sieger GM Vladimir Epishin (PSV/Turm Duisburg), der ebenfalls auf 7½ Punkte kam, ein Remis abgab. Dritter wurde der GM Igor Glek (SF Katernberg), der 7 Punkte erreichte.
Für die Veranstalter bleibt zu hoffen, daß im nächsten Jahr ein paar mehr SchachspielerInnen den Weg ins schöne Willingen finden, um die Schachtage zu einer festen Größe im Schachkalender auszubauen.

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