Es ist wieder so weit:

Folge 8: Schrödingers Katze

Richtig, ihr habt lange nichts mehr von uns gehört. Warum das so ist, fragt ihr? Naja, unsere "Verbindung zur Außenwelt" war eine ganze Weile gestört, weil … ja stimmt, PINKY war natürlich schuld... Er hatte - von unbändigem Hunger gejagt - sämtliche Telefon- und Internetkabel durchgenagt. Er meinte, der Käse, den er auf einer Homepage als Sonderangebot entdeckt hatte, müsse doch zum Greifen (oder Beißen) nahe sein. Dummerweise stellte sich darauf nicht das Käseparadies, sondern der "Wurst-Käse" bzw. wie die Amerikaner gerne sagen: worst case ein. Die Reparatur der Kabel benötigte selbstverständlich einige Zeit, denn der weltfremde Laborchef hatte der ganzen Misere erst nach dezenten Hinweisen unsererseits Beachtung geschenkt.

Aber das war ja erst der Anfang! Die zeitweise Isolation wäre ja noch auszuhalten gewesen, wenn, ja wenn der Umzug nicht gewesen wäre! Richtig: ein Umzug. Nach mehrjähriger fruchtbarer Tätigkeit, zahlreichen Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Büchern, die einen beachtlichen wissenschaftlichen Erfolg darstellten, der zweifelsohne auch Pinky und mir zu verdanken war (Gibt es eigentlich auch einen Nobelpreis für Versuchstiere?), wurde unsere Laborabteilung doch tatsächlich verlegt! Nun gut denkt man, wahrscheinlich um uns weiter zu fördern!? Ha - Pustekuchen! "Die wieder gewählte Regierung sehe andere Forschungsgebiete als weitaus wichtiger an", so eine allgemeine Verlautbarung, aber bekanntlich weiß man nichts Genaueres. Ich vermute aber noch eine viel größere Verschwörung, deren Aufdeckung freilich sehr viel mehr Zeit benötigen würde, als einer Maus zur Verfügung steht. Die Quittungen für unseren Umzug waren nun kleinere Räumlichkeiten, weniger soziale Kontakte zu anderen Labormäusen (Gut, dass hat mich nun nicht unmittelbar betroffen, Pinky allerdings fehlte sein Spielgefährte Qinky (das war direkt die nächste vom Institut angeschaffte Laborratte, nachdem man Pinky erstanden hatte. Daher der alphabetisch nahe liegende Name. Meiner-einer stammte aus einer älteren, der "-ain"-Reihe, ich persönlich kann mich nur noch an Crain und Drain erinnern, weiß aber nichts Besonderes über sie zu berichten. Bis heute frage ich mich, wer für diese "Einkaufspolitik" verantwortlich ist - nicht auszudenken, wie oft ich (meinetwegen auch wir!) bereits die Weltherrschaft an mich gerissen hätte, wenn … Nun gut, sei es, wie es sei.) und das Schlimmste habe ich noch verschwiegen: Unser neuer "Nachbar" hatte ein "reizendes" Haustier, welchem (und das war keinesfalls üblich in unseren Laborkreisen) erlaubt war, die Laborräume zu betreten. Richtig geraten: es war der Alptraum in Person … einer Katze! Huahh! Als wir dies bemerkten, fuhr es uns kalt den Rücken herunter! Pinky entgegnete mir, nachdem ich ihn auf unsere unliebsame Tür-an-Tür-Beziehung zum Erzfeind hinwies, mit einem pinkymäßigen "Narf, hey Brain, da können wir ja jetzt immer Katz und Maus spielen!" Ich hoffe, er hat mein anschließendes Kopfschütteln richtig interpretiert. Ich sage ausdrücklich "hoffe", weil ich es freilich nicht glaube.

Diese lange Zeit des Nicht-von-sich-hören-Lassens hatte natürlich auch ihre Vorteile: ich verwendete sehr viel Zeit darauf, um mir neue Weltherrschaftspläne auszudenken! Und was für welche dabei waren! Leider waren sie stets daran gescheitert, dass ich an irgendeiner klitzekleinen Stelle des standardgemäß wasserdichten Planes Pinky vorgesehen hatte. Ein Fehler, wie sich jedes einzelne Mal herausstellen sollte. Warum ich ihn überhaupt mitnehme, wollt ihr wissen? Naja, wie soll ich sagen - er ist mir ja auch irgendwie ans Herz gewachsen, ich fühle mich eben auch für ihn verantwortlich - und jetzt, ohne Qinky!?

Meine neueste Idee war aber idiotensicher, da konnte gar nichts schief gehen. Wirklich nicht. Dachte ich. Doch - ihr ahnt es schon - es kam wieder etwas dazwischen, und Pinky war keinesfalls unbeteiligt: Dabei spielte eine Laborapparatur unseres neuen Kollegen - übrigens Schrödinger mit Namen - (er erinnerte mich dabei immer an die Figur "Schröder" aus Charly Brown) eine wichtige Rolle. Ich hatte unbemerkt seine Versuche zur Quantenmechanik beobachtet und fand sie erstaunlich, der Mann war wirklich ein hervorragender Wissenschaftler! Ich wollte mir seine Gerätschaften nur mal "ausleihen". Ich würde seinen Namen sicherlich…bestimmt…in der Mehrzahl der Fälle…vielleicht… ab und zu… gar nicht nennen, wenn man mich später fragen würde, wie es uns gelungen war, die Weltherrschaft an uns zu reißen.
Meine Idee war die folgende: Wir klauen seine Apparatur, melden sie zum Patent an, und ernten Rum, Geld und jede Menge MACHT. Macht, die mit der uns dann ausgestatteten Würde, Namhaftigkeit und Anerkennung zu sehr einflussreichen Mäusen machen würde, und die Weltherrschaft wäre unser! Ihr habt natürlich Recht, wenn ihr sagt, dass das nicht gerade ein Brain-Plan ist. Keine ausgeklügelten Rückversicherungen, keine Finessen, Spitzfindigkeiten o. ä. Ich kann zu meiner Verteidigung nur sagen, dass ich auch nicht mehr der Jüngste bin. Und glaubt ihr wirklich, ich könne jeden Abend einen neuen, weltbewegenden, welterschütternden, weltumfassenden Weltherrschaftsplan aus dem Ärmel schütteln? Ich bin doch keine Musikproduktion, die die maßgeschneiderten Chart-hits einfach aus der Schublade holt. *schluck* Ich bin keine Maschine, ich bin auch nur eine Maus!

Etwas profan also, aber es war ein Plan. Zum verabredeten Zeitpunkt legten Pinky (Ja, er war wieder dabei!) und ich los. Auf in Schrödingers Büro! Mit dem zerbissenen alten Kabel hatten wir (wir lassen ja nichts wegkommen, man weiß nie, wofür so was noch gut ist) uns von Türklinke zu Türklinke gehangelt (man muss wissen, dass es eine Alarmanlage gab, die bei jeder Bewegung die Wache alarmiert hätte), um schlussendlich das Schlüsseloch zu erreichen. Im Büro angekommen, wollten wir uns gerade an die "Arbeit" machen, als Pinky (JAA, ich hatte ihn wieder mitgenommen!) wohl der Spieltrieb packte und er - und das war unser Verhängnis - die Gittertür von Schrödingers Katze (die hatte der Wissenschaftler anscheinend vergessen) öffnete, um ihr danach in gestenhaftem Wirrwarr zu erklären: "Du Katze, ich Maus. Wir jetzt spielen: Katz und Maus, narf!" Ich kam wir vor, wie in einer schlechten Verfilmung von Tarzan, wo Jane dem Urwaldkind gerade die Vornamen erklärt. Die Katze spielte SOFORT mit, und das ganze Büro inklusive Apparaturen, Gerätschaften etc. zerschellte schneller am Boden, als Pinky "Du kriegst mich nicht!" piepsen konnte. Wenig später tauchte - vom Lärm aufgeschreckt - die Wache und auch Schrödinger auf, der seine Katze schon vermisst zu haben schien. Als sie das Unheil betrachteten murmelte er was von " ... muss wohl das Gitter geöffnet haben…" und "… zum Glück habe ich meine Versuchsanordnung im Kopf ...quot; Verwirrt - so sind sie, die Wissenschaftler - aber glücklich zog er von dannen.
Irgendwie fühlte ich mich daraufhin wie ein kleiner Schuljunge. Es gab jemanden, vor dem ich mich wohl oder übel verneigen musste - ob ich wollte, oder nicht. Dieser Versuch, die Weltherrschaft an uns zu reißen, scheiterte also wieder einmal kläglich - das habe ich aber jetzt noch mit einem gewissen "Kollegen" aus der "-inky"-Reihe zu besprechen, der fröhlich hüpfend in die Pfoten klatschend "Sie hat mich nicht gekriegt, sie hat mich nicht gekriegt, narf!" singt. Na wartet, der kann was erleben!

Bis zum nächsten Mal verabschiedet sich euer Brain.

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