Folge 3: Time to zieh vorbei

"Wir müssen etwas unternehmen", rief ich Pinky, der mal wieder nichts Besseres zu tun hatte, als unsere gesamten Käsevorräte vor dem Kühlschrank aufzutürmen, beim Studieren der monatlich-erscheinenden Ausgabe von "Earthonia", einem der Magazine, erschrocken zu. Auf Seite 13 war wie immer die Hitliste der beliebtesten Promis abgedruckt. Diese Liste war eine bunte Mischung aus Stars aller Genres (Film und Fernsehen, Musik, Wirtschaft, ...). Mit anderen Worten: hier war das "Who is who" der Promiwelt vertreten. Bis dahin war ja noch alles O.K., jedoch fand ich uns [der Platz für Pinky & Brain berechnete sich wahrscheinlich aus dem arithmetischen Mittel der jeweiligen "Einzel-Beliebtheit" von Pinky (der uns damit natürlich in Sphären jenseits der Top Ten katapultierte) und Brain] auf Platz 25 wieder! (welche Schmach!?)
Ich fragte mich natürlich sofort, wie es kommen konnte, daß wir so weit hinter Superman (12) und vor allem Tom und Jerry (Platz 17) (ach ... diese Serie ist ja so unrealistisch - ich wäre mit Tom schon lange fertig...) und sogar Kurzi (23, langzeitlich Führender bei Quizmaster) zurückliegen konnten.
Ich kann es mir nur folgendermaßen erklären: sie haben das "&" in unserem Namen als "mal" gesehen und dann einfach das Produkt aus der Anzahl der Buchstaben von Pinky (5) und Brain (5) genommen, dann kommt man natürlich auf 25!
Diese Idioten, diese Verbohrtheit, diese Naivität ... sind sich zu fein, einmal die Wahrheit anzuerkennen!
Typisch sensationsgeile Menschen, da werden wieder fadenscheinige und unseriöse (angebliche) Umfragen gestartet, bei denen die wahren "Champs", also die, denen die Weltherrschaft eigentlich und rechtmäßig gehört, abgeschlagen im Mittelfeld (dieses Wort kannte ich bis zu jenem Tage überhaupt nicht) landen.
Doch nachdem ich mich etwas abreagiert hatte, (Pinky hatte inzwischen unsere Käsevorräte alphabetisch [von Appenzeller bis Ziegenkäse) geordnet (alle Achtung!!) und auf dem Küchenboden verteilt] kam mir eine Idee ...
Es sollte doch für ein eingespieltes Team von Supermäusen (und wahrlich Pinky und ich waren von diesem Kaliber) keine Hürde sein, in dieser Hitliste Platz 1 zu belegen. "Denn wenn ich die Menschen richtig einschätze, werden sie genau dann, wenn wir ganz beliebt sind, ganz viele Produkte von uns kaufen (Bücher, Videos, T-Shirts mit der Aufschrift "It doesn´t matter if there is pain, we are always fans of Pinky & Brain"...).
So werden wir bekannter und präsenter als alles bisher Dagewesene und können somit die Weltherrschaft an uns reißen", schloß ich meine Gedanken ab.
"Schon, aber wie willst du das anstellen, Brain?", fragte mich Pinky, der es sich derweil beim Schmökern in seiner Lieblingszeitschrift "Speck-trum" gemütlich gemacht hatte. "Das ist kein Problem Pinky", antwortete ich trocken.
"Die haben folgendes System beim Erstellen dieser Hitliste: jeder der das Bedürfnis hat, eine Stimme für jemanden abzugeben, ruft diese Nummer (ich deutete dabei auf die farblich hervorgehobene Telefonnummer am unteren linken Rand der Seite) an, spricht dann auf einen Anrufbeantworter und schon ist seine Stimme registriert."
"Du meinst ...", wollte Pinky beisteuern. "Ja", fiel ich ihm ins Wort, "wir rufen einfach ganz oft an, so daß uns der 1. Platz nicht mehr zu nehmen ist."
"Und wieviele Anrufe werden daß so ungefähr sein", fragte der sonst so telefonfreudige (ich erinnere mich noch an letzte Woche, als er eine geschlagene Stunde mit irgendeiner Labormaus aus der Ellington Road über den Sinn und Unsinn von trapezförmigen Verkehrsinseln in der städtischen Kanalisation diskutierte) Pinky.
"So ungefähr 5000, aber wir haben nur noch eine Woche Zeit (das verriet ein Blick auf den Einsende- oder besser Telefonschluß)".
Im gleichen Moment warf ich Pinky unser Telefon zu und diktierte ihm die Nummer. Daß es ein 24-Stunden-Job werden würde, war uns natürlich klar, aber wir hatten ja ein Ziel vor Augen. Ich forderte Pinky dazu auf, während seiner Schichten eine Strichliste zu führen, (man will ja wissen, wo man steht) doch nichts zu machen, Pinky ist und bleibt eben Pinky. Die Woche war um, und nun warteten zwei Labormäuse (wir hatten wirklich furchterregend-große Augenringe) darauf, daß der Postmann zweimal klingelte (das war unser geheimes Zeichen) und die neue Ausgabe von "Earthonia" in unser kleines, bescheidenes Labor liefern würde. Endlich war es soweit, das Magazin flatterte ins Haus. Ich überblätterte schnell die unwichtigen Seiten, um unseren Namen ganz oben auf Seite 13 zu lesen, doch dann: pures Entsetzen.
Wir waren auf Platz 8 mit 3234 Stimmen, den ersten Platz belegte irgendein amerikanischer Soapstar mit 4876 Stimmen. "Das kann doch nicht sein", überlegte ich laut, "meinen Berechnungen zufolge haben wir circa 6600 Gespräche geführt...".
"Ach ja, was ich dir noch sagen wollte, ich hab´ am Ende eine total geniale Taktik angewendet, die überhaupt nicht anstrengend war", warf mir Pinky lauthals zu. Ich ahnte Schlimmes, wenn Pinky schon das Wort genial in den Mund nahm... "Was hast du gemacht?", fragte ich entrüstet, aber noch ruhig.
"Ich habe einfach einmal angerufen und nicht wieder aufgelegt, so daß keine anderen Leute mehr unter der Nummer ihre Stimme abgeben konnten, genial, oder?"
Sicher, ich versuchte ruhig zu bleiben, aber ich konnte mir das eine oder andere laute Wort (wir hatten am nächsten Tag ein Beschwerde der Nachbarn bezüglich der Lautstärke im Briefkasten) Pinky gegenüber nicht verkneifen. "Du hast es wieder einmal vermasselt, Pinky, es gibt natürlich mehrere Leitungen zu dieser einen Nummer!! Du hättest in dieser Zeit locker die uns noch fehlenden Stimmen sammeln können."
Nach einem leisen, aber wahrscheinlich ernstgemeinten "Tschuldigung" seinerseits, schrie ich ihn verärgert aus dem Labor und sank kraft- und verständnislos in meinen Lieblingssessel. Doch schon im nächsten Moment schöpfte ich neuen Mut, denn wir (ich versöhnte mich noch am gleichen Abend mit Pinky) wären nicht Pinky & Brain, wenn wir nicht bald eine neue Chance suchen würden, die Weltherrschaft an uns zu reißen. In diesem Sinne!

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